CATL Aktie: Morgan Stanleys neue These
Morgan Stanley hat CATL neu bewertet — nicht mehr nur als Batteriehersteller, sondern als zentrale Infrastruktur der globalen KI-Energieversorgung. Ein 60-seitiger Bericht der US-Investmentbank positioniert das Unternehmen als erstklassigen Profiteur des KI-Booms. Die Hongkonger Aktie reagierte prompt.
Vom Batteriehersteller zur KI-Infrastruktur
Der Kern der Morgan-Stanley-These: Der eigentliche Engpass der KI-Entwicklung verlagert sich von Rechenleistung hin zu Strom. Energiespeichersysteme werden damit zur Schlüsselinfrastruktur — und CATL steht an vorderster Front.
Die Bank stuft CATL explizit als „erstklassigen Profiteur mit hoher Überzeugung“ ein. Ausschlaggebend sind Skalenvorteile, Kostenführerschaft und die fortgeschrittene Kommerzialisierung der Natrium-Ionen-Technologie. Morgan Stanley prognostiziert für 2026 bis 2027 ein jährliches Gewinnwachstum von 22,8 Prozent — mit dem Potenzial, bis 2030 über 20 Prozent pro Jahr zu wachsen.
Dass die These nicht nur auf Zukunftshoffnungen basiert, zeigen die Zahlen für 2025: Umsatz von 423,7 Milliarden Renminbi (plus 17 Prozent), Nettogewinn von 72,2 Milliarden Renminbi (plus 42 Prozent). Das Energiespeichergeschäft wuchs dabei um 29 Prozent und machte bereits 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. CATL-Manager gehen davon aus, dass dieser Bereich langfristig gleichauf mit dem E-Auto-Segment liegen wird.
Hongkong-Prämie auf Rekordniveau
Am vergangenen Donnerstag stiegen CATLs Hongkonger Aktien zeitweise um mehr als fünf Prozent. Die Bewertungslücke zwischen der Hongkonger H-Aktie und der Festland-A-Aktie erreichte dabei laut CLSA einen Höchststand von 45 Prozent — weit über der von Morgan Stanley als typisch eingestuften Prämie von rund zehn Prozent.
Reicht die KI-Neupositionierung allein aus, um diesen Aufschlag dauerhaft zu rechtfertigen? Die Fundamentaldaten liefern zumindest eine solide Grundlage. Im globalen Energiespeichermarkt hält CATL mit 30,4 Prozent Marktanteil seit fünf Jahren die Spitzenposition. Die Systemintegrationskapazitäten wuchsen 2025 um mehr als 160 Prozent. Weltweit sind rund 2.300 Projekte im Einsatz — darunter das KI-Rechenzentrum von SenseTime in Shanghai, das jährlich mehr als zehn Millionen Kilowattstunden einspart.
Produktionsausbau und regulatorischer Rückenwind
Auf der Kapazitätsseite verfügte CATL 2025 über eine Produktionskapazität von 772 GWh — weltweit die größte. Allein der neue Standort in Jining soll bis 2026 mehr als 100 GWh Energiespeicherkapazität hinzufügen.
Gleichzeitig stabilisiert sich das Marktumfeld in China: Branchendialoge zwischen den zehn größten Batterieherstellern und zuständigen Ministerien zielen darauf ab, ruinösen Preiswettbewerb einzudämmen. Für CATL, das mit seinen Margen ohnehin besser dasteht als die meisten Wettbewerber, wäre eine Stabilisierung der Preislandschaft ein zusätzlicher Rückenwind. Morgan Stanley erwartet zudem, dass globale Energiespeicherinstallationen 2026 die Marke von 900 GWh überschreiten werden — ein Volumen, das CATLs Marktführerschaft direkt zugutekäme.