Die Adidas Aktie gerät nach einer deutlichen Kehrtwende von Bank of America unter Druck. Die US-Bank hat ihre Einschätzung gleich um zwei Stufen gesenkt und sieht strukturelle Risiken im Sportartikelmarkt. Damit prallen ein sehr pessimistischer Einzelblick und weiterhin optimistische Konsensschätzungen frontal aufeinander.
Doppelte Herabstufung und gesenktes Kursziel
Am 6. Januar 2026 stufte Bank of America die Adidas Aktie von „Buy“ direkt auf „Underperform“ ab. Das Kursziel wurde dabei von 213 auf 160 Euro reduziert – ein klarer Bruch mit der bisherigen positiven Sicht.
Die unmittelbare Folge: Der Kurs rutschte an diesem Tag zeitweise um bis zu 7,6 % ab und zählte zu den schwächsten Werten im Stoxx Europe 600. Heute notiert die Aktie mit rund 163,55 Euro nur leicht über dem neuen BofA-Kursziel und rund 37 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 261 Euro.
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- Rating BofA: von „Buy“ auf „Underperform“ (zwei Stufen)
- Kursziel BofA: von 213 auf 160 Euro gesenkt
- Aktueller Kurs: 163,55 Euro
- 12-Monats-Performance: ca. -30,9 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch: rund -37 %
Analyst Thierry Cota nennt mehrere Gründe für den Schritt:
- Adidas dürfte nur noch einstellig organisch wachsen.
- Gewinnschätzungen flachen seit Monaten ab.
- Nach der Fußball-WM wird eine Verlangsamung des Geschäfts erwartet.
- Der Turnaround bei Nike könnte zusätzlichen Wettbewerbsdruck bringen.
Konkret hat BofA die EPS-Prognose für 2027 um 7 % gekappt, für die Folgejahre fallen die Kürzungen laut Einschätzung noch deutlicher aus. Die Argumentation zielt damit nicht auf einen einmaligen Dämpfer, sondern auf ein schwächeres Gewinnprofil über mehrere Jahre.
Casualwear-Boom vor dem Ende?
Im Zentrum der BofA-These steht ein möglicher Bruch eines langjährigen Trends: der Casualisierung im Schuhmarkt. Über etwa 20 Jahre ist der Sneaker-Anteil am Schuhsegment von rund 20 % auf etwa 50 % gestiegen. Nach Einschätzung der Analysten hat dieser Trend mit der Covid-Pandemie seinen Höhepunkt erreicht und sei weitgehend ausgereizt.
Die Konsequenz aus dieser Sichtweise: Künftiges Marktwachstum im Sportartikelbereich dürfte nur noch ungefähr auf BIP-Niveau liegen – also grob um die 5 % inklusive Inflation. Für einen Konzern, der in den vergangenen Jahren auf zweistellige Wachstumsraten gesetzt hat, wäre das ein deutlich gedämpftes Szenario.
Damit stellt BofA die Frage in den Raum, ob Adidas und andere große Anbieter ihr bisheriges Wachstumstempo strukturell nicht mehr halten können. Die Herabstufung ist folgerichtig eng mit dieser Markteinschätzung verknüpft und weniger mit einem singulären Unternehmensfehler.
Wettbewerbsumfeld: Konkurrenz mit Rückenwind
Parallel zur Marktdiskussion verweist BofA auf einen spürbar intensiveren Wettbewerb. Genannt werden vor allem:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Adidas?
- Nike: Der US-Rivale arbeitet an einem Turnaround. Gelingt dieser, könnte Kapital stärker zu Nike abwandern.
- On Holding: Behält bei BofA ein „Buy“-Rating und gilt als Profiteur eines anhaltend hohen Wachstums.
- Asics: Präsentiert sich mit robuster Dynamik, insbesondere im Performance-Segment.
- Puma: Wird als Kandidat für eine mögliche Erholung gesehen.
Die Botschaft: Adidas bewegt sich in einem Umfeld, in dem mehrere Wettbewerber mit klaren Wachstumsstories oder Erholungschancen auf sich aufmerksam machen. In Kombination mit einem abgeflachten Markttrend steigt damit der Druck, die eigene Position überzeugend zu untermauern.
Kursbild: Deutliche Korrektur, zähe Erholung
Die längerfristige Entwicklung spiegelt die wachsenden Zweifel wider. Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Adidas Aktie rund 30,9 % verloren. Seit Jahresbeginn liegt das Minus bei etwa 2,3 %. Der Kurs bewegt sich mit 163,55 Euro:
- gut 37 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 261 Euro
- rund 9 % über dem 52‑Wochen-Tief von 149,70 Euro
Charttechnisch bleibt das Bild angezählt: Der Titel notiert knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 163,99 Euro und rund 11 % unter dem 200‑Tage-Durchschnitt von 184,49 Euro. Der RSI von 41,1 signalisiert weder eine klare Über- noch Unterkauft-Situation. Von einem dynamischen Trendwechsel nach oben kann aktuell keine Rede sein.
Analystenkonsens: BofA klar in der Minderheit
Trotz der scharfen BofA-Abstufung bleibt der übrige Analystenkonsens deutlich positiver. Bernstein/SocGen bestätigt ein „Outperform“-Rating und ein Kursziel von 270 Euro. Das durchschnittliche Kursziel der erfassten Analysten liegt bei 226,60 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Niveau.
Ein Blick auf die Verteilung:
- 20 von 21 Analysten empfehlen den Kauf.
- 1 Analyst rät zum Verkauf.
- Die Kursziele reichen von 160 bis 278 Euro.
Damit steht die BofA-Einschätzung am unteren Ende der Erwartungsspanne. Während BofA das aktuelle Kursniveau bereits als fair bis leicht ambitioniert ansieht, unterstellt der Konsens ein spürbares Aufwärtspotenzial – vorausgesetzt, Adidas liefert operativ.
Fundamentaldaten und nächste Wegmarke
Operativ zeigte Adidas zuletzt solide Zahlen. Für das dritte Quartal 2025 meldete der Konzern:
- Umsatz: 6,63 Milliarden Euro
- Gewinn: 459 Millionen Euro
Für das Gesamtjahr 2025 liegt die Konsensschätzung beim Gewinn je Aktie (EPS) bei 7,61 Euro. Für 2026 werden 10,78 Euro erwartet. Das deutet auf einen klaren Ergebnisanstieg hin – eine Entwicklung, die im Widerspruch zur besonders vorsichtigen Sicht von BofA steht.
Wichtig wird nun, ob das Management am 4. März 2026 nachlegen kann: Dann stehen die nächsten Quartalszahlen an. Gelingt es, die angehobene Prognose von rund 9 % währungsbereinigtem Umsatzwachstum und einem operativen Ergebnis von etwa 2 Milliarden Euro zu bestätigen, würde das eher die optimistischen Konsensschätzungen stützen als das skeptische BofA-Szenario.
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