Edelmetall-Crash erschüttert globale Märkte

Ein historischer Absturz der Edelmetallpreise führte zu einer Kettenreaktion an den Finanzmärkten, ausgelöst durch die Nominierung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh.

Kurz zusammengefasst:
  • Gold mit stärkstem Tagesverlust seit Jahrzehnten
  • Silberpreis stürzte um 27 Prozent ab
  • Asiatische Aktienmärkte gerieten unter Druck
  • US-Dollar gewann durch Fed-Personalie an Stärke

Die internationalen Finanzmärkte erleben zum Wochenbeginn heftige Turbulenzen. Ein historischer Absturz bei Gold und Silber löste eine Kettenreaktion aus, die sich von den Rohstoffmärkten bis in die asiatischen Aktienbörsen ausbreitete. Auslöser war die Nominierung von Kevin Warsh zum nächsten Fed-Chef – eine Personalie, die Anleger weltweit nervös macht.

Beispiellose Edelmetall-Talfahrt

Gold verzeichnete am Freitag mit minus neun Prozent den stärksten Tagesrückgang seit 1983. Der Preis fiel von seinem Rekordhoch bei 5.594 Dollar binnen Stunden auf 4.686 Dollar. Noch dramatischer traf es Silber: Ein Kurssturz von 27 Prozent – der heftigste jemals gemessene Tagesverlust für das Edelmetall. Am Montag setzte sich die Abwärtsbewegung fort, Silber sackte zeitweise um weitere elf Prozent ab.

„Die Warsh-Nominierung war zwar der initiale Auslöser, rechtfertigt aber nicht das Ausmaß der Abwärtsbewegung“, erklärt Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade. Vielmehr seien Zwangsliquidationen und erhöhte Margin-Anforderungen in einem Kaskadeneffekt aufeinandergetroffen. Die CME Group erhöhte die Margin-Anforderungen für Goldfutures von sechs auf acht Prozent, für Silber gar von elf auf 15 Prozent – ein Schritt, der üblicherweise die Spekulation dämpft und Positionen unter Druck setzt.

Ansteckungseffekte auf Aktienmärkte

Die Verwerfungen bei Edelmetallen blieben nicht isoliert. Gehebelte Investoren, die zur Deckung ihrer Margin Calls gezwungen waren, verkauften auch andere Vermögenswerte. Asiens Börsen gerieten dadurch unter Druck: Der MSCI Asia-Pacific Index verlor 0,7 Prozent, Südkoreas Kospi – im Vorjahr noch der Spitzenreiter unter den Weltbörsen – brach zeitweise um 5,6 Prozent ein. S&P 500 Futures rutschten um ein Prozent ab.

„Das sieht weniger nach einem einzelnen Katalysator aus als nach klassischer Deleveraging-Phase mit Liquiditätsengpass“, analysiert Marc Velan, Investmentchef bei Lucerne Asset Management in Singapur. Systematisches Verkaufen und margin-getriebene Liquidationen träfen typischerweise zuerst die liquidesten Titel – was auch erkläre, warum selbst Bitcoin unter Druck geriet.

Eine Ausnahme bildete der japanische Nikkei, der gegen den Trend um 0,7 Prozent zulegte. Hintergrund: Umfragen deuten auf einen Erdrutschsieg von Premierministerin Sanae Takaichi bei der Parlamentswahl am kommenden Wochenag hin. Solch ein klares Mandat würde expansive Fiskalpolitik und schuldenfinanzierte Stimulusprogramme erleichtern – eine Aussicht, die Investoren trotz globaler Turbulenzen honorieren.

Fed-Personalie als Wendepunkt

Kevin Warsh gilt als weniger taubenhaft als andere potenzielle Kandidaten für den Fed-Vorsitz. Der ehemalige Fed-Gouverneur bevorzugt eine kleinere Zentralbankbilanz und hat sich wiederholt kritisch zu quantitativen Lockerungen geäußert. Seine Fokussierung auf Inflationsbekämpfung und sein generell dollar-freundlicher Politikansatz wirken sich negativ auf nicht-zinstragende Anlagen wie Gold aus.

„Warsh wird die Zinsen wohl senken, sobald er im Amt ist – aber er ist nicht die ultra-taubenhafte Nominierung, die der Markt weitgehend eingepreist hatte“, kommentiert Waterer. Die Märkte preisen für 2026 weiterhin mindestens zwei Zinssenkungen ein, erwarten die erste Bewegung jedoch erst im Juni – wenn Warsh voraussichtlich Fed-Chef sein wird. Die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen im April liegt bei 68 Prozent.

Ray Attrill, FX-Strategiechef bei NAB, gibt zu bedenken: „Trump hätte Warsh höchst unwahrscheinlich nominiert, wenn dieser nicht tatsächlich niedrigere Zinsen befürwortet.“ Es gebe reichlich Belege dafür, dass Warsh an höhere nicht-inflationäre Wachstumsraten glaubt.

Währungsmärkte in Bewegung

Der US-Dollar profitierte von der Nominierung und legte am Freitag um ein Prozent gegenüber dem Euro zu, der bei 1,1847 Dollar notiert. Auch gegenüber dem Yen gewann der Greenback 0,3 Prozent auf 155,17 Yen. Der australische Dollar, der im Januar noch 4,3 Prozent zugelegt hatte und ein Drei-Jahres-Hoch erreichte, fiel auf ein Wochentief von 0,6923 Dollar.

Besonders im Fokus steht die Reserve Bank of Australia, die am Dienstag ihre Zinsentscheidung verkündet. Mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit erwarten Märkte eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 3,85 Prozent – eine Trendwende nach drei Zinssenkungen im Vorjahr. Hartnäckige Inflation bei Mieten und Lebensmitteln sowie ein robuster Arbeitsmarkt liefern die Begründung für diesen Schritt gegen den globalen Trend.

Joseph Capurso von der Commonwealth Bank of Australia warnt jedoch: „Die gestiegene Volatilität bedeutet, dass der Aussie auch anfällig für scharfe Abwärtsbewegungen ist. Sollte der Absturz bei Edelmetallen anhalten, wird der AUD/USD nach unten gezogen.“ Australien als wichtiger Rohstoffexporteur leidet unter fallenden Metallpreisen besonders.

Asiatische Wirtschaft zeigt Resilienz

Trotz der Marktturbulenzen zeigen Wirtschaftsdaten aus Asien Widerstandsfähigkeit. Japans Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im Januar auf 51,5 – den höchsten Stand seit August 2022. Robuste Nachfrage aus den USA und Taiwan trieb das Wachstum. Auch Südkoreas PMI kletterte auf 51,2, während Chinas Caixin-PMI auf 50,3 zulegte, angetrieben von einer Erholung der Exportaufträge.

„Japans verarbeitende Industrie katapultierte sich zu Jahresbeginn zurück in Wachstumsterritorium, mit den stärksten Zuwächsen bei Produktion und Neuaufträgen seit fast vier Jahren“, kommentiert Annabel Fiddes von S&P Global Market Intelligence. Der Internationale Währungsfonds hatte seine globale Wachstumsprognose für 2026 im vergangenen Monat angehoben – ein Umfeld, das asiatischen Exportnationen grundsätzlich zugutekommt.

Langfristperspektive für Edelmetalle

Trotz des dramatischen Einbruchs sehen einige Analysten die längerfristige Rallye bei Edelmetallen nicht als beendet an. J.P. Morgan erklärte in einer Analyse: „Wir bleiben mittelfristig fest bullish für Gold überzeugt, basierend auf einem sauberen, strukturellen Diversifikationstrend, der vor dem Hintergrund echter Vermögenswerte weiter läuft, die Papieranlagen übertreffen.“

Die jüngste Rally hatte Gold bis auf 5.594 Dollar und Silber auf ein Allzeithoch von 121,64 Dollar getrieben, bevor die Korrektur einsetzte. Christopher Wong, Stratege bei OCBC in Singapur, sieht den fortgesetzten Ausverkauf als Zusammenspiel technischer und sentimentbasierter Faktoren: „Die Sensibilität gegenüber dem US-Dollar, Rendite-Repricing und Fed-Politik-Unsicherheit bleibt hoch. Margin-bezogene Verkäufe und das Auslösen von Verkaufsstopps verstärkten die Bewegung zusätzlich.“

Das turbulente Marktumfeld dürfte auch die kommenden Zentralbankentscheidungen prägen. Neben der RBA stehen Sitzungen der Europäischen Zentralbank und der Bank of England an. Die RBA gilt als klarer Ausreißer – während andere Notenbanken weiter lockern, könnte Australien den Kurs verschärfen. Doch was bedeutet das konkret für Anleger? Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich die Märkte stabilisieren oder die Verwerfungen weiter um sich greifen.

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