Netflix steht unter erheblichem Bewertungsdruck, obwohl das operative Geschäft 2025 deutlich gewachsen ist. Im Mittelpunkt steht der geplante Kauf großer Teile von Warner Bros. Discovery (WBD) für 82,7 Milliarden US‑Dollar – und der aggressive Widerstand von Paramount, der die rechtlichen Risiken deutlich erhöht.
Anleger müssen derzeit vor allem eine Frage beantworten: Wie hoch sind die finanziellen und regulatorischen Risiken dieser Mega-Transaktion im Verhältnis zum möglichen strategischen Gewinn?
Kursentwicklung und Ausgangslage
Die Aktie schloss am Freitag bei 89,46 US‑Dollar, ein Minus von 1,18 % gegenüber dem Vortag. Gegenüber dem 52‑Wochen-Hoch von 134,12 US‑Dollar ergibt sich ein Rückgang von rund 30 % in drei Monaten – ein klarer Abwärtstrend.
Fundamental sah 2025 zunächst solide aus:
– 10:1‑Aktiensplit
– Q3‑Umsatzplus von 17 % auf 11,51 Milliarden US‑Dollar
Trotz dieser Daten dominiert am Markt klar die Unsicherheit rund um die M&A‑Strategie.
Das 82,7‑Milliarden-Angebot
Netflix bietet für WBD‑Assets insgesamt rund 82,7 Milliarden US‑Dollar. Vorgesehen sind 23,25 US‑Dollar in bar plus 4,50 US‑Dollar in Netflix‑Aktien je WBD‑Aktie.
Strategisch will Netflix seine mehr als 300 Millionen Abonnenten mit den rund 128 Millionen Nutzern von HBO Max bündeln. Ab 2029 stellt das Management jährliche Kosteneinsparungen von 2 bis 3 Milliarden US‑Dollar in Aussicht.
Gleichzeitig verschlingt die Transaktion etwa 19 % der aktuellen Marktkapitalisierung von Netflix (rund 408 Milliarden US‑Dollar). Diese Größenordnung erklärt, warum viele Investoren vorsichtig reagieren.
Konkurrenzdruck durch Paramount
Parallel läuft ein Bieterwettstreit um WBD. Paramount Skydance hat ein deutlich höheres Angebot über 108,4 Milliarden US‑Dollar (30 US‑Dollar je Aktie) vorgelegt. Der WBD‑Verwaltungsrat hat dieses Angebot jedoch wiederholt zurückgewiesen.
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WBD verweist auf die Finanzierungsstruktur:
– Paramounts Angebot ist stark fremdfinanziert und könnte rund 54 Milliarden US‑Dollar zusätzliche Schulden für das kombinierte Unternehmen bedeuten.
– Das Netflix‑Gebot wird von WBD als „finanziell solider“ bewertet, gestützt auf Netflix’ Investment-Grade-Bonität und hohe Marktkapitalisierung.
Diese Konstellation verschärft den Wettbewerb, erhöht aber auch die Komplexität und das Risiko der Transaktion.
Regulatorische Front: Angriff aus Washington
Paramount versucht parallel, die Fusionsaufsicht auf seine Seite zu ziehen. Am 7. Januar wandte sich Paramount‑Chefjurist Makan Delrahim mit einem Schreiben an den Kartellrechts-Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses.
Kernpunkte seines Vorstoßes:
– Ein Zusammenschluss von Netflix und WBD sei nach geltenden Kartellstandards „vermutlich unrechtmäßig“.
– Die Marktmacht von Netflix im Streaming würde damit verfestigt.
– Die Argumentation, Netflix konkurriere direkt mit kostenlosen Plattformen wie YouTube, bezeichnete Delrahim als „psychedelic antitrust“ ohne rechtliche Grundlage.
US‑Justizministerium (DoJ) und EU‑Kommission dürften die geplante Übernahme voraussichtlich 12 bis 18 Monate lang prüfen. Diese lange Phase der Unsicherheit belastet den Aktienkurs spürbar.
Wichtige Kennzahlen im Überblick
- Aktueller Kurs: 89,46 US‑Dollar (Schlusskurs Freitag)
- Trend: Tagesverlust 1,18 %, rund 30 % unter 52‑Wochen-Hoch
- Nächster Termin: Quartalszahlen Q4 am 20. Januar (heute in neun Tagen)
- Geplante Akquisition: 82,7 Milliarden US‑Dollar für WBD
- Konsens-Kursziel: etwa 128,70 US‑Dollar (deutliches Aufwärtspotenzial bei Entspannung der Deal‑Risiken)
Was Analysten erwarten
Die Einschätzungen an der Wall Street fallen gespalten aus.
Goldman Sachs bestätigte am Freitag ein „Neutral“-Rating, senkte das Kursziel aber von 130 auf 112 US‑Dollar. Begründung sind die erheblichen Umsetzungsrisiken der Megaübernahme.
Jefferies‑Analyst James Heaney sieht den Kursrückgang dagegen als Gelegenheit und hält an einem Kursziel von 134 US‑Dollar fest. Er verweist vor allem auf das robuste organische Wachstum abseits der M&A‑Pläne.
Entscheidend wird nun der Q4‑Bericht am 20. Januar. Neben den reinen Wachstumszahlen dürften insbesondere Ausführungen zu Integrationskosten, Finanzierungsstruktur und dem erwarteten Umgang mit den Kartellbehörden bestimmen, wie die Aktie in den Wochen danach reagiert.
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