Der Sanierungsplan war bereits unter Druck — jetzt muss BayWa ihn grundlegend neu schreiben. Eine Ad-hoc-Meldung vom 11. März hat den gesamten Fahrplan verändert: Die Energietochter BayWa r.e. bringt deutlich weniger ein als kalkuliert, der Vorstandsvorsitzende räumt seinen Posten, und die Bilanz für 2025 könnte sich bis ins vierte Quartal 2026 verzögern.
US-Energiepolitik reißt Loch in den Finanzplan
Der ursprüngliche Rettungsplan setzte auf einen zentralen Baustein: den Verkauf der 51-prozentigen Beteiligung an BayWa r.e. für rund 1,7 Milliarden Euro bis Ende 2028. Dieses Szenario ist nun hinfällig. Veränderte regulatorische Rahmenbedingungen in den USA — dem wichtigsten Einzelmarkt der Energiesparte mit 534,7 Megawatt verkaufter Leistung im Jahr 2024 — drücken die erzielbaren Verkaufspreise erheblich. Der Planungshorizont verlängert sich um zwei Jahre auf 2030, die Jahresprognose für 2026 hat das Unternehmen vollständig gestrichen.
Um das Sanierungskonzept neu aufzusetzen, verhandelt BayWa mit Kernbanken und Hauptaktionären über eine Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026. Negative Auswirkungen auf die laufende Liquidität erwartet das Unternehmen daraus vorerst nicht.
Stellenabbau, Filialschließungen, Führungswechsel
Parallel läuft ein tiefgreifender operativer Rückbau. Rund 1.300 Stellen sollen abgebaut werden, 26 Niederlassungen schließen, der Konzernumsatz soll bis 2028 auf rund 10 Milliarden Euro sinken. Als nächster Verkauf ist die neuseeländische Tochter T&G Global geplant — Insidern zufolge könnte das rund 300 Millionen Euro zur Entschuldung beitragen.
Beim Gesamtziel von 4 Milliarden Euro Schuldenabbau bis 2028 stehen bislang knapp 33 Prozent auf der Habenseite. Maßgeblich war dabei der Verkauf der Handelstochter Cefetra, der Bankverbindlichkeiten von über 600 Millionen Euro tilgte. Die verbleibenden 2,7 Milliarden Euro bleiben die zentrale Herausforderung.
Auch personell vollzieht sich ein deutlicher Schnitt: CEO Dr. Frank Hiller legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder und scheidet Ende Juli endgültig aus. Drei Aufsichtsratsmitglieder — Monika Hohlmeier, Michael Höllerer und Monique Surges — treten gestaffelt bis Ende Mai zurück. Die Kontrollschwelle für zustimmungspflichtige Geschäfte wurde von 200 auf 50 Millionen Euro abgesenkt.
BaFin-Rüge und verzögerte Bilanz
Zusätzlichen Druck erzeugt die Finanzaufsicht: Die BaFin beanstandete den Jahresabschluss 2023 formal. BayWa hatte Aktionäre über wesentliche Finanzierungsrisiken im Unklaren gelassen — konkret fehlten im Lagebericht die Bedingungen eines Milliardenkredits sowie die Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe und kurzlaufender Schuldverschreibungen über 632 Millionen Euro.
Die Aufstellung des Jahres- und Konzernabschlusses für 2025 verzögert sich erheblich — möglicherweise bis ins vierte Quartal 2026.
Am 26. März veröffentlicht BayWa die Q4-Zahlen für 2025. Der Bericht wird das genaue Ausmaß der Abschreibungen bei der Energiesparte offenlegen und zeigen, wie viel Substanz für die Neuverhandlung der Kreditkonditionen noch vorhanden ist. Spätestens im Herbst 2026, wenn die Stillhaltevereinbarung ausläuft, muss das Management den Gläubigern ein vollständig überarbeitetes Konzept vorlegen.
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