Novo Nordisk Aktie: Konkurrenzdruck wächst

Mehrere Analysten haben ihre Prognosen für Novo Nordisk gesenkt und verweisen auf wachsenden Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig baut der Konzern sein Portfolio mit neuen Diabetes-Therapien aus.

Kurz zusammengefasst:
  • TD Cowen senkt Umsatz- und Gewinnprognosen für 2026
  • Partnerschaft für zellbasierte Diabetes-Behandlungen
  • Generika-Wettbewerb durch Dr. Reddy's in Indien
  • Entscheidende Produktlaunches und Studien für 2026

Novo Nordisk steht vor einem Spannungsfeld aus starkem Kerngeschäft und zunehmender Gegenwehr der Wettbewerber. Mehrere Analysten haben in den letzten Tagen ihre Erwartungen gekappt und damit Zweifel am Wachstumstempo ab 2026 geschürt. Gleichzeitig baut der dänische Pharmakonzern sein Diabetes-Geschäft strategisch in Richtung potenziell heilender Therapien aus – weit über die bekannten GLP‑1-Medikamente hinaus.

Analysten drehen an den Stellschrauben

Auslöser für den jüngsten Stimmungsdämpfer sind vor allem deutlich gesenkte Schätzungen einzelner Wall-Street-Häuser.

Novo Nordisk

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Der auffälligste Schritt kam von TD Cowen: Analyst Michael Nedelcovych hat seine Modellrechnungen für 2026 spürbar zurückgenommen. Er sieht den Umsatz nun bei 290 Milliarden DKK – rund 5 % unter seiner vorherigen Prognose von 334 Milliarden DKK und auch unter dem Marktkonsens von 296 Milliarden DKK. Beim Gewinn je Aktie geht er noch stärker auf die Bremse: Seine EPS-Schätzung fällt von 25,25 DKK auf 19,30 DKK, ein Rückgang von 14 %, und liegt damit auch unter dem Konsens von 21,26 DKK.

Interessant: Trotz der gekappten Erwartungen hält Nedelcovych an seiner Kaufempfehlung fest, reduziert aber das Kursziel deutlich von 105 auf 70 US‑Dollar. Zur Begründung verweist er auf die zunehmende Konkurrenz durch Eli Lilly im Inkretion‑Markt; ab 2026 könnten Umsatz und Gewinn nach seiner Einschätzung erstmals spürbar unter Druck geraten.

Auch Goldman Sachs passt sich den veränderten Rahmenbedingungen an und senkt das Kursziel von 60 auf 54 US‑Dollar, behält jedoch ebenfalls ein „Buy“-Rating bei. Im Fokus stehen hier die Wettbewerbsdynamik sowie der erwartete US‑Patentablauf von Semaglutid im Jahr 2032, der langfristig Spielraum für Generika eröffnet.

Weitere aktuelle Analysten-Schritte im Überblick:

  • Morgan Stanley: „Underweight“ mit Kursziel 42 US‑Dollar
  • BMO Capital Markets: „Market Perform“
  • HSBC: Herabstufung von „Strong Buy“ auf „Hold“
  • Argus: Bestätigung von „Hold“

Im Schnitt ergibt sich daraus nun eine Konsensempfehlung „Hold“ bei einem durchschnittlichen Kursziel von 56,21 US‑Dollar. Die Botschaft: Das Potenzial gilt als begrenzt, solange die Frage der künftigen Marktstellung im Adipositas- und Diabetes-Segment offen bleibt.

Langfristfantasie durch neue Diabetes-Therapien

Auf der strategischen Seite setzt Novo Nordisk zugleich klar Signale für die Zeit nach der aktuellen GLP‑1‑Welle. Am Dienstag wurde eine erweiterte Partnerschaft mit dem kanadischen Biotech-Unternehmen Aspect Biosystems bekanntgegeben.

Kern der Zusammenarbeit ist die Entwicklung zellbasierter Behandlungen für Diabetes. Aspect übernimmt zunächst Entwicklung und Produktion, Novo Nordisk sichert sich Optionen, die eigene Rolle später auszuweiten. Damit legt der Konzern einen Baustein für mögliche „heilende“ Diabetes-Therapien, also Ansätze jenseits der reinen Symptomkontrolle.

Aus Marktsicht eröffnet dies eine langfristige Umsatzchance mit deutlich anderem Profil als die heutigen Medikamente: Eine erfolgreiche Zelltherapie könnte das Portfolio diversifizieren und die Abhängigkeit von einzelnen Blockbustern wie Semaglutid verringern. Bis daraus sichtbare Erlöse entstehen, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

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Wettbewerb verschärft sich an mehreren Fronten

Generika-Signal aus Indien

Kurzfristig spürbarer ist der Druck im bestehenden Geschäft. Dr. Reddy’s will ab März in Indien eine generische Version von Ozempic auf den Markt bringen, nachdem dortige Patente ausgelaufen sind.

Das bedeutet für Novo Nordisk zunächst Gegenwind in einem großen, wachstumsstarken Markt. Zugleich werten Beobachter diesen Schritt als Signal, dass auch in anderen Ländern mittel- bis langfristig stärkerer Generikawettbewerb droht, sobald Schutzrechte auslaufen.

Eli Lilly als Hauptgegner

Hinzu kommt der direkte Wettbewerb mit Eli Lilly. CEO Mike Doustdar hat auf der JP Morgan Healthcare Conference zu Jahresbeginn offen eingeräumt, dass Novo Nordisk in mehreren internationalen Regionen stärker unter Druck steht.

Die Antwortstrategie des Konzerns ist dreigleisig:

  • Ausbau der Produktionskapazitäten, um die hohe Nachfrage besser bedienen zu können
  • Einführung höher dosierter Formulierungen, um Wirksamkeit und Differenzierung zu steigern
  • Neue Produkte wie CagriSema, die gezielt gegen Konkurrenzpräparate wie Zepbound von Eli Lilly positioniert werden sollen

Damit versucht Novo Nordisk, seine dominante Marktposition nicht nur zu verteidigen, sondern qualitativ weiterzuentwickeln.

Marktreaktion und Bewertung

An der Börse bleibt die Lage gemischt: Die Aktie hat sich in den letzten 30 Tagen um rund 16 % verbessert und notiert mit gut 50 Euro wieder deutlich über dem 50‑Tage‑Durchschnitt. Auf Jahressicht liegt der Titel aber noch immer über 34 % im Minus und weit unter dem 52‑Wochen‑Hoch – ein Hinweis darauf, wie stark die Erwartungen zuvor hochgeschraubt waren.

Die erhöhte Volatilität und das im internationalen Handel zeitweise deutlich höhere Volumen deuten darauf hin, dass institutionelle Anleger ihre Positionen an die neue Analystenlandschaft anpassen.

Wichtige Katalysatoren im Blick

Operativ steht für 2026 ein entscheidendes Jahr an, in dem mehrere konkrete Ereignisse den Kurs der Aktie maßgeblich beeinflussen können:

  • Markteinführung der Wegovy-Pille: Die orale Variante ist seit 5. Januar in den USA gestartet, mit Monatspreisen von 149 bis 299 US‑Dollar. Entscheidend wird sein, ob die Nachfrage die hohen Erwartungen rechtfertigt.
  • REDEFINE‑4-Studie: In dieser Phase‑III‑Studie tritt CagriSema direkt gegen Eli Lillys Zepbound an. Die Ergebnisse werden entscheidend dafür sein, wie stark Novo Nordisk im Adipositasmarkt der nächsten Generation mitspielen kann.
  • Höher dosiertes Wegovy (7,2 mg): Die höhere Dosis wurde am 16. Januar in Großbritannien zugelassen; eine Entscheidung der US‑Behörde FDA steht noch aus. Eine Zulassung in den USA könnte die Produktpalette im Kernsegment weiter stärken.
  • Q4‑2025‑Zahlen Anfang Februar: Der nächste Quartalsbericht wird ein erster Härtetest unter dem neuen CEO Mike Doustdar. Besonders genau geschaut wird auf die frühen Verkaufsdaten der Wegovy-Pille und die Marge im Umfeld intensiven Wettbewerbs.

Unterm Strich treffen bei Novo Nordisk aktuell zwei Entwicklungen aufeinander: kurzfristige Sorgen über Margen- und Wettbewerbssituation einerseits und langfristige Fantasie durch neue Therapieansätze sowie Produktinnovationen andererseits. Wie sich diese beiden Kräfte in den kommenden Quartalen austarieren, dürfte maßgeblich bestimmen, ob der jüngste Erholungstrend der Aktie Bestand hat.

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