Micron steht mitten im KI-Boom – und nun ziehen mehrere Großbanken ihre Kursziele deutlich an. Treiber sind starke Zahlen, ein ausverkauftes Zukunftsprodukt und ehrgeizige Ausbaupläne. Trotzdem tut sich die Aktie kurzfristig schwer, weil das Umfeld an der Wall Street hakelt. Wie passt das zusammen?
Analysten heben Kursziele deutlich an
Mehrere große Häuser reagieren auf Microns jüngste Quartalszahlen und den Ausblick mit markanten Kurszielerhöhungen. Angeführt wird die Runde von Cantor Fitzgerald: Das Kursziel steigt von 350 auf 450 US‑Dollar, die Einstufung „Overweight“ bleibt. Aus heutiger Sicht entspricht das einem erwarteten Aufwärtspotenzial von gut einem Drittel.
Ähnlich optimistisch zeigen sich andere Institute:
- KeyBanc Capital Markets: Kursziel von 325 auf 450 US‑Dollar angehoben
- Bank of America: von 300 auf 400 US‑Dollar
- Mizuho Securities: von 290 auf 390 US‑Dollar
Der Haken: Parallel zur positiven Analystenflut geriet der Gesamtmarkt unter Druck. Enttäuschende Zahlen von JPMorgan Chase und Delta Air Lines sorgten für Gewinnmitnahmen im S&P 500 und besonders im Nasdaq. In diesem Umfeld gab auch Micron leicht nach – trotz der Rückenwind-Signale von Analystenseite.
Aktuell liegt der Kurs bei 338,13 US‑Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht jedoch ein Plus von rund 258 % zu Buche, der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch beträgt nur gut 2 %.
Starke Zahlen und HBM‑Boom
Der Kern der optimistischen Bewertungen: Micron verdient im aktuellen KI‑Speicherzyklus deutlich besser als zuvor erwartet – und die Perspektive bleibt robust.
Im Fiskalquartal Q1 2026 übertraf das Unternehmen die Schätzungen klar. Der Gewinn je Aktie lag mit 4,78 US‑Dollar spürbar über dem Konsens von 3,77 US‑Dollar. Der Umsatz sprang um 56,7 % gegenüber dem Vorjahr auf 13,64 Milliarden US‑Dollar. Haupttreiber ist die hohe Nachfrage aus Rechenzentren, die immer mehr Speicher für KI‑Anwendungen benötigen.
Der Ausblick für das laufende Q2 2026 fällt ebenfalls ambitioniert aus. Das Management stellt einen Umsatzkorridor von 18,3 bis 19,1 Milliarden US‑Dollar in Aussicht, der Gewinn je Aktie soll zwischen 8,22 und 8,62 US‑Dollar liegen. Cantor Fitzgerald verweist zudem auf bessere Kostensenkungserwartungen und höhere Margen für 2026.
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Besonders im Fokus steht High Bandwidth Memory (HBM), eine Schlüsselkomponente für KI‑Beschleuniger. Micron meldet hohe Ausbeuten bei seinen 12‑High‑HBM3E‑Produkten und einen erfolgreichen Hochlauf der neuen G9‑NAND‑Generation. Entscheidend: Die HBM‑Kapazität für das gesamte Kalenderjahr 2026 ist bereits ausverkauft. Das verschafft dem Unternehmen hohe Planungssicherheit und stützt die optimistischen Kursziele.
Bewertung, Marktposition und Insiderverkäufe
Trotz des starken Kursanstiegs sehen Analysten Micron im Branchenvergleich noch nicht überteuert. Auf Basis der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2026 liegt das Forward-KGV bei rund 11 – deutlich unter dem Tech-Sektor-Durchschnitt von etwa 26. Gleichzeitig wird für 2026 ein Gewinnwachstum von rund 278 % prognostiziert, das den bisherigen Kursanstieg noch übertrifft.
Strategisch profitiert Micron davon, zu einem kleinen Kreis von Anbietern zu gehören, die HBM in großem Maßstab fertigen können. Neben SK Hynix und Samsung ist der Konzern einer von nur drei relevanten Playern. SK Hynix kommt aktuell auf etwa 61 % Marktanteil, Micron liegt bei rund 21 % und investiert aggressiv in zusätzliche Kapazitäten, um vom sogenannten „AI Memory Supercycle“ noch stärker zu profitieren.
Ein Gegenargument im bullischen Szenario sind jüngste Insiderverkäufe. In den vergangenen drei Monaten haben Führungskräfte und leitende Angestellte rund 318.800 Aktien im Gegenwert von etwa 72,3 Millionen US‑Dollar veräußert. Solche Transaktionen sind zwar häufig Teil von Vergütungs- und Liquiditätsplanung, das Volumen nahe Rekordkursen sorgt jedoch bei manchen Privatanlegern für Zurückhaltung.
Strategische Weichenstellungen und Ausblick
Parallel zur operativen Dynamik stellt Micron die Weichen für weiteres Wachstum. Am 16. Januar 2026 soll der symbolische Spatenstich für einen rund 100 Milliarden US‑Dollar teuren „Megafab“-Komplex im US‑Bundesstaat New York erfolgen. Dieses Werk ist zentral für die langfristige Versorgung mit fortschrittlichen Speicherprodukten und stärkt den US‑Fertigungsstandort.
Zudem strafft der Konzern sein Produktportfolio. Das Geschäft mit der Consumer-Marke Crucial wird aufgegeben, die letzten Lieferungen sind bis Februar 2026 geplant. Damit kann Micron Kapital und Managementaufmerksamkeit stärker auf margenstarke Unternehmens- und KI‑Lösungen lenken. Aktionäre, die Ende Dezember im Register standen, erhalten außerdem heute eine Bardividende von 0,115 US‑Dollar je Aktie.
Charttechnisch konsolidiert die Aktie knapp unter ihrem 52‑Wochen-Hoch, liegt aber weit über den längerfristigen Durchschnittslinien – der Abstand zur 200‑Tage-Linie beträgt deutlich über 100 %. In den kommenden Monaten wird entscheidend sein, ob Micron den hohen Erwartungen mit den Q2‑Zahlen und dem weiteren HBM‑Ausbau gerecht wird und damit die angehobenen Kursziele im Bereich von 400 bis 450 US‑Dollar untermauern kann.
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