Die Mannheimer Dissonanz, der Grönland-Schock und das 82-Milliarden-Wagnis

Der ZEW-Index erreicht den höchsten Stand seit Jahren, während neue US-Zölle auf Europa und fallende Aktienkurse die Stimmung an den Märkten trüben.

Kurz zusammengefasst:
  • ZEW-Konjunkturerwartungen steigen auf Höchststand
  • USA verhängen Zölle auf europäische Importe
  • Gold erreicht neues Allzeithoch als Sicherheit
  • Netflix-Ergebnisse und Mega-Übernahme im Fokus

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Tage an der Börse, an denen man instinktiv den Kompass prüft, weil die Nadel wild in zwei entgegengesetzte Richtungen gleichzeitig ausschlägt. Heute ist ein solcher Tag.

Während draußen der geopolitische Sturm, den wir gestern an dieser Stelle als „arktischen Poker“ bezeichneten, an Orkanstärke gewinnt, herrscht in den deutschen Prognose-Stuben plötzlich eitel Sonnenschein. Um Punkt 11:00 Uhr präsentierte uns das ZEW-Institut Zahlen, die eine fast surreale Diskrepanz zur Realität aufweisen.

Wir erleben eine Spaltung der Wahrnehmung: Hier die nüchterne Härte der Zölle und fallenden Kurse, dort die Hoffnung auf eine Konjunkturwende, die fast schon trotzig wirkt.

Willkommen in einer Ausgabe, die versucht, diese psychologische Kluft zu überbrücken.

1. Das ZEW-Paradoxon: Realitätsverlust oder Prophetie?

Beginnen wir mit der Zahl, die heute Vormittag in Frankfurt für ungläubiges Staunen sorgte: 59,6 Punkte.

Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen – das wichtigste Fieberthermometer für die Stimmung der Finanzanalysten – ist im Januar um bemerkenswerte 13,8 Punkte nach oben geschossen. Wir stehen damit auf dem höchsten Stand seit Juli 2021. ZEW-Präsident Achim Wambach spricht mutig von einem möglichen „Wendepunkt“ für das Jahr 2026. Besonders paradox: Ausgerechnet die exportabhängigen Branchen wie Maschinenbau (+22,7 Punkte) und Chemie strotzen in der Umfrage plötzlich vor Zuversicht.

Doch ein Blick auf den heutigen DAX verrät, dass die Händler auf dem Parkett diese Euphorie nicht teilen. Der deutsche Leitindex verlor bis zum Mittag rund 1,4 Prozent und kämpft im Bereich von 24.700 Punkten um Bodenhaftung.

Die Diskrepanz ist eklatant: Während die Erwartung (ZEW) durch die Decke geht, wird die aktuelle Lage mit -72,7 Punkten weiterhin als katastrophal bewertet. Es wirkt, als klammerten sich die Befragten an die Hoffnung, dass der Sturm vorüberzieht, während er in Wahrheit gerade erst an Kraft gewinnt.

2. Die Rechnung für den „Grönland-Rabatt“

Der Grund für die roten Vorzeichen in Frankfurt und die heutigen vorbörslichen Verluste an der Wall Street (S&P 500 Indikation ca. -1,4 Prozent) liegt nicht in Mannheim, sondern in der Eskalationsspirale zwischen Washington und Europa.

Was als Immobilien-Posse begann, ist nun harte handelspolitische Realität. Donald Trump hat seine Drohung wahr gemacht: Ab dem 1. Februar gelten 10 Prozent Zoll auf Importe aus acht NATO-Ländern, darunter Deutschland. Die Stufe zwei – eine Erhöhung auf 25 Prozent ab Juni – steht bereits als Drohkulisse im Raum.

Die Art der Kommunikation markiert dabei eine neue Qualität der diplomatischen Zerrüttung: Um seine Position zu untermauern, veröffentlichte der US-Präsident heute private Nachrichten von Weltführern, darunter eine SMS von Emmanuel Macron („I do not understand…“).

Für die Märkte ist diese Unberechenbarkeit Gift. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen kletterten in einer ersten Reaktion auf 2,88 Prozent. Der Markt preist ein Szenario ein, in dem der transatlantische Handel gegen eine Wand fährt. VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel brachte es heute trocken auf den Punkt: Nachdem die deutschen Exporte in die USA bereits 2025 um über 9 Prozent sanken, sind die neuen Zölle kein Warnschuss mehr, sondern ein Volltreffer ins Kontor.

3. Gold glänzt, Krypto friert

In diesem Klima der Angst sortiert sich das Kapital neu – und straft dabei eine Anlageklasse ab, die gestern noch stabil wirkte.

Der Gewinner: Gold. Das Edelmetall festigt seinen Status als ultimativer sicherer Hafen und durchbrach heute die Marke von 4.730 US-Dollar je Feinunze – ein neues Allzeithoch. Auch Silber zieht mit Rekorden über 95 Dollar nach. Wenn Staatsanleihen wackeln und Währungen zum Spielball erratischer Politik werden, flüchtet das Geld in Sachwerte ohne Gegenparteirisiko.

Der Verlierer: Bitcoin. Die Hoffnung, dass die Kryptowährung als „digitales Gold“ fungiert, hat in den letzten 24 Stunden einen herben Dämpfer erhalten. Der Kurs rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 91.000 US-Dollar.

Drei Faktoren treiben diesen „Krypto-Winter“:
1. Liquiditätsengpass: Steigende Anleiherenditen saugen spekulative Liquidität aus dem Markt.
2. ETF-Exodus: Die US-Spot-ETFs verzeichneten zuletzt Abflüsse von fast 400 Millionen Dollar.
3. Risiko-Aversion: In geopolitischen Krisen wird Cash (oder Gold) bevorzugt, nicht Code.

Analysten blicken nun nervös auf die 80.000er Marke. Die Stabilität, die wir gestern noch beobachteten, hat sich als trügerisch erwiesen.

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In diesem hochvolatilen Marktumfeld bietet sich für aktive Trader eine interessante Möglichkeit. Chefanalyst Carsten Müller hat eine Strategie entwickelt, die gezielt von starken Kursbewegungen profitiert – unabhängig davon, ob Märkte steigen oder fallen. Sein Cash-Alarm-System kombiniert technische Ausbruchssignale mit Volumenanalyse und fundamentalen Auslösern, um zweimal pro Woche konkrete Trading-Chancen zu identifizieren. Die bisherigen Ergebnisse zeigen durchschnittliche Gewinne von 62,5% pro Trade, wobei Rheinmetall +136,5%, Siemens Energy +96,9% und Cameco +60,2% lieferten. In seiner aktuellen Cash-Rallye plant Müller 20 Trades in 10 Wochen – quer durch alle Sektoren von Rüstung über Energie bis Tech. Details zur Cash-Alarm-Strategie und kostenloser Einstiegs-Trade

4. Showdown nach Börsenschluss: Netflix und der 82-Milliarden-Poker

Während der Makro-Druck lastet, bereitet sich die Wall Street auf ein unternehmerisches Highlight vor, das nach Börsenschluss die Stimmung drehen könnte. Netflix legt Zahlen für das vierte Quartal vor.

Doch der erwartete Umsatz von rund 12 Milliarden Dollar ist heute fast Nebensache. Alle Augen richten sich auf das gigantische 82,7 Milliarden Dollar All-Cash-Angebot für Warner Bros. Discovery. Die Netflix-Aktie hat in den letzten Monaten fast 30 Prozent an Wert eingebüßt, weil Investoren fürchten, der Streaming-Pionier könnte sich an diesem Mega-Deal verschlucken.

Heute Abend wird sich zeigen, ob das neue Werbegeschäft (Ad-Tier) stark genug wächst, um solche imperialen Ambitionen zu finanzieren. Es ist ein taktischer Test für Reed Hastings und Greg Peters: Zählt noch das organische Wachstum oder nur noch die Expansion um jeden Preis?

Das Fazit

Der heutige Tag lehrt uns eine wichtige Lektion über Marktpsychologie. Der ZEW-Index zeigt, dass die fundamentale Hoffnung der deutschen Wirtschaft intakt ist – die Auftragsbücher füllen sich langsam, die Industrie sieht Licht am Ende des Tunnels.

Doch diese zarte Pflanze der Zuversicht wird derzeit von den geopolitischen Stiefeln aus Washington zertreten. Für Sie als Anleger bedeutet das: Das „Goldilocks“-Szenario eines sanften Wachstums ohne Inflation ist vom Tisch. An seine Stelle tritt ein harter Verteilungskampf um Ressourcen und Marktzugänge.

Behalten Sie heute Abend die Netflix-Zahlen im Auge – sie könnten der Tech-Branche den nötigen Impuls geben, um sich kurzfristig vom Makro-Druck zu lösen. Langfristig jedoch zählt in diesen Tagen vor allem eines: Absicherung.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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