UK-Wirtschaft trotzt Steuererhöhungen

Die britische Wirtschaft zeigt Anfang 2026 überraschend robuste Wachstumsimpulse, während Unternehmen als Reaktion auf Steuererhöhungen massiv Stellen abbauen. Die Bank of England steht vor einem geldpolitischen Dilemma.

Kurz zusammengefasst:
  • Stärkster Wachstumsimpuls seit fast zwei Jahren
  • Massive Stellenstreichungen im Dienstleistungssektor
  • Bank of England vor Zinssenkungsentscheidung
  • Politische Risiken belasten Pfund und Märkte

Die britische Wirtschaft zeigt sich zu Jahresbeginn 2026 überraschend robust, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Einkaufsmanagerindizes auf das stärkste Wachstum seit fast zwei Jahren hindeuten, kämpfen Unternehmen mit den Folgen der Steuererhöhungen der Labour-Regierung – und reagieren mit drastischen Personalkürzungen.

Wachstum auf dem Papier, Sorgen in der Realität

Der S&P Global UK Composite Purchasing Managers‘ Index kletterte im Februar auf 53,9 Punkte – der höchste Stand seit April 2024, noch vor dem Amtsantritt von Premierminister Keir Starmer. Die Daten deuten auf ein Wirtschaftswachstum von rund 0,3 Prozent im ersten Quartal hin, deutlich mehr als die mageren 0,1 Prozent des Vorquartels.

Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global, spricht von „ermutigenden Zeichen für die britische Wirtschaft“. Doch dieser optimistische Tenor täuscht über eine bedenkliche Entwicklung hinweg: Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor schrumpft massiv. Unternehmen berichten von Entlassungswellen und Einstellungsstopps als direkte Reaktion auf die höheren Sozialversicherungsbeiträge, die Finanzministerin Rachel Reeves im April 2025 eingeführt hat.

Einige Firmen setzen verstärkt auf Technologie, um ohne zusätzliche Arbeitskräfte zu wachsen – ein Trend, der die strukturellen Veränderungen am britischen Arbeitsmarkt beschleunigt. Die Preise stiegen zwar im schnellsten Tempo seit April, doch die Kostenbelastung erhöhte sich nur moderat, was auf eine gewisse Entspannung bei den Inputkosten hindeutet.

Bank of England unter Druck

Die Gemengelage stellt die Bank of England vor ein Dilemma. Einerseits dürfte das stärkere Wirtschaftswachstum die Notenbanker ermutigen. Andererseits zeigen die schwachen Arbeitsmarktdaten und der moderate Preisdruck, dass weitere Zinssenkungen dringend erforderlich sein könnten. Die Märkte preisen für März bereits eine Zinssenkung um 20 Basispunkte ein – ING rechnet sogar mit einem weiteren Schritt im Juni.

Parallel dazu prognostiziert die niederländische Bank ein Erstarken des Euro gegenüber dem Pfund. EUR/GBP dürfte die Marke von 0,880 durchbrechen, da geopolitische Risiken und fragile Marktstimmung das Sterling stärker belasten als die Gemeinschaftswährung. Hinzu kommt das politische Risiko: Am Donnerstag steht für Starmer eine Nachwahl in Manchester an, die zur Schicksalsfrage für seine Führung werden könnte.

Ein deutlicher Wahlverlust an Nigel Farages Reform-Partei oder die Grünen könnte die Märkte erneut durcheinanderwirbeln. Investoren fürchten, dass ein möglicher Nachfolger Starmers mit linkerem Profil die Staatsausgaben und Kreditaufnahme weiter erhöhen würde – zusätzlich zu den ohnehin massiven Anleiheemissionen.

Einzelhandel überrascht, Anleihen profitieren

Überraschend stark zeigt sich der britische Einzelhandel: Im Januar legten die Verkäufe um 1,8 Prozent zu – der kräftigste monatliche Anstieg seit Mai 2024. Gleichzeitig meldete das Office for National Statistics einen höher als erwarteten Haushaltsüberschuss, was Spekulationen nährt, die Regierung könnte ihre Anleihepläne reduzieren.

Diese Entwicklung bot britischen Staatsanleihen technischen Rückenwind. Die Renditen gaben trotz der robusten Konsumentendaten nach: Fünfjährige Gilts notierten nahe 3,78 Prozent, zehnjährige fielen auf 4,35 Prozent, dreißigjährige auf 5,147 Prozent. Das Pfund rutschte gegenüber dem Dollar auf 1,3464 ab, während der FTSE 100 um 0,6 Prozent auf 10.686,60 Punkte stieg.

Die Divergenz zwischen starken Verbraucherzahlen und fallenden Anleiherenditen zeigt, wie fest die Märkte mit baldigen Zinssenkungen rechnen – selbst angesichts der Erholungstendenzen nach der Stagnation zum Jahresende 2025.

Strukturelle Herausforderungen bleiben

Bei aller kurzfristigen Erholung darf nicht übersehen werden: Die britische Wirtschaft bleibt anfällig. Der Arbeitsmarkt schwächelt, die politischen Risiken nehmen zu, und die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen wird zunehmend hinterfragt. Der Fertigungssektor erreichte zwar mit 52,0 Punkten ein 18-Monats-Hoch, und die Exportaufträge legten so stark zu wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr – doch diese positiven Signale können die strukturellen Probleme nicht überdecken.

Für Anleger bedeutet das: Die kurzfristige Stärke sollte nicht über die mittelfristigen Risiken hinwegtäuschen. Das Pfund bleibt verwundbar, und die politische Gemengelage könnte in den kommenden Wochen für erhebliche Volatilität sorgen. Wer auf britische Assets setzt, sollte die Entwicklungen in Manchester und die nächsten Entscheidungen der Bank of England genau im Auge behalten.

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