Zwölf Jahre Schweigen, jetzt bricht David Marcus sein Stillhalten: Der frühere PayPal-Präsident geht mit seinem ehemaligen Arbeitgeber hart ins Gericht. Sein Vorwurf: Das Unternehmen habe den Fokus von Innovation auf Finanzkennzahlen verschoben – und dabei den Anschluss an die Konkurrenz verloren. Die Kritik kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: PayPal steckt mitten in einem Führungswechsel, die Quartalszahlen enttäuschten, und die Aktie ist auf Talfahrt.
„Finanzen statt Produkte“
Marcus, der PayPal bis 2014 leitete und danach zu Meta wechselte, macht eine strategische Kehrtwende für die Probleme verantwortlich. Nach seinem Weggang sei die Unternehmensführung von produktgetrieben auf finanzgetrieben umgeschwenkt, erklärte er am 11. Februar gegenüber Benzinga. „Produktüberzeugung wich finanzieller Optimierung“, so Marcus. Diese Neuausrichtung auf Vorhersehbarkeit statt auf Plattform-Risiken habe PayPal genau dann geschwächt, als Wettbewerber wie Apple Pay den mobilen Zahlungsverkehr zu dominieren begannen.
Besonders scharf kritisierte Marcus den Umgang mit „Buy Now, Pay Later“ (BNPL). Während Konkurrenten wie Klarna und Affirm in diesem Segment starke Marken aufbauten, habe PayPal die Technologie nur als „defensive Checkout-Funktion“ behandelt. „Andere bauten Plattformen, PayPal fügte ein Feature hinzu“, bilanziert der Ex-Chef. Trotz bestehender Händlerbeziehungen und Kundenvertrauen habe das Unternehmen es versäumt, BNPL in eine zentrale Kundenbeziehung zu verwandeln.
Führungswechsel mit Fragezeichen
Die Kritik trifft PayPal in einer Phase des Umbruchs. Am 3. Februar gab der Konzern bekannt, dass CEO Alex Chriss durch Enrique Lores ersetzt wird, den früheren HP-Chef und langjährigen Aufsichtsrat. Der Vorstand begründete den Schritt mit zu langsamen Fortschritten: „Die Geschwindigkeit von Veränderung und Umsetzung entsprach nicht den Erwartungen des Boards.“ Bis Lores am 1. März offiziell übernimmt, führt Finanzvorständin Jamie Miller das Unternehmen als Interims-CEO.
Marcus zeigte sich skeptisch: Lores möge eine starke Führungskraft sein, „aber zumindest auf dem Papier ist er eine Hardware-Führungskraft. Für ein Zahlungsunternehmen.“
Enttäuschende Zahlen, schwacher Ausblick
Die Führungskrise fällt zusammen mit enttäuschenden Quartalsergebnissen für Q4 2025:
- Gewinn je Aktie: 1,23 US-Dollar (Schätzung: 1,28 US-Dollar)
- Umsatz: 8,68 Milliarden US-Dollar (Schätzung: 8,80 Milliarden US-Dollar)
- Total Payment Volume: 475,1 Milliarden US-Dollar (+9%)
- Aktive Konten: 439 Millionen (+1,1%)
Im Gesamtjahr 2025 wuchs der Umsatz um 4 Prozent auf 33,2 Milliarden US-Dollar. Venmo steuerte 1,7 Milliarden bei – ein Plus von 20 Prozent.
Schwerer wiegt der Ausblick: PayPal prognostiziert für Q1 2026 und das Gesamtjahr einen „mittleren einstelligen Rückgang“ beim Gewinn je Aktie. Die Wall Street hatte mit rund 8 Prozent Wachstum gerechnet.
Aktie unter Druck
Die Aktie notierte am Montag bei 35,00 Euro, aktuell bei 34,80 Euro. Seit Jahresanfang beträgt das Minus rund 30 Prozent, in zwölf Monaten summiert sich der Verlust auf über 50 Prozent. Der neue Chef Lores übernimmt ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von nur noch etwa 37 Milliarden US-Dollar – und einem Vertrauensproblem bei Anlegern. Am 1. März wird sich zeigen, ob er eine Antwort auf die grundsätzliche Kritik seines Vorgängers aus alten Tagen hat.
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