Rekordgewinn – und trotzdem deutlich weniger Geld für Aktionäre. Die Erste Group kappt die Dividende massiv, um eine milliardenschwere Expansion in Polen aus eigener Kraft zu finanzieren. Genau dieser Spagat zwischen Wachstum und Ausschüttung prägt jetzt die Story der Bank.
Am Freitag schloss die Aktie bei 94,75 Euro, auf 30 Tage gerechnet steht sie mit -13,39% unter Druck. Damit ist klar: Der Markt verdaut nicht nur Zahlen, sondern vor allem die Prioritätenverschiebung.
Rekordjahr 2025 liefert Rückenwind
Operativ hat die Erste Group 2025 stark abgeliefert. Der Nettogewinn stieg auf 3,5 Mrd. Euro nach 3,1 Mrd. Euro im Vorjahr. Treiber war vor allem das wachsende Kreditgeschäft: Das Kreditvolumen legte um 6,4% auf 232,0 Mrd. Euro zu.
Auch die Ertragsseite bleibt robust. Der Nettozinsertrag lag bei rund 7,8 Mrd. Euro, die Provisionserträge bei knapp 3,2 Mrd. Euro. Im Schlussquartal zeigte sich zudem Momentum: Erstmals sprang der quartalsweise Nettozinsertrag über 2,0 Mrd. Euro, die Provisionseinnahmen erreichten 850 Mio. Euro. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) verbesserte sich auf 16,6%.
Warum die Dividende so stark sinkt
Trotz Rekordergebnis schlägt der Vorstand eine Dividende von nur 0,75 Euro je Aktie vor – nach 3,00 Euro im Vorjahr. Das entspricht einer Kürzung um 75%. Parallel fällt die Ausschüttungsquote von 50–55% auf rund 10%.
Der Grund ist konkret: Die Bank finanziert damit die Polen-Expansion. Für den Erwerb von 49% an der Santander Bank Polska sowie 50% an Santander TFI flossen insgesamt 7 Mrd. Euro – vollständig aus Eigenmitteln. Was heißt das für Aktionäre? Kurzfristig weniger Ausschüttung, dafür soll die größere Plattform mittelfristig mehr Ertragskraft bringen.
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Wichtige Termine sind bereits gesetzt: Ex-Dividende ist am 22. April 2026, die Zahlung folgt am 24. April. Der Jahresbericht kommt am 13. März, die Hauptversammlung findet am 17. April statt.
Polen-Integration und Ausblick 2026: Wachstum mit Zusatzkosten
Der Deal wurde am 9. Januar 2026 abgeschlossen. In Polen werden 485 Filialen und 1.400 Bankomaten umgestaltet, das Rebranding soll im zweiten Quartal 2026 starten. Die Integration ist auf rund zwei Jahre angelegt.
Finanziell bringt das neben zusätzlicher Größe auch klare Einmaleffekte: Für die Integration sind etwa 180 Mio. Euro veranschlagt. Zusätzlich plant die Bank im Zuge der Erstkonsolidierung eine einmalige Kreditrisikovorsorge von 300 Mio. Euro brutto ein, mit einem Nettoeffekt von rund 120 Mio. Euro auf das Ergebnis.
Für 2026 setzt sich das Management ambitionierte Ziele: Kreditwachstum von über 5%, bereinigter Nettogewinn von über 4 Mrd. Euro und eine RoTE von rund 19%. Gleichzeitig steigen die Kostenblöcke: Betriebskosten von rund 7 Mrd. Euro sind eingeplant (Cost-Income-Ratio 45–47% für die erweiterte Gruppe). Dazu kommen Bankenabgaben und vergleichbare regulatorische Kosten von rund 450 Mio. Euro, vor allem in Ungarn und Rumänien, plus jährliche Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte von rund 70 Mio. Euro nach Steuern.
Unterm Strich läuft 2026 damit auf ein Jahr hinaus, in dem operative Stärke, Integrationsaufwand und regulatorische Belastungen gleichzeitig wirken. Erste harte Evidenz zur Polen-Wirkung liefert der Start der Konsolidierung ab dem ersten Quartal 2026 – und damit die ersten Quartalszahlen im Frühjahr.
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