Zwischen Davos-Diplomatie und harter Sanierungsarbeit: Bei Siemens Energy treffen derzeit geopolitische Risiken und eine festgezurrte Konzernstrategie direkt aufeinander. Während das Management auf dem Weltwirtschaftsforum den Dialog mit der US-Politik sucht, hat der Aufsichtsrat die Weichen für die Windkraftsparte klar gestellt. Wie wirkt sich dieses Doppelspiel aus Politik und Strategie auf die Aktie aus?
Politische Risikoabsicherung in Davos
Ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklungen ist das Treffen von CEO Christian Bruch mit US-Präsident Donald Trump in Davos. Hintergrund ist die hohe Bedeutung des US-Marktes – insbesondere durch den enorm wachsenden Energiebedarf von KI-Rechenzentren.
Bruch versucht, mögliche handelspolitische Risiken frühzeitig zu adressieren. Im Raum stehen vor allem neue Zölle oder andere protektionistische Maßnahmen, die das Geschäft in den USA belasten könnten. Brisant ist dabei die kritische Haltung Trumps gegenüber Offshore-Windkraft, einem Bereich, in dem Siemens Energy über Siemens Gamesa stark engagiert ist.
Die Skepsis spiegelt sich auch in Analystenkommentaren wider: UBS hat ihr „Sell“-Rating zuletzt bestätigt und explizit auf die Gefahr hingewiesen, dass protektionistische US-Politik eine Erholung der Margen im Windgeschäft erschweren könnte. Das Treffen in Davos ist damit mehr als Symbolik – es ist ein Versuch, die politischen Rahmenbedingungen für ein zentrales Zukunftsfeld des Konzerns zu stabilisieren.
Windkraftstrategie: „Fix it first“ bis 2028
Parallel zur politischen Bühne hat der Aufsichtsrat die strategische Ausrichtung für das Windgeschäft eindeutig festgelegt. Aufsichtsratschef Joe Kaeser erteilte den Forderungen des aktivistischen Investors Ananym Capital nach einer schnellen Abspaltung der verlustreichen Tochter Siemens Gamesa eine klare Absage.
Die beschlossene Linie sieht so aus:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Siemens Energy?
- Keine Abspaltung: Siemens Gamesa bleibt im Konzernverbund.
- Sanierung im Fokus: Zuerst sollen operative Probleme behoben und die Profitabilität verbessert werden – die Devise lautet ausdrücklich „Fix it first“.
- Zeithorizont bis 2028: Für die operative Sanierung des Windgeschäfts ist ein klarer Fahrplan bis 2028 definiert.
Damit setzt die Konzernspitze auf Kontinuität statt kurzfristiger Strukturmaßnahmen. Für den aktivistischen Investor ist dies ein deutliches Signal: Ein schneller „Spin-off-Trade“ ist vom Tisch, stattdessen dominiert ein längerfristiger Restrukturierungsansatz. Diese Klarheit schafft einen Rahmen, an dem sich die Bewertung der Aktie in den kommenden Jahren orientieren dürfte.
Kursbild: Starke Rally, hohes Risiko
An der Börse spiegelt sich die Mischung aus Fortschritten und Unsicherheiten in einem dynamischen, aber nervösen Kursverlauf wider. Gestern schloss die Aktie bei 131,70 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich damit ein beeindruckender Anstieg von rund 140 %, während das Papier gleichzeitig noch etwa 7 % unter seinem 52‑Wochen-Hoch von 141,84 Euro notiert.
Auffällig ist dabei die technische Ausgangslage:
- Der Kurs liegt deutlich über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 121,64 Euro und dem 200‑Tage-Durchschnitt von 100,80 Euro.
- Der Abstand von gut 30 % zur 200‑Tage-Linie unterstreicht die starke Rally der vergangenen Monate.
- Der 14‑Tage-RSI von 85,4 signalisiert kurzfristig eine überkaufte Situation.
- Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von gut 75 % zeigt, wie stark die Ausschläge zuletzt waren.
Der Markt honoriert damit zwar die Fortschritte und die klare Richtung in der Windkraftstrategie, preist aber gleichzeitig ein hohes Maß an Schwankungsrisiko ein. Politische Entscheidungen in den USA, der Fortschritt der Sanierung bis 2028 und mögliche Anpassungen der Analystenurteile bleiben zentrale Kurstreiber.
Fazit: Klarer Kurs, hohe Fallhöhe
Die Kombination aus politischer Risikoabsicherung in Davos und einer fest verankerten „Fix it first“-Strategie für Siemens Gamesa gibt dem Konzern eine erkennbare Richtung vor. Kurzfristig sorgen der stark gelaufene Kurs, der hohe RSI und die ausgeprägte Volatilität jedoch für eine erhöhte Fallhöhe. Entscheidend wird sein, ob das Management die angekündigte Sanierung des Windgeschäfts im vorgesehenen Zeitrahmen bis 2028 operativ untermauern kann – dann dürfte sich zeigen, ob die aktuelle Bewertung tragfähig ist oder korrigiert werden muss.
Siemens Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Siemens Energy-Analyse vom 22. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Siemens Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Siemens Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Siemens Energy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

