Ein KI-Spezialist im Gesundheitssektor muss seine Wachstumsstory präzisieren: Healwell AI steht nach einer Klarstellung gegenüber der Börsenaufsicht weiter unter Beobachtung. Im Kern geht es um ambitionierte Zukunftsprognosen und starke Marketingaussagen zu den eigenen KI-Lösungen. Wie belastend ist die Intervention der Aufsicht für die Investment-Story?
Hintergrund: Eingriff der Ontario-Aufsicht
Auslöser der aktuellen Unsicherheit ist eine Mitteilung vom 31. Dezember 2025, die Healwell AI auf Anforderung der Ontario Securities Commission (OSC) veröffentlichen musste. Die Behörde überprüft die Offenlegungspraxis des Unternehmens und forderte zusätzliche Erläuterungen zu zukunftsgerichteten Aussagen in einer Mitteilung vom 3. November 2025.
Damals hatte Healwell strategische Desinvestitionen gemeldet und dabei unter anderem einen „Annual Revenue Run Rate“ von 120 Millionen US-Dollar sowie Profitabilität auf Basis des bereinigten EBITDA hervorgehoben. Genau diese Aussagen mussten nun eingeordnet und mit klaren Grundlagen hinterlegt werden.
Parallel dazu bleibt auch die Börsenreaktion verhalten. In US-Handel notiert die Aktie aktuell bei 0,62 US‑Dollar und liegt damit rund 51 % unter dem 52‑Wochen‑Hoch von 1,28 US‑Dollar – ein deutlicher Hinweis auf anhaltenden Vertrauensverlust nach einem schwachen Jahr.
Zahlenbasis hinter der Wachstumsstory
In der Klarstellung bestätigt Healwell AI zunächst die Finanzkennzahlen, auf denen die genannten Prognosen beruhen. Die wichtigsten Punkte:
- Umsatz Q3 2025: 30,4 Mio. US‑Dollar aus fortgeführten Geschäftsbereichen, ein Sprung um 354 % gegenüber 6,7 Mio. US‑Dollar im Vorjahresquartal.
- Adjusted EBITDA Q3 2025: +0,7 Mio. US‑Dollar nach einem Verlust von 2,8 Mio. US‑Dollar in Q3 2024 – das zweite Quartal in Folge mit positivem bereinigtem EBITDA nach der Übernahme von Orion Health.
- Nettoverlust Q3 2025: 16 Mio. US‑Dollar aus fortgeführten Geschäftsbereichen.
Die oft zitierte Marke von 120 Mio. US‑Dollar Umsatz basiert laut Unternehmen auf einer einfachen Hochrechnung: Der Q3‑Umsatz wird auf ein Gesamtjahr annualisiert. Diese Methode ist im Wachstumssegment üblich, bleibt aber zwangsläufig spekulativ, weil sie ein einziges Quartal fortschreibt.
Damit wird klar: Operativ zeigt Healwell AI beachtliches Wachstum und erste Fortschritte Richtung Profitabilität, gleichzeitig bleibt das Geschäft auf Konzernebene noch tief in den roten Zahlen.
Marketingaussagen zu KI unter der Lupe
Neben den Finanzzahlen nahm die OSC auch qualitative Aussagen zu den KI-Produkten des Unternehmens ins Visier. Konkret ging es um Formulierungen wie „branchenführende und durch Dritte validierte KI-Lösungen“.
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Healwell AI präzisierte, dass sich diese Aussagen nicht auf finanzielle Kennzahlen, sondern auf externe Anerkennung und wissenschaftliche Validierung beziehen. Zur Untermauerung verweist das Unternehmen unter anderem auf:
- den Prix Galien USA 2024 für die Tochter Pentavere als „Best Digital Health Startup“,
- peer‑reviewte Publikationen in JAMA Otolaryngology, Journal of Clinical Oncology und Current Oncology, die die Leistungsfähigkeit der DARWEN‑AI‑Plattform belegen sollen,
- reale Einsatzszenarien im Gesundheitswesen.
Damit versucht das Management, den Spagat zwischen werblich zugespitzten Aussagen und regulatorisch sauberen Formulierungen zu meistern. Für Investoren ist entscheidend: Die Aufsicht zwingt zur Klarheit, stellt aber die gemeldeten Validierungen nicht grundsätzlich in Frage.
Verhaltenes Interesse an der Aktie
An der Börse spiegelt sich die Situation in einem eher nüchternen Handelsbild wider. Das Volumen ist niedrig, die Aktie bewegt sich nach dem deutlichen Rückgang der vergangenen zwölf Monate eher seitwärts. Der Kurs liegt mit 0,62 US‑Dollar nur leicht über dem jüngsten 52‑Wochen‑Tief von 0,50 US‑Dollar, während der 200‑Tage‑Durchschnitt bei 0,80 US‑Dollar deutlich darüber notiert – ein Hinweis auf einen anhaltenden Abwärtstrend trotz kurzfristiger Stabilisierung.
Marktbeobachter dürften dieses Muster als Ausdruck von Zurückhaltung werten: Es fehlt an offensivem Kaufinteresse, gleichzeitig kommt es aber auch nicht zu einem neuen Kursrutsch. Viele Anleger scheinen weitere Belege für nachhaltiges Wachstum und eine saubere Kommunikation abwarten zu wollen.
Ausblick: Quartalszahlen als Bewährungsprobe
Der nächste zentrale Prüfstein steht bereits fest: Für Ende März 2026 plant Healwell AI die Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025. Dann wird sich zeigen, ob der starke Umsatzanstieg aus Q3 fortgesetzt werden konnte und ob die Serie positiver Adjusted‑EBITDA‑Quartale hält.
Operativ konzentriert sich das Unternehmen nach den Desinvestitionen vom November 2025 auf ein reines SaaS‑, Service- und KI‑Modell und hat seine Bilanz durch rund 9,4 Mio. US‑Dollar zusätzlicher Barmittel gestärkt. Gleichzeitig bleibt die Integration von Orion Health, übernommen am 1. April 2025, ein zentrales Projekt, um weltweit im Bereich großer Health‑Care‑Systeme zu wachsen.
Für die kommenden Monate ist damit klar umrissen, woran sich der Markt orientieren wird: Gelingt es dem Management, das hohe Umsatztempo zu bestätigen, den Verlust deutlich einzugrenzen und gleichzeitig transparent mit regulatorischen Anforderungen umzugehen, hat die Aktie die Chance, verlorenes Vertrauen schrittweise zurückzugewinnen.
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