Mit dem Einstieg von Adnoc endet für Covestro die Zeit als eigenständiger börsennotierter Chemiekonzern. Der Mehrheitsaktionär hat jetzt die Schwelle für einen Squeeze-out überschritten und leitet den vollständigen Rückzug von der Börse ein. Für die verbliebenen Minderheitsaktionäre rückt damit eine Frage in den Mittelpunkt: Zu welchem Preis werden ihre Anteile abgefunden?
Squeeze-out: Adnoc übernimmt das Ruder
Die Investmentgesellschaft XRG P.J.S.C. aus der Adnoc-Gruppe hat das förmliche Squeeze-out-Verfahren gestartet. Adnoc kontrolliert inzwischen 95,1 Prozent der Covestro-Anteile und liegt damit über der gesetzlichen Schwelle, um Minderheitsaktionäre zwangsweise herauszukaufen.
Die Barabfindung muss im Rahmen eines Bewertungsgutachtens festgelegt werden. Erst diese Größe entscheidet, ob der Ausstieg für die letzten freien Aktionäre attraktiv oder eher Pflichtübung wird.
Wichtige Punkte im Überblick:
- Adnoc-Anteil: 95,1 Prozent der Aktien
- Rechtsfolge: Einleitung des Squeeze-out-Verfahrens
- Barabfindung: Ermittlung über Bewertungsgutachten
- Börse: Perspektivisches Delisting der Aktie
Der jüngste Schlusskurs von 60,52 Euro spiegelt im Wesentlichen die bereits eingepreiste Übernahmeprämie wider. Mit einem Abstand von rund 8 Prozent zum 52‑Wochen-Hoch bei 66,00 Euro und einem RSI von 30,3 wirkt der Kurs technisch zwar gedrückt, ist aber klar von Übernahme- und nicht mehr von Branchennachrichten geprägt.
Management und operatives Geschäft im Übergang
Parallel zur Eigentumsverschiebung gibt es personelle Bewegung im Vorstand. Finanzchef Christian Baier wird seinen Vertrag planmäßig bis September 2026 erfüllen und das Unternehmen danach auf eigenen Wunsch verlassen. Ein Nachfolgeprozess ist angekündigt, um in der Phase der Integration unter dem Adnoc-Dach Kontinuität zu sichern.
Operativ bleibt Covestro in seinen Kernmärkten gut positioniert. Aktuelle Analysen von Future Market Insights und Data Bridge Market Research sehen den Konzern weiterhin unter den global führenden Anbietern:
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- bei Organokatalysatoren für die Polyol-Umwandlung
- im Markt für Polyurethanschaum im Nahen Osten und Afrika (MEA)
Diese Segmente profitieren von der anhaltenden Expansion der Bau- und Automobilindustrie in der Region. Für die Kursbildung spielt diese Stärke allerdings kaum noch eine Rolle – der Titel hat sich von der typischen Volatilität im Chemiesektor weitgehend entkoppelt.
Adnoc-Strategie und Branchenumfeld
Der Squeeze-out ist eingebettet in eine breit angelegte Expansionsstrategie von Adnoc. Der staatliche Konzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten diversifiziert konsequent in Richtung Chemie und Energieprojekte außerhalb des klassischen Ölgeschäfts.
Zuletzt wurde berichtet, dass Adnoc neben der Integration von Covestro auch einen Einstieg in den venezolanischen Gasmarkt prüft. CEO Sultan Al Jaber wird für 2026 als einer der führenden Akteure im globalen Chemiesektor geführt – ein Hinweis, wie zentral der Bereich für die Konzernstrategie geworden ist.
Für Covestro markiert der Schritt das Ende der Eigenständigkeit im DAX und später im MDax. Während Wettbewerber wie BASF weiterhin mit Überkapazitäten, schwacher Nachfrage in China und kritischen Analystenkommentaren ringen, ist Covestro durch den Adnoc-Deal weitgehend von solchen Branchensorgen abgeschirmt. Die Aktie verharrt in einer engen Spanne um den Übernahmepreis, was für späte Übernahmephasen typisch ist.
Letzte Phase an der Börse
Für die verbliebenen freien Aktionäre läuft nun der letzte Abschnitt der Covestro-Börsenstory. Mehrere Schritte stehen an, die den weiteren Ablauf bestimmen:
- Bewertungsprozess: Die Höhe der Barabfindung wird auf Basis eines Gutachtens festgelegt. Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Größe am gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen Monate beziehungsweise am Übernahmeangebot orientieren dürfte.
- Außerordentliche Hauptversammlung: Auf einer noch einzuberufenden Versammlung soll der Squeeze-out formal beschlossen werden. Hier fällt der rechtlich entscheidende Beschluss für den Ausschluss der Minderheitsaktionäre.
- Delisting: Nach Eintragung des Beschlusses ins Handelsregister wird die Notierung der Covestro-Aktie an den Wertpapierbörsen eingestellt.
Schon im Vorfeld dürfte der Handel weiter ausdünnen, da über 95 Prozent der Aktien in festen Händen liegen. Charttechnisch ist der Titel faktisch „eingefroren“: Die Notiz verläuft seitwärts um rund 60,50 Euro, und Impulse aus dem operativen Geschäft – etwa aus den Wachstumsmärkten Polyole und Polyurethanschaum in MEA – schlagen sich kaum noch im Kurs nieder.
Entscheidend für den Schlusspunkt dieser Entwicklung wird die endgültige Festlegung der Abfindung und der anschließende Beschluss auf der außerordentlichen Hauptversammlung sein; mit deren Durchführung und der Registereintragung ist die Börsenära von Covestro voraussichtlich abgeschlossen.
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