Newmont liefert operativ und finanziell ein Ausrufezeichen – doch ausgerechnet der Blick nach vorn bremst die Euphorie. Denn für 2026 stellt der Goldkonzern weniger Produktion und leicht höhere Kosten in Aussicht. Zusätzlich schwelt ein Streit mit Barrick um das wichtige Joint Venture Nevada Gold Mines.
Q4 überzeugt – getragen vom Goldpreis
Im vierten Quartal 2025 übertraf Newmont die Gewinnerwartungen deutlich: Der bereinigte Gewinn lag bei 2,52 US-Dollar je Aktie, während Analysten im Schnitt 1,94 US-Dollar erwartet hatten. Der Rückenwind kam vor allem über den Goldpreis: Der durchschnittlich erzielte Preis stieg laut Reuters im Quartal auf 4.216 US-Dollar je Unze, rund 60% mehr als vor einem Jahr.
Gleichzeitig zeigte sich aber auch die Kehrseite der Minenrealität. Die zurechenbare Goldproduktion sank um etwa 24% auf 1,45 Mio. Unzen. Newmont begründete das mit geplanten Abbaufolgen („mine sequencing“) an mehreren Standorten, darunter Peñasquito, Ahafo South und Yanacocha. Unterm Strich floss dennoch reichlich Geld: Der Free Cashflow lag laut Trefis bei rund 2,8 Mrd. US-Dollar im Quartal, für das Gesamtjahr werden 7,3 Mrd. US-Dollar genannt.
Dividende rauf, Rückkäufe laufen weiter
Aktionäre sollen weiter beteiligt werden. Der Vorstand erhöhte die Quartalsdividende auf 0,26 US-Dollar je Aktie (zuvor 0,25 US-Dollar). Die Zahlung ist für den 26. März 2026 vorgesehen, Stichtag ist der 3. März.
Auch beim Aktienrückkauf bleibt Newmont aktiv: Seit dem Q3-Call kaufte das Unternehmen Aktien für 323 Mio. US-Dollar zurück. Unter dem bestehenden Programm (insgesamt 6 Mrd. US-Dollar) sind noch 2,4 Mrd. US-Dollar verfügbar.
2026 wird ein Übergangsjahr – und ein Streitpunkt
Trotz der starken Zahlen macht die Prognose klar: 2026 dürfte operativ zäher werden. Newmont rechnet mit rund 5,3 Mio. Unzen Goldproduktion – weniger als die etwa 5,9 Mio. Unzen aus 2025. Gleichzeitig sollen die All-in Sustaining Costs (AISC) leicht auf 1.680 US-Dollar je Unze steigen (2025: 1.599 US-Dollar).
Das Management spricht von einem Übergangsjahr, getrieben durch Abbauplanung, abgeschlossene Asset-Verkäufe und Projektzyklen. Genannt werden unter anderem der Phasenwechsel in Peñasquito, eine temporäre Reduktion bei Cadia sowie ein niedrigerer Beitrag aus den Joint Ventures Nevada Gold Mines (nicht von Newmont gemanagt) und Pueblo Viejo.
Genau bei Nevada Gold Mines wird es zusätzlich politisch: In einem 10-K-Filing meldete Newmont, Barrick am 3. Februar formell in Verzug gesetzt zu haben. Der Vorwurf: Barrick habe Ressourcen aus dem Joint Venture abgezogen, um das eigene Fourmile-Projekt zu begünstigen. Newmont hält 38,5% am JV, Barrick führt als Betreiber mit 61,5%. Laut Berichten muss Barrick innerhalb von 30 Tagen Abhilfe schaffen oder Korrekturschritte einleiten. CEO Natascha Viljoen bestätigte den Konflikt im Earnings Call, verwies aber auf Vertraulichkeitsregeln.
Ein weiterer Dämpfer: Newmont verbuchte im Q4 Wertminderungen von 779 Mio. US-Dollar, vor allem wegen der auf unbestimmte Zeit verschobenen Yanacocha-Sulfides-Entwicklung. Das belastete den GAAP-Gewinn, der bei 1,19 US-Dollar je verwässerter Aktie lag.
Am Aktienmarkt zeigt sich der Titel heute leicht schwächer bei 105,34 Euro (-0,40%), liegt aber seit Jahresbeginn dennoch klar im Plus (+21,91%).
Im Kalender steht als nächster wichtiger Fixpunkt die Dividendenzahlung am 26. März 2026 – und bis dahin dürfte auch deutlicher werden, wie schnell sich der Konflikt um Nevada Gold Mines in Richtung Lösung bewegt.