Gerresheimer muss gleich an zwei Fronten liefern: Die BaFin prüft nicht nur den Konzernabschluss 2024 weiter, sondern nimmt zusätzlich den Halbjahresfinanzbericht 2025 unter die Lupe. Dazu kommt ein verschobener Jahresabschluss und eine erneute Prognosesenkung. Kann der Konzern die Zweifel mit einem fristgerechten Geschäftsbericht bis Ende März ausräumen?
BaFin weitet Prüfung aus – mehrere Streitpunkte
Gerresheimer hat am 25. Februar mitgeteilt, dass die Finanzaufsicht ihre laufende Prüfung des Konzernabschlusses 2024 ausdehnt und parallel eine zweite Untersuchung zum Halbjahresfinanzbericht 2025 startet. Für Anleger ist das ein klares Signal: Die Aufsicht sieht genügend Anlass, tiefer zu graben.
Beim Abschluss 2024 geht es laut Unternehmen unter anderem um potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten sowie um möglicherweise unterlassene Wertminderungen in der Advanced-Technologies-Sparte. Im Halbjahresbericht 2025 nennt die BaFin drei Problemfelder: ein womöglich veraltetes Risikoberichtswesen, fehlende Wertminderungen und falsch erfasste Umsätze aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Die Prüfer haben zudem „konkrete Anhaltspunkte“ für weitere Fehler im Abschluss 2023/24 benannt.
Zusätzlicher Druck kommt von der DSW: Die Aktionärsvereinigung kündigte an, mögliche Schadenersatzansprüche zu prüfen.
Verschobener Abschluss, Korrekturen und erneute Prognosesenkung
Brisant ist auch die Verschiebung der Veröffentlichung der Jahres- und Konzernabschlüsse 2025, die ursprünglich für den 26. Februar geplant war. Eine erweiterte Prüfung durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe „gravierende Mängel“ aufgezeigt. Im Kern dreht sich das Thema um die korrekte Erfassung von Umsatzerlösen und die Bewertung von Vorräten in den Geschäftsjahren 2024 und 2025. Gerresheimer spricht von Verstößen einzelner Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorschriften.
Bereits für 2024 hatte der Konzern Korrekturen vorgenommen: 35 Mio. Euro Umsatz und 24 Mio. Euro beim bereinigten EBITDA seien nicht regelkonform verbucht worden – im Zusammenhang mit Bill-and-Hold-Geschäften.
Operativ bedeutet das: Der Ausblick wurde für 2025 nochmals nach unten angepasst. Erwartet wird nun ein Umsatzrückgang am unteren Ende der bisherigen Spanne von -4% bis -2%. Zudem senkte Gerresheimer die EBITDA-Marge von zuvor 18,5% bis 19,0% auf 16,5% bis 17,5%. Hinzu kommen nicht zahlungswirksame Abschreibungen von 220 bis 240 Mio. Euro, vor allem bei Sensile Medical (Schweiz) und Gerresheimer Moulded Glass Chicago (USA).
Aktie bleibt unter Druck – diese Termine zählen jetzt
Am Markt spiegelt sich die Unsicherheit im Kursbild wider. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 16,80 Euro. Auf 30 Tage steht ein Minus von 33,39%, seit Jahresanfang sind es -39,39%. Der RSI (14 Tage) liegt bei 17,7, dazu kommt eine hohe 30-Tage-Volatilität von 113,05% – das passt zu einem Titel, der aktuell stark schwankt.
Strategisch setzt Gerresheimer parallel auf Verkäufe, um die Verschuldung zu reduzieren: Zur Disposition stehen die US-Tochter Centor sowie das internationale Glasgeschäft Moulded Glass. Laut UBS-Analyst Olivier Calvet gilt Centor als attraktiver Vermögenswert mit stabiler Marktposition, ein Verkauf würde aber die Margenstruktur spürbar verändern, da das Geschäft überdurchschnittlich profitabel ist.
Konkret im Kalender: Als wichtiger Impuls gilt eine fristgerechte Veröffentlichung des Geschäftsberichts bis zum 31. März. Der nächste reguläre Finanztermin ist das Q1-Quarterly-Statement am 16. April 2026, gefolgt von der Hauptversammlung am 3. Juni 2026. Bis dahin bleibt die Lage vor allem von einem Faktor geprägt: ob Gerresheimer die offenen Bilanzthemen sauber adressiert und die laufenden Prüfungen nachvollziehbar einordnet.
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