Siemens Energy liefert in Davos und darüber hinaus gleich mehrere Signale: scharfe Kritik an der europäischen Klimapolitik, ein Schulterschluss mit der US-Tech-Wirtschaft, Druck eines aktivistischen Investors auf das schwächelnde Windgeschäft und eine neue Partnerschaft im Bereich grüner Technologien. Parallel dazu notiert die Aktie nur knapp unter ihrem 52‑Wochen-Hoch – passt die ambitionierte Strategie zum steilen Kursanstieg?
Die Fakten im Überblick
- Aktueller Kurs: 141,15 € (heute leicht im Minus)
- 12-Monats-Plus: rund 172 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (141,84 €): weniger als 1 %
- Deutlich über 200‑Tage-Durchschnitt (102,23 €)
- RSI (14 Tage) bei 85,4 – technisch klar überkauft
Der Titel hat sich damit von seinem 52‑Wochen-Tief bei 48,05 € massiv nach oben gearbeitet. Die starke Performance trifft nun auf eine Phase strategischer Weichenstellungen.
Kaeser attackiert Net-Zero-Politik
Aufsichtsratschef Joe Kaeser nutzte das Weltwirtschaftsforum in Davos für eine deutliche Abrechnung mit der europäischen Klimapolitik. Seine zentrale Botschaft: Europa gefährde seine industrielle Basis, wenn es Klimaziele ohne wirtschaftlich tragfähigen Plan durchsetze.
Konkret wirft Kaeser der Politik vor, mit strengen Null-Emissions-Vorgaben für Autohersteller und umfangreicher Regulierung die Fertigungsindustrie „verkrüppelt“ zu haben. Zudem kritisiert er, dass verlässliche und günstige Energiequellen vorschnell aufgegeben wurden, während der Ausbau erneuerbarer Energien noch nicht die nötige Stabilität biete.
Gegenüber der Bundesregierung forderte Kaeser einen realistischeren Fahrplan zur Dekarbonisierung, der wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliches Wohl berücksichtigt. Damit positioniert sich Siemens Energy klar in der Debatte um Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise und Klimaziele in Europa.
USA, KI-Boom und Gasturbinen
Parallel zu Kaesers Auftritt suchte CEO Christian Bruch in Davos die Nähe zur US-Politik. Am 21. Januar nahm er an einem Treffen von Wirtschaftsvertretern mit US-Präsident Donald Trump teil. Hintergrund ist die strategische Bedeutung des US-Markts für Siemens Energy.
Kaeser unterstrich, dass die Vereinigten Staaten in Volumen, Innovationskraft und Geschwindigkeit eine Schlüsselrolle spielen – insbesondere im Umfeld der AI-Rechenzentren. Derzeit profitiert das Gasturbinen-Geschäft stark vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, die große Mengen zuverlässiger Energie benötigen.
Damit setzt das Unternehmen deutlich sichtbare Akzente: Während Europa mit Regulierung und Energiepreisen ringt, positioniert sich Siemens Energy in einem Wachstumsfeld, das stark vom US-Markt getrieben wird.
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Aktivist erhöht Druck auf Windsparte
Weniger komfortabel ist die Lage in der Windsparte. Der US-Aktivist Ananym Capital ist seit Dezember 2025 bei Siemens Energy investiert und drängt auf eine genaue Überprüfung des verlustreichen Windgeschäfts. Der Bereich, vor allem Siemens Gamesa, kämpft weiterhin mit Qualitätsproblemen und gestiegenen Produktionskosten – Folgen, die bereits 2023 zu einer Bundesbürgschaft geführt hatten.
Kaeser bezeichnete die Forderungen des Investors als „logische Frage eines besorgten Aktionärs“. Das Management will die Windsparte „zuerst reparieren“ und verfolgt einen Plan zur Verbesserung bis 2028. Damit ist klar: Die Windaktivitäten bleiben ein Baustellen-Thema, auch wenn der Rest des Konzerns operativ an Fahrt gewinnt.
Neue Partnerschaft mit NEXTCHEM
Trotz der Altlasten im Windbereich treibt Siemens Energy das Geschäft in Zukunftsfeldern voran. Am 23. Januar wurde am Rande des deutsch-italienischen Regierungsgipfels in Rom ein Memorandum of Understanding mit NEXTCHEM (MAIRE) unterzeichnet.
Die Kooperation umfasst:
- Entwicklung kohlenstoffarmer Kraftstoffe (u. a. Wasserstoff, Methanol, Ammoniak)
- Nachhaltige, zirkuläre Materialien für industrielle Anwendungen
- Fortschrittliche Wärmezyklen für modulare Reaktoren (SMR und AMR)
Damit will Siemens Energy seine Position entlang der Energiewertschöpfungskette stärken – von grünen Molekülen über industrielle Materialien bis hin zu neuen Reaktorkonzepten.
Wachstumsausblick und Kapitalrückführung
Finanziell bleibt der Konzern ambitioniert. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 stellt das Management ein vergleichbares Umsatzwachstum von 11 % bis 13 % in Aussicht. Die Gewinnmarge vor Sondereffekten soll zwischen 9 % und 11 % liegen.
Im November 2025 wurden zudem die mittelfristigen Ziele bis 2028 angehoben:
- Gewinnmarge vor Sondereffekten: 14 % bis 16 %
- Jährliches Umsatzwachstum: niedriger zweistelliger Prozentbereich
Flankiert wird der Wachstumspfad von einem umfangreichen Aktienrückkaufprogramm über bis zu 6 Milliarden Euro, das bis Ende des Geschäftsjahres 2028 läuft. Die Hauptversammlung ist für den 26. Februar 2026 als Präsenzveranstaltung in Berlin geplant – dort dürfte das Management die Davos-Signale, die Windsparte und den strategischen Kurs im Detail erläutern.
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