Nvidia profitiert zum Wochenschluss gleich von mehreren Rückenwinden: starke Zahlen des Schlüsselzulieferers TSMC, frische Analystenfantasie und neue Partnerschaften im Pharmabereich. Gleichzeitig nehmen geopolitische Risiken und der Konkurrenzdruck spürbar zu. Entscheidend ist daher: Reicht der positive Newsflow, um die aktuelle KI-Euphorie weiterzutragen?
TSMC-Zahlen befeuern KI-Story
Der wichtigste Impuls kam am Donnerstag von Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), dem zentralen Fertiger für Nvidias KI-Chips. TSMC meldete für das vierte Quartal einen Umsatz von 33,73 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 25,5 % gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn sprang sogar um 35 % nach oben.
Noch wichtiger als die rückblickenden Zahlen waren jedoch die Aussagen zum Ausblick. CEO C.C. Wei betonte, die Nachfrage nach KI-Hardware sei „real“ und tragfähig. Entsprechend hebt TSMC seine Investitionspläne deutlich an: Für 2026 sind nun 52 bis 56 Mrd. US-Dollar an Kapitalausgaben vorgesehen, nach 40,9 Mrd. im Jahr 2025.
Da Nvidia Schätzungen zufolge rund 13 bis 20 % zum TSMC-Umsatz beiträgt, werten Marktteilnehmer die höheren Investitionen als indirektes Signal für anhaltend hohe Bestellvolumina von Großkunden wie Nvidia. Die Botschaft: Der Aufbau der globalen KI-Infrastruktur beschleunigt sich eher, als dass er ausläuft.
Analysten drehen an den Kurszielen
Parallel zu den TSMC-News passt die Sell-Side ihre Modelle für Nvidia an. RBC Capital Markets hat die Aktie am 15. Januar mit „Outperform“ neu aufgenommen. Analyst Srini Pajjuri sieht das Kursziel bei 240 US-Dollar. Begründung: Nvidias dominierende Stellung im KI-Sektor und die Einschätzung, dass Sorgen vor nachlassenden Investitionen überzogen seien.
Auch Rothschild & Co Redburn wurde optimistischer und erhöhte sein Preisziel am gleichen Tag von 245 auf 268 US-Dollar. Ausgehend vom aktuellen Niveau entspräche das einem theoretischen Aufwärtspotenzial von gut 40 %. Im Konsens liegt das durchschnittliche 12-Monats-Ziel der Analysten um 255 US-Dollar, die Mehrheit votiert klar auf der Kaufseite.
Diese Anpassungen unterstreichen, dass ein wesentlicher Teil der Investmentstory weiterhin auf strukturellem KI-Wachstum und hoher Preissetzungsmacht im Datacenter-Geschäft basiert.
Expansion in Pharma und Forschung
Neben Halbleiter- und Analystenthemen spielt auch Nvidias Schritt in die Pharmaforschung eine Rolle. Am 15. Januar kündigte das Unternehmen auf der J.P. Morgan Healthcare Conference eine strategische Partnerschaft mit Eli Lilly an. Gemeinsam sollen in San Francisco ein KI-Forschungslabor aufgebaut und über fünf Jahre bis zu 1 Mrd. US-Dollar investiert werden.
Zusätzlich wurde eine Kooperation mit Thermo Fisher Scientific bekanntgegeben. Ziel ist es, Nvidias KI-Plattformen wie DGX Spark und NeMo in Laborautomationslösungen zu integrieren, um wissenschaftliche Abläufe zu beschleunigen.
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Diese Projekte zeigen, dass Nvidia seine Geschäftsaktivitäten breiter aufstellt und Erlösquellen jenseits des klassischen Datacenter-Hardwaregeschäfts entwickelt. Für Investoren bedeutet das potenziell weniger Abhängigkeit von einzelnen Endmärkten.
Gegenwind durch Zölle und neue Wettbewerber
Auf der Risikoseite stehen neue politische und technologische Herausforderungen. Die US-Regierung unter Trump hat am 15. Januar einen Zollsatz von 25 % auf Exporte von Nvidias H200-KI-Chips nach China endgültig in Kraft gesetzt. Zwar begrüßt Nvidia die nun vorhandene regulatorische Klarheit, weil Lieferungen grundsätzlich weiter möglich bleiben, doch die Rahmenbedingungen sind deutlich strenger.
China arbeitet laut Berichten parallel an Beschränkungen für den Erwerb solcher Hochleistungschips durch heimische Unternehmen. Damit könnte ein wichtiger Absatzmarkt zumindest gebremst werden.
Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb. Am 16. Januar wurden Berichte bekannt, wonach Google und Meta im „TorchTPU“-Projekt zusammenarbeiten. Ziel ist es, Googles Tensor Processing Units (TPUs) gezielt für das PyTorch-Ökosystem zu optimieren. Für bestimmte KI-Anwendungen könnte damit eine ernstzunehmende Alternative zu Nvidias GPUs entstehen, insbesondere in Rechenzentren der großen Tech-Konzerne.
Technische Lage und Marktbild
Technisch präsentiert sich die Aktie aktuell robust. Der Schlusskurs von gestern, Donnerstag, lag bei 187,05 US-Dollar. Damit notiert der Titel nur rund 2 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 190,53 US-Dollar und deutlich über dem 200‑Tage-Durchschnitt von 148,58 US-Dollar.
Wichtige Kennzahlen im Überblick:
- 30‑Tage-Performance: +28,43 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Tief (86,28 US-Dollar): gut +116 %
- RSI (14 Tage): 63,0 (kein extremes Überkauftsignal, aber erhöhte Dynamik)
- 30‑Tage-Volatilität (annualisiert): 65,49 %
Charttechnisch bewegt sich der Kurs damit in einer klaren Aufwärtsstruktur, wenn auch nach einer starken Rally der vergangenen Wochen.
Fazit: Starke Story mit offenen Flanken
Unterm Strich stützen die TSMC-Zahlen und die dortigen Investitionspläne die Annahme, dass die Nachfrage nach Nvidias KI-Hardware vorerst hoch bleibt. Analysten reagieren mit deutlich angehobenen Kurszielen, und die neuen Partnerschaften mit Eli Lilly und Thermo Fisher zeigen, wie Nvidia seine KI-Kompetenz in zusätzliche Branchen trägt.
Auf der anderen Seite stehen die neuen China-Zölle, mögliche Kaufbeschränkungen aus Peking und der wachsende Wettbewerbsdruck durch eigene KI-Chips großer Hyperscaler wie Google und Meta. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das hohe Wachstumstempo bei Umsatz und Kapazitäten mit diesen Risiken Schritt halten kann – die aktuelle Nachrichtenlage spricht zumindest klar dafür, dass Nvidias KI-Geschichte operativ weiter gespielt wird.
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