Gerresheimer Aktie: Regulatorisches Debakel

Die Finanzaufsicht untersucht zwei Geschäftsberichte des Pharmaverpackers parallel. Der Aktienkurs fiel auf ein Niveau von 2009, während Milliardenabschreibungen und Schadenersatzforderungen drohen.

Kurz zusammengefasst:
  • BaFin prüft zwei Geschäftsberichte parallel
  • Aktie notiert auf Zehnjahrestief
  • Milliardenabschreibungen auf Tochtergesellschaften
  • Aktionärsschützer prüfen Schadenersatzansprüche

Die Gerresheimer-Aktie notiert nahe ihrem tiefsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Der Pharmaverpackungsspezialist aus Düsseldorf kämpft mit der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte: Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Prüfungen massiv ausgeweitet und untersucht nun gleich zwei Geschäftsberichte parallel – während gleichzeitig Milliarden-Abschreibungen anstehen und Aktionärsschützer Schadenersatzforderungen vorbereiten.

BaFin weitet Untersuchung drastisch aus

Ende Februar verschärfte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Druck auf Gerresheimer erheblich. Neben der bereits laufenden Prüfung des Konzernabschlusses 2024 leitete die Behörde eine zweite, parallele Untersuchung zum Halbjahresbericht 2025 ein.

Gerresheimer

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Im Fokus der erweiterten 2024-Prüfung stehen Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro, die möglicherweise fehlerhaft ausgewiesen wurden. Besonders brisant: Die BaFin moniert unterlassene Abschreibungen auf die Schweizer Tochter Sensile Medical, die mit knapp 200 Millionen Euro in den Büchern stand. Gerresheimer hatte erst Anfang Februar angekündigt, 220 bis 240 Millionen Euro auf Technologie- und Entwicklungsprojekte von Sensile Medical sowie auf Vermögenswerte der US-Tochter Moulded Glass Chicago abzuschreiben.

Bill-and-Hold-Praxis im Zentrum der Kritik

Den Kern der ursprünglichen Prüfung bilden sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Bei dieser Abrechnungspraxis werden Umsätze verbucht, bevor die Ware tatsächlich ausgeliefert wird – nach IFRS-Standards ist dies nur unter strengen Voraussetzungen zulässig. Die BaFin bezweifelt, dass Gerresheimer diese Anforderungen erfüllt hat.

Allein im Geschäftsjahr 2024 sollen 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA nicht korrekt verbucht worden sein. Gerresheimer hatte bereits im Dezember angekündigt, diese Praxis künftig einzustellen und umfassende Korrekturen vorzunehmen.

Beim Halbjahresbericht 2025 richtet die Aufsicht den Blick auf das Risikomanagement rund um die Bormioli-Pharma-Übernahme. Die BaFin sieht Anhaltspunkte dafür, dass die als „gering“ eingestuften Risiken aus Akquisitionen und Liquidität tatsächlich höher hätten bewertet werden müssen.

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Kursverfall auf Mehrjahrestief

Der Kapitalmarkt reagierte mit einem Ausverkauf: Die Aktie sackte zeitweise um 15 Prozent ab und fiel unter 15 Euro. Am 26. Februar markierte der Titel bei 15,51 Euro ein neues Zehnjahrестief – ein Niveau, das zuletzt während der Finanzkrise 2009 erreicht wurde.

Seit September 2023 hat die Aktie mehr als 85 Prozent ihres Wertes verloren. Die UBS stufte das Papier von „Neutral“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel von 29 auf 12,90 Euro. Analyst Olivier Calvet verweist auf die geplanten Verkäufe der profitablen US-Tochter Centor und des internationalen Glasgeschäfts Moulded Glass, die zur Schuldenreduzierung dienen sollen, aber die Margenstruktur des Konzerns belasten würden.

Zweite Wirtschaftsprüfung läuft

Gerresheimer hat die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025 verschoben und eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, die Buchführung der vergangenen beiden Geschäftsjahre zu überprüfen. Für 2025 erwartet der Konzern einen Umsatzrückgang am unteren Ende der Spanne von minus 2 bis minus 4 Prozent. Die EBITDA-Marge wurde von 18,5 bis 19,0 Prozent auf 16,5 bis 17,5 Prozent gesenkt.

Die Aktionärsvereinigung DSW prüft derweil Schadenersatzansprüche gegen ehemaligen Vorstand und Aufsichtsrat. Betroffene Anleger werden aufgerufen, sich zu melden.

Jahresabschluss als entscheidende Hürde

Der testierten Jahresabschluss 2025 bleibt der zentrale Meilenstein. Gerresheimer muss ihn bis zum 31. März vorlegen – ein Termin, der angesichts der laufenden Sonderprüfung und der eingeschalteten zweiten Wirtschaftsprüfer ambitioniert erscheint. Für 2026 kalkuliert das Management mit Erlösen zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro sowie einer EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Das Quarterly Statement für Q1 folgt am 16. April, die Hauptversammlung ist für den 3. Juni angesetzt.

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