Liebe Leserinnen und Leser,
es ist einer jener Mittwoche, an denen die Stille auf dem Frankfurter Parkett fast körperlich schmerzt. Während der DAX bei dünnen Umsätzen unter der Marke von 24.800 Punkten auf der Stelle trat, richteten sich die Blicke der Händler wie gebannt nach Westen.
Denn die wirkliche Musik spielt heute nicht am Main, sondern am Potomac und im Silicon Valley. Wir stehen vor einem Abend der binären Entscheidungen – geldpolitisch wie technologisch. Doch während die Welt den Atem vor der Fed-Sitzung anhält, braut sich vor unserer Haustür in der deutschen Provinz ein juristisches Gewitter zusammen, das in keinem Analysten-Call thematisiert wurde.
Hier ist das Briefing für diesen spannungsgeladenen Abend.
1. SAP: Glänzende Fassade, brisante Akten
Wer heute auf den Kurszettel schaut, sieht bei SAP eine heile Welt: Die Aktie notiert fest bei gut 197 Euro, die Analystenhäuser von Jefferies bis UBS rufen zum Einstieg, und für die morgigen Zahlen wird ein Jahresgewinn von über 7 Euro je Aktie erwartet.
Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen in Walldorf spielt sich ein Wirtschaftskrimi ab, der das Potenzial hat, die Erfolgsstory zu beschädigen. Der US-Konkurrent O9 Solutions hat SAP bereits im November 2025 vor einem texanischen Bundesgericht verklagt. Der Vorwurf wiegt schwer: Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen.
Im Zentrum stehen drei ehemalige O9-Führungskräfte, die nun in Diensten von SAP stehen. Sie sollen vor ihrem Wechsel über 22.000 vertrauliche Dateien heruntergeladen haben – technische Architekturen, Produktstrategien, Kundendaten. SAP weist dies vehement zurück und pocht auf ethische Standards. Doch parallel dazu wird die interne Strategie bei der Telekom-Transformation verschärft („Weniger Systeme, mehr Standard“). Es wirkt, als würde der Konzern den eigenen Laden mit der gleichen Härte auf Effizienz trimmen, die er seinen Kunden verkauft. Für Anleger gilt: Behalten Sie den Gerichtssaal in Texas im Auge.
2. Showdown in Washington: Powell gegen den Rest der Welt
Heute Abend um 20:00 Uhr unserer Zeit tritt Jerome Powell vor die Kameras. Die Märkte haben eine Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent eingepreist, dass die Zinsen in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent verharren. Eine Zinspause ist also Formsache.
Doch das eigentliche Drama spielt sich nicht im Sitzungssaal, sondern in den Fluren des Justizministeriums ab. Das DOJ ermittelt wegen Renovierungskosten in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar gegen die Notenbank – ein Vorgang, den Powell als politisch motiviert bezeichnet, während Donald Trump aus dem Hintergrund Zinssenkungen fordert.
Die Gemengelage ist toxisch: Die Kerninflation klebt bei 3,0 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt bei robusten 4,4 Prozent. Eigentlich müsste Powell Falken-Signale senden. Doch er kämpft nicht mehr nur gegen die Teuerung, sondern um seine institutionelle Unabhängigkeit. Achten Sie heute Abend weniger auf den „Dot Plot“ für 2026, sondern auf Powells Körpersprache. Es könnte sein letztes großes Gefecht sein.
In diesem Marktumfeld der extremen Schwankungen und binären Entscheidungen hat der Trading-Experte Jörg Mahnert eine strukturierte Methode entwickelt, die genau dieses Chaos systematisch nutzt. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er, wie Sie mit der bewährten Point-&-Figure-Technik aus Marktbewegungen planbare Gewinne erzielen – unabhängig davon, ob die Fed dovish oder hawkish agiert. Mahnert demonstriert anhand realer Trades wie Renk (+68% in 62 Tagen) oder Rheinmetall (+108% in 60 Tagen), wie Sie bei jedem Trade von Anfang an wissen, welches Gewinnziel realistisch ist. Die Methode arbeitet mit klaren Ja-oder-Nein-Signalen und definiert Einstieg, Ziel und Absicherung bereits vor dem Trade. Sie erhalten im Webinar einen konkreten ersten Trade zum sofortigen Umsetzen. Details zu Mahnerts Kapital-Booster-Strategie
3. VWs Kampf um Bronze
Ein Blick nach China offenbart derweil die ganze Dramatik der deutschen Autoindustrie. VW-China-Chef Ralf Brandstätter kündigte heute die „größte Modelloffensive der Konzerngeschichte“ an. 20 neue Elektromodelle sollen allein in diesem Jahr auf den Markt geworfen werden.
Das klingt nach Ambition, ist aber Defensive pur. Das offizielle Ziel lautet nun: „Platz 3 verteidigen“. Dass der einstige Marktführer im Reich der Mitte nun um Bronze kämpft, ist eine Zäsur. Wolfsburg versucht, den Bedeutungsverlust mit schierer Masse zu stoppen. Ob diese Materialschlacht gegen die hochagile lokale Konkurrenz zu gewinnen ist, bleibt die große Wette des Jahres 2026. Die Börse honorierte den Kampfgeist heute immerhin mit leichten Kursgewinnen – ein Vorschuss auf Bewährung.
4. Der heimliche Zentralbanker im Bunker
Während Bitcoin bei rund 89.000 Dollar seitwärts läuft und Analysten bereits von einem „Bärenmarkt-Regime“ unken, schafft ein anderer Player Fakten in der physischen Welt. Tether, der Emittent des wichtigsten Stablecoins, mutiert zum Gold-Giganten.
Die Zahlen sind atemberaubend: Tether hält mittlerweile 140 Tonnen physisches Gold im Wert von rund 23 Milliarden Dollar. Das Unternehmen kauft aktuell bis zu zwei Tonnen pro Woche und lagert diese in Schweizer Bunkern ein. Damit agiert der Krypto-Dienstleister faktisch wie die Zentralbank eines mittelgroßen Staates. In einer Zeit, in der Gold Rekordhochs jenseits der 5.300 Dollar markiert, baut Tether eine massive Brücke zwischen der alten Welt (Gold, US-Staatsanleihen) und dem Krypto-Kosmos. Es ist die wohl teuerste Absicherung der Finanzgeschichte.
5. Tech-Earnings: Die Stunde der Wahrheit
Nach Börsenschluss in den USA wird es ernst. Microsoft, Meta und Tesla legen ihre Bücher offen. Da der S&P 500 nahe der 7.000-Punkte-Marke notiert, ist die Fallhöhe gigantisch.
Die Kernfrage lautet nicht mehr, wer die beste KI besitzt, sondern wer damit Geld verdient. Microsoft muss beweisen, dass Milliardeninvestitionen wie das 4-Milliarden-Dollar-Projekt „Fairwater“ (Rechenzentren) eine reale Rendite abwerfen. Bei Tesla geht es um Glaubwürdigkeit: Nach einem erwarteten Gewinnrückgang müssen Musk und Co. liefern, was die Robotaxi-Pläne für 2027 betrifft.
Und sonst?
- Boeing atmet auf: Der Krisenkonzern meldete heute einen überraschenden Umsatzsprung auf fast 24 Milliarden Dollar. Die Übernahme von Spirit AeroSystems ist durch – ein wichtiges Lebenszeichen.
- BGH stärkt Mieter: Ein Dämpfer für das Geschäftsmodell „Airbnb light“. Der Bundesgerichtshof entschied, dass Untervermieter keinen Gewinn erzielen dürfen; Aufschläge sind nur für Möblierung oder Strom erlaubt.
- Klima-Urteil: Ein Gericht verpflichtet die Niederlande, die Karibikinsel Bonaire besser vor dem Klimawandel zu schützen. Ein Präzedenzfall für staatliche Verantwortung weit über Europa hinaus.
Quintessenz
Wir gehen in einen Abend, der die Weichen für die nächsten Wochen stellen könnte. Die Kombination aus einer Fed unter politischem Beschuss und Tech-Giganten unter Lieferzwang ist explosiv. Sollte Powell wider Erwarten „dovish“ klingen und die KI-Gewinne sprudeln, könnte der DAX morgen die 25.000er-Marke attackieren. Mauert Powell jedoch und bleiben die Tech-Ausblicke vage, droht ein raues Erwachen.
Bleiben Sie wachsam – und achten Sie auf die Zwischentöne aus Washington.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann