SAP und Palantir vor den Zahlen, Tesla schickt Robotaxis nach Texas

Die anstehende Berichtssaison wird zum Stresstest für KI-Werte. Während Tesla Robotaxis ausbaut und Infineon profitiert, stehen SAP und Palantir unter besonderer Beobachtung.

Eduard Altmann ·
SAP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Tesla weitet fahrerlosen Taxidienst aus
  • SAP stellt Abrechnung für KI-Dienste um
  • Infineon erreicht neues Jahreshoch
  • Markt fordert konkrete KI-Monetarisierung

Fünf Tage, fünf Realitätschecks: Die anstehende Berichtssaison wird zeigen, ob KI-Aktien ihren Bewertungsaufschlag verdienen — oder ob die Rally auf tönernen Füßen steht. Tesla hat am Freitag mit der Expansion seines fahrerlosen Taxi-Dienstes vorgelegt. SAP, Palantir, ASML und Infineon stehen mit eigenen Katalysatoren in den Startlöchern.

Tesla: Fahrerlose Taxis rollen durch Dallas und Houston

Tesla hat seinen Robotaxi-Dienst am Freitag auf Dallas und Houston ausgeweitet. In beiden Städten fahren die Fahrzeuge ohne menschlichen Fahrer oder Aufpasser auf dem Vordersitz. Damit bedient das Unternehmen nun drei texanische Städte, nachdem der Dienst in Austin Ende 2025 startete und seit Januar 2026 dort komplett ohne Sicherheitsfahrer operiert.

Das Timing ist kalkuliert. Am Mittwoch legt Tesla Quartalszahlen vor. CEO Elon Musk kann dann mit einem konkreten Expansionsschritt argumentieren — Teil eines Sieben-Städte-Plans, den das Unternehmen Ende Januar vorgestellt hatte. Noch allerdings zeigen Tracking-Daten nur jeweils ein aktives Robotaxi in Dallas und Houston, verglichen mit rund 46 Fahrzeugen in Austin. Die Wall Street wird am Mittwoch Antworten zur Flottengröße und zum Zeitplan für die verbleibenden fünf Städte fordern.

Am 15. April hatte die Aktie fast 8 % zugelegt, nachdem Musk Fortschritte beim hauseigenen KI-Chip AI5 präsentierte. UBS stufte Tesla von „Sell“ auf „Hold“ hoch. Das Analysten-Konsens-Kursziel liegt bei rund 394 Dollar — der Kurs schloss am Freitag bei 341,20 Euro. Gleichzeitig plant Tesla gemeinsam mit SpaceX zwei Chipfabriken in Austin, eine für Fahrzeug- und Robotik-Chips, eine für orbitale Rechenzentren.

SAP: Abrechnungswechsel bei KI-Diensten als Nagelprobe

Am Donnerstag öffnet SAP die Bücher für das erste Quartal 2026. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht weniger das klassische Cloud-Geschäft als vielmehr ein strategischer Kurswechsel: Ab Juli will SAP seine KI-Dienste nicht mehr per Abo, sondern nutzungsbasiert abrechnen. Das tauscht planbare Einnahmen gegen ein Modell, das mit dem tatsächlichen Kundenverbrauch schwankt — ein mutiger Schritt, der Anleger verunsichert.

Die Ausgangslage aus 2025 war stark. Der Umsatz stieg um 7,7 % auf 36,8 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte 27,8 % zu. Der freie Cashflow verdoppelte sich beinahe. Ob diese Dynamik sauber ins neue Jahr überträgt, bleibt offen.

Die Analystengemeinde ist gespalten:

  • J.P. Morgan stufte SAP Ende März auf „Neutral“ herab und senkte das Kursziel von 260 auf 175 Euro — unter Verweis auf KI-bedingte Wettbewerbsrisiken.
  • Barclays hält an „Buy“ fest, reduzierte das Ziel aber auf 220 Euro.
  • Erwartet wird ein Gewinn je Aktie von 1,92 Dollar.

SAP notiert bei 153,40 Euro und damit rund 24 % unter dem Jahresanfangskurs. Die Bewertung mit einem KGV von etwa 40 liegt über dem Sektordurchschnitt — gestützt auf die Cloud-Marktführerschaft, aber unter Druck durch US-Zölle, die SAPs Industriekunden belasten und Cloud-Migrationen verzögern könnten. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über zehn Milliarden Euro hat den Kursverfall bislang nicht aufhalten können.

Palantir: Zwischen Wachstumsrekorden und Burrys Frontalangriff

Palantir meldet am 4. Mai Quartalszahlen und steckt in einem bemerkenswerten Spagat. Einerseits lieferte das Q4 2025 beeindruckende Kennzahlen: 1,41 Milliarden Dollar Umsatz mit 70 % Wachstum, US-Geschäftskundenerlöse um 137 % gestiegen, Gesamtvertragswert der Neuaufträge um 138 % auf 4,3 Milliarden Dollar geklettert. Die Jahresprognose 2026 zielt auf rund 61 % Umsatzwachstum.

Andererseits hat die Aktie seit dem November-Hoch etwa 30 % verloren. Starhedge-Fondsmanager Michael Burry attackierte Palantir Anfang April öffentlich. Sein Argument: Anthropic fresse Palantir die Butter vom Brot, da Unternehmenskunden zunehmend günstigere, leichter zugängliche KI-Werkzeuge bevorzugten. Anthropics jährliche Wiederkehrende Erlöse seien auf rund 30 Milliarden Dollar geschnellt.

Morgan Stanley hielt am 16. April dagegen. Die Bank sieht Potenzial für eine „moderate Wachstumsbeschleunigung“ und eine Anhebung der Jahresprognose. Ihr Kursziel von 205 Dollar impliziert rund 40 % Aufwärtspotenzial vom jüngsten Kurs bei 124,46 Euro. Mit einem KGV von über 225 bleibt Palantir allerdings eine der teuersten Aktien im gesamten Technologiesektor. Das Wall-Street-Konsensrating steht auf „Moderate Buy“ — 14 Kaufempfehlungen stehen fünf Halte- und zwei Verkaufsratings gegenüber.

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ASML: Rekordquartal reicht dem Markt nicht

ASML lieferte im ersten Quartal die stärksten Zahlen der Unternehmensgeschichte — und wurde dafür mit einem Kursrückgang von 6 % bestraft. Der Umsatz erreichte 8,8 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 53,0 %. Der Nettogewinn lag bei 2,8 Milliarden Euro. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben, zuvor lagen die Erwartungen bei 34 bis 39 Milliarden.

Warum also der Abverkauf? Zwei Faktoren lasteten auf der Stimmung. Der China-Anteil am Umsatz brach von 36 % im Dezemberquartal auf 19 % ein — Folge verschärfter Exportkontrollen. Zudem arbeitet eine parteiübergreifende US-Parlamentariergruppe an einem Gesetzentwurf, der ASML den Verkauf von DUV-Maschinen an chinesische Chiphersteller komplett untersagen würde.

CEO Christophe Fouquet zeigte sich dennoch zuversichtlich. Die Nachfrage nach Chips übersteige das Angebot, Kunden beschleunigten ihre Kapazitätsausbaupläne für 2026 und darüber hinaus. Berenberg erhöhte das Kursziel auf 1.570 Euro, Deutsche Bank auf 1.600 Euro. Bei aktuell 1.228,40 Euro liegt die Aktie nur gut 5 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Ein Analyst brachte die Marktreaktion auf den Punkt: Die Erwartungen hätten das Wachstum, das ASML jetzt für 2026 in Aussicht stelle, bereits vorweggenommen.

Infineon: Neues 52-Wochen-Hoch dank KI-Stromhunger

Infineon ist der klare relative Gewinner unter den fünf KI-Werten. Die Aktie schloss am Freitag bei 48,30 Euro — ein neues 52-Wochen-Hoch, gleichbedeutend mit einem Plus von über 26 % seit Jahresanfang. Der Treiber: explodierende Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren.

JPMorgan stufte Infineon von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch und setzte das Kursziel bei 48 Euro. Die Bank argumentiert, dass Infineon als zentraler Profiteur des KI-bedingten Strombedarfs positioniert sei. Hyperscaler, die massive GPU-Cluster betreiben, benötigen hocheffiziente Spannungswandler und Leistungsmanagement-Chips — genau Infineons Kernkompetenz. Die langjährige Erfahrung im Rechenzentrums- und Serverbereich schaffe hohe Kundenbindung, die neue Wettbewerber nicht schnell durchbrechen könnten.

Konkret hat Infineon seine Umsatzprognose für KI-bezogene Produkte im Fiskaljahr 2026 von einer auf 1,5 Milliarden Euro angehoben. Steigende Preise für bestimmte Leistungshalbleiter — ausgelöst durch Engpässe beim Ausbau der KI-Infrastruktur — stützen die Marge. Die Investitionsausgaben für das laufende Geschäftsjahr wurden auf rund 2,7 Milliarden Euro erhöht, um die Kapazitäten auszubauen.

Alle 21 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, keine einzige Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 49,85 Euro. Nächster Termin: Quartalszahlen am 5. Mai.

Berichtssaison als Bewährungsprobe für den gesamten KI-Sektor

Die kommenden Wochen verdichten sich zu einer Belastungsprobe. Tesla macht am Mittwoch den Anfang, SAP folgt am Donnerstag. Palantir und Infineon berichten Anfang Mai. ASML hat bereits geliefert — und demonstriert, dass selbst Rekordergebnisse nicht genügen, wenn der Markt sie bereits eingepreist hat.

Über alle fünf Werte hinweg zeigt sich ein gemeinsames Muster: Die reine KI-Erzählung trägt nicht mehr. Was zählt, sind Margen, Guidance-Anhebungen und konkrete Belege für die Monetarisierung. SAP und Palantir gehen mit gedrückten Kursen und erheblicher Skepsis in die Zahlen — ein enttäuschendes Ergebnis könnte den Verkaufsdruck verstärken, ein überzeugender Bericht dagegen als Katalysator wirken. Infineon hat mit dem neuen Hoch Vorschusslorbeeren erhalten, die am 5. Mai bestätigt werden müssen.

Die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Nicht das Versprechen von KI wird belohnt, sondern deren messbare Umsetzung.

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SAP Aktie

154,30 EUR

+ 3,84 EUR +2,55 %
KGV 25,11
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,67 %
Marktkapitalisierung 179,10 Mrd. EUR
ISIN: DE0007164600 WKN: 716460

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