BYD Aktie: Rekordlauf in Europa

Während der Aktienkurs nahe eines Mehrmonatstiefs notiert, meldet der chinesische Elektroautoriese operative Erfolge auf dem europäischen Markt. Die Diskrepanz zwischen boomenden Exportzahlen und schwächelnder Inlandsnachfrage sorgt für ein komplexes Bild an den Märkten. Kann die internationale Expansion die Bremspuren im Heimatmarkt China ausgleichen?

Massive Zuwächse bei Zulassungen

Der Januar markierte für BYD einen Meilenstein in Europa. Nach Daten des europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) registrierte das Unternehmen 18.242 Neufahrzeuge auf dem breiteren europäischen Markt. Dies entspricht einem enormen Anstieg von 165 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil im Pkw-Segment kletterte von 0,7 auf 1,9 Prozent. Besonders deutlich fiel das Wachstum innerhalb der EU aus, wo sich die Neuzulassungen auf knapp 14.000 Einheiten mehr als verdoppelten.

Die Reaktion der Anleger fiel zweigeteilt aus. Während die in Hongkong gelisteten Titel um fast 5 Prozent auf 100,10 HKD zulegten, gaben die Papiere an der Börse Shenzhen leicht nach. Marktbeobachter führen den Anstieg in Hongkong auf eine Neubewertung der globalen Handelsrisiken und der US-Zollpolitik zurück.

Modellpflege und Ladeinfrastruktur

Parallel zu den Absatzzahlen treibt der Konzern seine Produkt- und Infrastrukturoffensive voran. In Großbritannien startete der Verkauf des überarbeiteten Seal-Modells für das Jahr 2026. Mit einem Einstiegspreis von 45.730 Pfund und technischen Upgrades wie einem neuen Überwachungssystem für den Fahrer zielt BYD auf das wettbewerbsintensivste Segment.

Gleichzeitig begann das Unternehmen am 24. Februar in China mit dem großflächigen Ausbau seines Megawatt-Schnellladenetzes. Diese Technologie soll Elektrofahrzeuge in rund fünf Minuten aufladen können. Auch für Europa existieren ambitionierte Pläne: Laut Analysten der Deutschen Bank beabsichtigt der Konzern, bis Ende 2026 etwa 3.000 Schnellladestationen auf dem Kontinent zu errichten.

Heimatmarkt bremst Euphorie

Die internationale Expansion steht im Kontrast zur Situation im chinesischen Kerngeschäft. Die Aktie steht weiter unter Druck, nachdem BYD für Januar einen Absatzrückgang von rund 30 Prozent im Jahresvergleich gemeldet hatte. Dieser Rückgang löste Anfang Februar breite Verkäufe im Sektor aus.

Um die Margen in einem zunehmend subventionsfreien Umfeld zu schützen, baut BYD seine europäische Vertriebsstruktur um. Der Fokus liegt nun stärker auf der direkten Unterstützung nationaler Händlernetzwerke. So soll beispielsweise die Anzahl der Händlerstandorte in Deutschland bis Ende 2026 von 120 auf 300 steigen. Jefferies prognostiziert für das laufende Jahr Exporte von 1,5 Millionen Fahrzeugen, was die wachsende Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstreicht.

Ausblick

Die Aktivitäten im Februar zeigen einen Konzern, der trotz heimischer Absatzsorgen seine strategischen Pfeiler – Marktdurchdringung in Europa und technologische Erneuerung – konsequent stärkt. Ein angekündigter Technologietag dürfte weitere Einblicke in die Fortschritte beim autonomen Fahren geben. Zudem stellte der Technikchef der Batteriesparte den Start der Produktion von Feststoffbatterien für 2027 in Aussicht. Diese Mischung aus kurzfristiger Expansion und langfristigen Technologiewetten wird maßgeblich bestimmen, wie Investoren die Aktie im weiteren Jahresverlauf bewerten.

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