Evonik startet mit Gegenwind ins neue Jahr: Eine scharfe Verkaufsempfehlung von Berenberg traf auf eine deutlich moderatere Einschätzung von Barclays. Im Zentrum steht die Frage, wie belastbar die Ertragskraft im Spezialchemiegeschäft bleibt – und ob die strategische Neuaufstellung mit der neuen Tochter SYNEQT hier mittelfristig Entlastung bringen kann.
Analysten im Widerstreit
Die Kursbewegungen der vergangenen Woche wurden vor allem durch zwei gegensätzliche Analystenstudien geprägt. Am Mittwoch sorgte Berenberg für Unruhe, als die Einstufung von „Hold“ auf „Sell“ gesenkt und das Kursziel deutlich von 14,60 auf 11,60 Euro reduziert wurde. Grundlage war unter anderem das KI-gestützte Analysetool „ChemCast“, das schwächere Signale bei Preissetzungsmacht und Volumina erkannte.
Besonders kritisch sehen die Berenberg-Analysten das Methionin-Geschäft. Chinesische Kapazitätsausweitungen könnten die Margen strukturell unter Druck setzen. Diese Sorgen belasteten das Sentiment und drückten den Kurs in Richtung der Jahrestiefs.
Kurz darauf setzte Barclays einen Kontrapunkt. Die britische Investmentbank bestätigte ihr Votum „Equal Weight“ und hielt am Kursziel von 16,00 Euro fest. Zwar wurden die EBITDA-Prognosen für 2026 leicht zurückgenommen – ebenfalls mit Blick auf niedrigere Methionin-Preise –, doch aus Sicht von Barclays bleibt auf dem aktuellen Niveau ein spürbares Aufwärtspotenzial bestehen.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Berenberg: Abstufung auf „Sell“, Kursziel 11,60 Euro
- Begründung: Schwächere Preissetzungsmacht, Volumenrisiken, Margendruck im Methionin-Geschäft
- Barclays: „Equal Weight“ bestätigt, Kursziel 16,00 Euro
- Leicht gesenkte EBITDA-Prognosen, aber weiterhin moderater Optimismus
- Deutliche Diskrepanz der Kursziele signalisiert hohe Unsicherheit
Am Freitag gelang der Aktie eine Stabilisierung: Das Papier schloss bei 13,24 Euro und damit leicht im Plus. Damit liegt der Titel nur knapp über dem 52‑Wochen-Tief von 12,83 Euro und rund 40 % unter dem Hoch von 22,26 Euro. Der Abstand zur 200‑Tage-Linie von 16,29 Euro bleibt klar negativ, der RSI von 15,8 signalisiert kurzfristig einen stark überverkauften Zustand.
SYNEQT-Start als strategischer Baustein
Parallel zur Analystendebatte setzt Evonik die eigene Strategie fort. Zum Jahresbeginn hat die neue Infrastruktur-Tochter SYNEQT offiziell den Betrieb aufgenommen. In dieser Gesellschaft werden die Chemiepark-Aktivitäten in Marl und Wesseling sowie die zugehörigen Infrastruktur- und Standortdienste gebündelt.
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Rund 3.500 Beschäftigte sind zum 1. Januar in die neue Einheit gewechselt. Ziel ist es, das Infrastrukturgeschäft klarer vom volatilen Spezialchemieteil zu trennen und die Standorte effizienter zu steuern. Aus Anlegersicht ist dies ein Baustein, um die Komplexität des Konzerns zu verringern und verborgene Werte schrittweise sichtbarer zu machen.
Kurzfristige finanzielle Effekte sind allerdings nicht zu erwarten. Die Auswirkungen auf Ergebnis- und Cashflow-Struktur dürften sich erst in den kommenden Quartalen zeigen und hängen auch davon ab, wie konsequent Evonik die Neustrukturierung weiterführt.
Marktumfeld bleibt anspruchsvoll
Die unterschiedliche Bewertung durch Berenberg und Barclays spiegelt die allgemeine Unsicherheit im europäischen Chemiesektor wider. Viele Unternehmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, hoher Kostenbasis und teils anhaltendem Preisdruck. Evonik bildet hier keine Ausnahme.
Der Schlusskurs am Freitag etwas oberhalb von 13 Euro zeigt, dass der Markt die sehr vorsichtige Sicht von Berenberg bislang nur teilweise übernimmt. Gleichzeitig signalisiert der deutliche Abschlag zum 52‑Wochen-Hoch und zur 200‑Tage-Linie, dass der Titel insgesamt klar unter Druck steht. Die Spanne der Kursziele – 11,60 Euro bei Berenberg gegenüber 16,00 Euro bei Barclays – verdeutlicht, wie breit das Meinungsspektrum zur mittelfristigen Ertragskraft ist.
Konkreter Ausblick
In der neuen Handelswoche ab dem 12. Januar wird sich zeigen, ob die Stabilisierung über der Zone um 13 Euro hält oder ob die Aktie das 52‑Wochen-Tief erneut testet. Charttechnisch wäre eine behauptete Basis knapp oberhalb von 13 Euro ein erster Schritt, um etwas Abstand von den Tiefstständen zu gewinnen.
Fundamental rückt bereits der nächste Fixpunkt näher: Am 3. März 2026 will Evonik die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vorlegen. Dann dürfte klarer werden, wie belastbar die Margen im aktuellen Umfeld sind und welche Beiträge die Neustrukturierung – inklusive SYNEQT – mittelfristig leisten kann. Bis dahin bleibt die Spanne der Analysteneinschätzungen ein wichtiger Indikator dafür, wie vorsichtig oder zuversichtlich der Markt den Spezialchemiekonzern einschätzt.
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