Der Düsseldorfer Dämpfer, das 185-Milliarden-Preisschild und die Krypto-Eiszeit

Rheinmetall dämpft Erwartungen, Alphabet verdoppelt Investitionen und Bitcoin stürzt ab. Die Märkte bewerten Risiken und Fundamentaldaten neu.

Kurz zusammengefasst:
  • Rheinmetall-Aktie verliert nach gedämpfter Prognose
  • Alphabet kündigt massive Kapitalausgaben an
  • Bitcoin fällt unter wichtige Marke von 70.000 USD
  • Deutsche Industrieaufträge zeigen starkes Wachstum

Liebe Leserinnen und Leser,

Frieden ist eine Dividende für die Menschheit, aber Gift für das Orderbuch – zumindest, wenn man der zynischen Arithmetik der Börse folgt. Während Diplomaten in Abu Dhabi Hände schütteln und Gefangene austauschen, zittern in Düsseldorf die Kurse. Es ist einer dieser Tage, an denen geopolitische Hoffnungsschimmer und harte unternehmerische Kennzahlen aufeinanderprallen und ein explosives Gemisch bilden.

Doch nicht nur im Rüstungssektor findet heute eine Neubewertung statt. Auch im Silicon Valley und am Krypto-Markt wird Kassensturz gemacht. Der Rausch weicht der Rechnung: Künstliche Intelligenz verschlingt mehr Kapital als befürchtet, und der „Trump-Trade“ bei Bitcoin löst sich schneller in Luft auf, als viele „HODLer“ ihre Wallets checken können.

Lassen Sie uns die Puzzleteile dieses turbulenten Donnerstags zusammensetzen.

Zangenangriff auf die Rüstung

Die Aktie von Rheinmetall erlebt heute einen schwarzen Donnerstag. Mit einem Minus von zeitweise über 7 Prozent und einem Kursrutsch Richtung 1.560 Euro mutiert der DAX-Liebling plötzlich zum Sorgenkind. Verantwortlich dafür ist ein klassischer „Perfect Storm“ aus zwei Richtungen.

Zum einen hat der Konzern in einem Pre-Close-Call die Erwartungen für 2026 gedämpft. Ein in Aussicht gestellter Umsatz von 13,2 bis 14,1 Milliarden Euro klingt isoliert betrachtet solide, liegt aber satte 12 Prozent unter dem, was der Konsens (Visible Alpha) auf den Zetteln hatte. Wenn Analystenhäuser wie JPMorgan oder Jefferies daraufhin den Rotstift ansetzen, reagiert der Markt allergisch.

Zum anderen – und das ist die makroökonomische Komponente – bröckeln die geopolitischen Risikoprämien. In Abu Dhabi haben unter US-Vermittlung Gespräche zwischen der Ukraine und Russland stattgefunden, die immerhin in einem Austausch von je 157 Gefangenen mündeten. Dass zudem die USA und Russland den seit 2021 eingefrorenen Kontakt auf hoher militärischer Ebene wieder aufgenommen haben, werten Anleger, die auf einen endlosen Superzyklus der Aufrüstung gewettet haben, als Warnschuss. Auch Hensoldt (-2,11 %) wird in Sippenhaft genommen. Die Lektion des Tages: Bewertungsmultiplikatoren jenseits der 50 (KGV 2026e bei Hensoldt) vertragen keine Risse im Narrativ.

Tech-Sektor: Die Rechnung wird serviert

Während die Rüstungsindustrie mit der Endlichkeit der Nachfrage konfrontiert wird, kämpft die Tech-Branche mit den Kosten der Zukunft. Der Ausverkauf bei Software- und Chipwerten hat heute eine neue Qualität erreicht.

Alphabet hat die Märkte verschreckt – nicht mit neuen KI-Modellen, sondern mit deren Preisschild. Die Ankündigung, die Kapitalausgaben (Capex) im Jahr 2026 womöglich auf 175 bis 185 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln, sorgt für Schnappatmung. Investoren stellen zunehmend die Gretchenfrage: Wann fließt dieses Geld zurück? Die Aktie verliert rund 6,5 Prozent.

Gleichzeitig zeigt Qualcomm (-9 %), dass auch die Hardware-Seite verwundbar ist. Eine enttäuschende Prognose für das zweite Quartal offenbart, dass die globale Knappheit bei Speicherchips nun an den Margen der Großen nagt.

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Die Zahlen, die ich heute analysiert habe, zeigen deutlich: Während einige Chip-Riesen unter Druck geraten, positionieren sich andere Halbleiter-Unternehmen für einen massiven Aufschwung. In einem kostenlosen Webinar werden 4 Chip-Aktien vorgestellt, die von der KI-Infrastruktur-Welle profitieren könnten – jenseits der bekannten Namen. Sie erfahren, welche Unternehmen die Picks und Shovels der KI-Revolution liefern und warum Mikrochips das neue Öl unserer digitalen Zukunft sind. Details zur Chip-Aktien-Analyse ansehen

Und dann ist da noch die Angst vor der eigenen Schöpfung: Ein breiter Abverkauf bei Softwaretiteln wie ServiceNow, Oracle und Palantir wird durch Sorgen getrieben, dass neue KI-Modelle wie Claude von Anthropic deren Geschäftsmodelle nicht nur unterstützen, sondern disruptieren könnten. Die KI-Revolution beginnt, ihre Kinder zu fressen – oder zumindest deren Börsenwerte.

Krypto-Winter im Februar?

Wer dachte, Bitcoin sei das neue „digitale Gold“, reibt sich heute verwundert die Augen. Während das Edelmetall nur leicht nachgibt, erlebt Bitcoin einen echten Absturz. Der Kurs fiel heute unter die psychologisch wichtige Marke von 70.000 US-Dollar – der tiefste Stand seit November 2024.

Der sogenannte „Trump-Bump“, jene Euphorie nach der Wahl, ist damit vollständig verpufft. Zwei Faktoren treiben die Bären vor sich her:
1. Der Warsh-Effekt: Die Nominierung von Kevin Warsh zum Fed-Vorsitzenden schürt Ängste vor einer strafferen Geldpolitik. Liquidität ist der Sauerstoff für Krypto, und Warsh gilt als jemand, der den Hahn zudrehen könnte.
2. ETF-Flucht: Die institutionellen Anleger ziehen sich zurück. Allein im Januar flossen über 3 Milliarden US-Dollar aus den US-Spot-ETFs ab.

Auch Ethereum (-30 % seit Jahresbeginn) und XRP (-7 % im heutigen Handel) werden mitgerissen. Die Korrelation zu Risiko-Assets ist zurück, die erhoffte Schutzfunktion dahin.

Ein Blick auf Frankfurt und die Konjunktur

In diesem globalen Getöse wirkt der DAX heute fast schon stoisch, auch wenn er im Bereich 24.400 bis 24.600 Punkte Federn lässt. Einen überraschenden Lichtblick liefert die Realwirtschaft: Die deutschen Industrieaufträge sind im Dezember um 7,8 Prozent gestiegen – das größte Plus seit zwei Jahren. Ein Lebenszeichen des Patienten Deutschland? Zumindest ein Indiz, dass Totgesagte länger leben.

Die EZB hat derweil, wie erwartet, die Füße stillgehalten. Christine Lagarde wies in der Pressekonferenz darauf hin, dass die jüngste Stärke des Euro helfen könnte, den Inflationsdruck weiter zu mildern. Eine Zinspause war eingepreist, sorgt aber auch nicht für neue Impulse.

Blitzlicht: Was sonst noch wichtig war

  • Angriff auf den Burggraben: Der dänische Pharmariese Novo Nordisk (-6 %) spürt den Atem neuer Konkurrenz. Das US-Telemedizin-Unternehmen Hims & Hers Health plant eine Nachahmer-Version der Abnehmspritze Wegovy für Kampfpreise ab 49 Dollar im Monat. Die Exklusivität der Blockbuster-Medikamente gerät ins Wanken.
  • Amazon vs. Kartellamt: Die Bonner Wettbewerbshüter haben Amazon die automatische Preissteuerung auf dem Marketplace untersagt. Ein Sieg für die Händler, ein Dämpfer für die algorithmische Dominanz des US-Riesen.
  • Silber-Crash: Der kleine Bruder des Goldes erlebt einen brutalen Ausverkauf und bricht prozentual zweistellig ein (unter 75 USD).

Das Fazit

Der heutige Donnerstag, der 05. Februar 2026, fühlt sich an wie ein Realitätscheck. Die Märkte preisen Risiken neu ein – sei es die Endlichkeit von Rüstungsbudgets bei Friedensgesprächen, die enormen Kosten der KI-Infrastruktur oder das Ende der Liquiditätsschwemme für Krypto-Assets.

Für uns Anleger bedeutet das: Die einfachen Gewinne der bloßen Narrative („Kauf Rüstung wegen Krieg“, „Kauf Tech wegen KI“, „Kauf Bitcoin wegen Trump“) sind vorbei. Jetzt zählt wieder die harte Währung der Fundamentaldaten: Cashflow, Margen und realistische Ausblicke.

Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Abend und starke Nerven für den morgigen Handelsfreitag.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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