Warum gute Zahlen die Börse nicht mehr retten – und wer trotzdem gewinnt

Stagflationsängste und geopolitischer Druck lassen Aktienkurse trotz guter Unternehmenszahlen einbrechen. Nur Unternehmen mit Preismacht und innovativen Geschäftsmodellen zeigen Widerstandsfähigkeit.

Eduard Altmann ·
Warum gute Zahlen die Börse nicht mehr retten – und wer trotzdem gewinnt

Kurz zusammengefasst

  • Starke Jahreszahlen von CTS Eventim führen zu Kurssturz
  • Ölpreis über 110 Dollar und Zinsängste belasten Märkte
  • Hannover Rück und Evonik zeigen Krisenresistenz
  • SpaceX plant größten Börsengang der Geschichte

Liebe Leserinnen und Leser,

am Mittwoch kündigte ich an, dass CTS Eventim seine Jahresergebnisse vorlegen würde. Die Antwort fiel brutal aus. Drei Milliarden Euro Umsatz, knapp zehn Prozent Wachstum, eine operative Marge von 19 Prozent – und trotzdem brach die Aktie zeitweise um 20 Prozent ein. Eine gekürzte Dividende und ein enttäuschender Ausblick reichten, um die Bilanz eines starken Jahres in Sekunden zu pulverisieren.

Dieser Freitag verdichtet eine unbequeme Wahrheit: In der neuen ökonomischen Realität des Frühjahrs 2026 zählt die Vergangenheit nichts mehr. Nur der Ausblick entscheidet. Und der wird von einer geopolitischen Schockwelle diktiert, die sich unaufhaltsam in die Bilanzen frisst. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis formulierte es bemerkenswert undiplomatisch: „Wir laufen Gefahr, einen stagflationären Schock zu erleiden.“

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Der DAX verabschiedet sich mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 22.257 Punkten ins Wochenende. Von der Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch, die am Mittwoch noch für Kauflaune sorgte, ist nichts geblieben.

110 Dollar Brent – und die Fed denkt über Zinserhöhungen nach

Die Zahlen dieses Freitags lesen sich wie ein Lehrbuchkapitel über Stagflation. Brent-Rohöl hat die Marke von 110 US-Dollar durchbrochen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,46 Prozent – den höchsten Stand seit Juli 2025. Der Markt preist Zinssenkungen der Fed für dieses Jahr rasant aus und sieht mittlerweile eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Ende 2026.

Für europäische Unternehmen ist das eine Zangenbewegung, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Hohe Energiekosten von der einen Seite, schwächelnde Nachfrage von der anderen – dazwischen werden die Margen zerrieben. Jungheinrich meldete gestiegene Umsätze für 2025, musste aber einen gesunkenen operativen Gewinn ausweisen. Die Aktie gab um vier Prozent nach. Selbst BYD, der chinesische E-Auto-Gigant, lieferte ernüchternde Zahlen: Der Nettogewinn fiel 2025 um 19 Prozent, das Umsatzwachstum lag mit 3,5 Prozent so niedrig wie seit sechs Jahren nicht.

Am Mittwoch beschrieb ich die Trennlinie zwischen Unternehmen mit Preismacht und solchen, die vor den Kosten kapitulieren. Diese Linie verschärft sich mit jedem Quartalsbericht – und CTS Eventim, Jungheinrich und BYD stehen klar auf der falschen Seite.

Resilienz in der Nische

Wer die politische Schockstarre ausblendet und genau hinsieht, findet allerdings auch Widerstandsfähigkeit. Die Hannover Rück notierte gegen den schwachen Markttrend leicht im Plus bei 258 Euro. Analysten von RBC Capital Markets haben die Kriegsrisiken für Rückversicherer genau untersucht und bestätigten ihr Kursziel von 280 Euro. In der Spezialchemie hob Morgan Stanley Evonik auf „Overweight“ an.

Aufschlussreich ist zudem, was abseits des Tagesrauschens in den Chefetagen passiert. Nestlé treibt laut Insidern den Verkauf seiner Wassersparte voran – Marken wie Perrier und San Pellegrino stehen zur Disposition. Finanzinvestoren wie KKR und PAI sollen in der nächsten Bieterrunde für einen 50-Prozent-Anteil stehen, der das Geschäft mit rund fünf Milliarden Euro bewertet. In Krisenzeiten trennt man sich vom Ballast und fokussiert auf das margenstarke Kerngeschäft. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von strategischer Klarheit.

Und die Innovation im Pharma-Sektor läuft unbeeindruckt weiter: Das Biotech-Unternehmen Overt Bio hat einen klinischen Beirat für seine CAR-T-Zelltherapie OVT-101 gegen Eierstockkrebs gegründet. Solche „Off-the-Shelf“-Therapien bleiben langfristige Wachstumstreiber – völlig unabhängig davon, wo der Ölpreis steht.

SpaceX: 1,75 Billionen Dollar gegen die europäische Tristesse

Während Europa sich auf das dritte Rezessionsjahr in Folge einstellt, bereitet die Wall Street unbeirrt den potenziell größten Börsengang der Geschichte vor. SpaceX könnte bereits im Juni 2026 aufs Parkett gehen. Die kolportierten Zahlen sprengen jede bisherige Dimension: Eine Bewertung von bis zu 1,75 Billionen US-Dollar, eine Kapitalaufnahme von über 75 Milliarden Dollar – das würde selbst den Rekord von Saudi Aramco pulverisieren. Elon Musk plant, bis zu 30 Prozent der Aktien an Privatanleger zuzuteilen.

Dass Technologie nach wie vor eigene Gesetze schreibt, bewies am Freitag auch Unity Software. Vorläufige Q1-Zahlen mit einem bereinigten EBITDA von 130 bis 135 Millionen Dollar – deutlich über den Erwartungen – katapultierten die Aktie vorbörslich um 15 Prozent nach oben. Der Treiber: ein neues KI-Werbetool. In einer Welt, in der traditionelle Geschäftsmodelle unter dem Ölpreisschock ächzen, wächst die Kluft zu den Plattformunternehmen mit jeder Handelswoche.

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Was nächste Woche die Richtung vorgibt

Am Montag blicken wir auf die Verbraucherpreise der wichtigsten deutschen Bundesländer sowie den Index zur Wirtschaftsstimmung in der Eurozone. Diese Daten werden zeigen, wie tief sich der Ölpreisanstieg bereits in die europäische Inflation gefressen hat.

Der eigentliche Countdown läuft jedoch in Richtung 6. April. Dann endet das verlängerte US-Ultimatum an Teheran, und am selben Tag veröffentlicht die US-Wirtschaft ihren ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe. Bis dahin dürfte die Devise lauten: Risiko reduzieren, Liquidität halten.

Ich wünsche Ihnen trotz der unruhigen Nachrichtenlage ein erholsames Wochenende. Tanken Sie Kraft – die Märkte werden sie in der kommenden Woche von uns fordern.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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