Marktstimmung: "Eine sich selbst verstärkende Spirale"



10:54 20.06.19


Während private Anleger weiter abwarten, mussten etliche professionelle Anleger gestern dem davonlaufenden Markt nacheilen und kaufen. Was Aktien nach oben begrenzen könnte. Zusammenfassung 

Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln scheint das Credo der von uns befragten professionellen Investoren mit mittelfristigem Anlagehorizont. 16 Prozent haben seit vergangenem Mittwoch Aktien gekauft, der Sentiment-Index schnellt auf +15 Punkte. Für Joachim Goldberg bemerkenswert, weil internationale Investoren so bearish sind wie seit 2009 nicht mehr. Der DAX ist im betrachteten Zeitraum um 290 Punkte gestiegen. Joachim Goldberg glaubt allerdings, dass nur ein Teil vor dem Kursschub gestern eingestiegen ist. Er vermutet, die Mehrheit sei dem Markt nach Draghis geldpolitischen Äußerungen, den Euro weiter zu stützen, hinterhergelaufen. Private Anleger äußern sich dagegen weiter skeptisch und haben kaum reagiert. 

Allerdings sieht der Verhaltsökonom keinen bedrohlichen Optimismus. Obwohl er damit rechnet, dass die jüngsten Käufer schon gegen 12.500 DAX-Punkten Gewinne mitnehmen. Sprich: deutsche Bluechips sind nach oben gedeckelt. 19. Juni 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Haben sich die internationalen Fondsmanager regelrecht in eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale hineingehandelt? Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man sich das Ergebnis der jüngsten BofA Merrill Lynch-Umfrage vor Augen führt, die zwischen dem 7. und 13. Juni erhoben wurde. Denn die internationalen Fondsmanager sind so bearish wie seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht mehr. Netto 21 Prozent gaben an, in Aktien untergewichtet zu sein. Nicht nur handelt es sich dabei um die stärkste Untergewichtung seit März 2009 - dem Monat, in dem die Börsen dies- und jenseits des Atlantiks ihr tiefstes Niveau infolge der Finanzkrise markierten. Gleichzeitig ist die Kassequote der Fondsmanager auf 5,6 Prozent (Europa 5,1 Prozent) gesprungen und damit so hoch wie zuletzt im August 2011. Und wenn man auch noch die Anlagen in Anleihen hinzuzieht, die im gleichen Zeitraum im Juni dieses Jahres den höchsten Stand erreichten, kann man durchaus behaupten, die internationalen Investoren seien auf einen "worst case" gut vorbereitet. Eine Situation, die sie durch ihr Anlageverhalten womöglich verstärkt haben. Denn gleichzeitig sind die Anleihe-Renditen gefallen, und diese gehen als Daten in verschiedene Modelle ein, nach deren Berechnung wiederum eine baldige globale Rezession wahrscheinlicher wird.

Umso bemerkenswerter ist die Stimmungslage bei den von uns allwöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren. Denn obwohl die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) erst am heutigen Abend zu Ende gehen wird, hat sich der Optimismus in diesem Panel gegenüber der Vorwoche, gemessen an unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index, um 15 Punkte auf einen Stand von +10 Punkte verbessert. Dabei hat die Gruppe der Bullen im Großen und Ganzen von Zuwanderern aus der Gruppe vormals neutral gestimmter Akteure profitiert, die bekanntlich in der Vorwoche mit einem Anteil von 41 Prozent aller Befragten ein Allzeithoch erreicht hatte. Die Entwicklung des DAX seit unserer vergangenen Erhebung zeigt, dass wahrscheinlich nur ein Teil dieser Investoren in die leichte DAX-Schwäche zur gestrigen Eröffnung unter der 12.000er Marke hineingekauft hat. Der Großteil dürfte wahrscheinlich der Marktentwicklung hinterher gelaufen sein, als EZB-Präsident Mario Draghi mit seinem überraschenden Statement aufwartete, die ohnehin schon expansive Geldpolitik in der Eurozone, falls erforderlich, weiter zu lockern.

Zum Kaufen gezwungen?

Vergleichsweise wenig Handlungsbedarf dürften per Saldo die Privatanleger gesehen haben. Zwar hat sich die Polarisierung zwischen Bullen und Bären zu Lasten vormals neutral gestimmter Akteure etwas erhöht, aber letztlich ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels sogar um 2 Punkte auf einen Stand von +1 gefallen.

Mit der heutigen Erhebung hat sich wieder einmal gezeigt, dass ein Teil der institutionellen Investoren offenbar mehr Angst davor gehabt haben dürfte, eine Aufwärtsbewegung an der Börse zu verpassen, als etwa vom Ausgang der heutigen Sitzung der US-Notenbank enttäuscht zu werden. Weil die Erwartungen der Marktteilnehmer an die Fed ausgesprochen hoch sind. Zumal hier und da von einigen Marktbeobachtern insgeheim bereits eine Zinssenkung von 25 Basispunkten für heute fest in den Köpfen verankert ist. Insbesondere die Sentiment-Entwicklung bei den institutionellen Akteuren zeigt, dass man sich möglicherweise aufgrund der starken Entwicklung des DAX am gestrigen Handelstag zum Kaufen gezwungen gefühlt haben mag. Zwar ist der derzeitige Optimismus nicht überbordend, aber überwiegend hausgemacht. Denn, so zeigt die vorgenannte BofA Merrill Lynch-Umfrage, die internationalen Investoren waren vor einigen Tagen in Aktien der Eurozone noch recht deutlich (netto 8 Prozent aller Befragten) untergewichtet. Tatsächlich ist der jüngste heimische Optimismus auf Sicht von sechs Monaten sogar relativ gering. Allerdings glauben wir nicht, dass die neuen Optimisten - es handelt sich immerhin um 16 Prozent aller Befragten - dem DAX nachhaltig treu bleiben werden. Denn bereits kurz oberhalb des bisherigen Jahreshochs (ca. 12.500 Zähler) dürften deren Gewinnmitnahmen das in sich stabile Börsenbarometer belasten.

19. Juni 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de 

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.



Video-Kommentar von Joachim Goldberg

 

Sentiment-Index institutioneller Anleger

 


Bullish Bearish Neutral
Total 43% 33% 24%
ggü. letzter Erhebung +16% +1% -17%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.310 (+190 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +10 Punkte (Stand Vorwoche: -5 Punkte)



Sentiment-Index privater Anleger

 


Bullish Bearish Neutral
Total 40% 39% 21%
ggü. letzter Erhebung +3% +5% -8%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.310 (+190 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +1 Punkt (Stand Vorwoche: +3 Punkte)


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 



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Autor: Redaktion boerse-frankfurt.de Redaktion boerse-frankfurt.de,
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