Welche Hürden der DAX inzwischen zu überwinden hat



08:48 24.08.19

Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang August getwittert hatte, dass er die bereits angekündigten Zölle auf die restlichen China-Importe im Volumen von rund 300 Milliarden Dollar einführen möchte, kündigte China am 15. August Gegenmaßnahmen an, ohne dabei jedoch konkret zu werden (siehe auch Börse-Intern vom 15. August). Dies hat sich inzwischen geändert.

China kündigt neue Zölle auf US-Importe an

Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua hat die Zolltarifkommission des Staatsrates gestern zusätzliche Zölle auf US-Importe im Wert von 75 Milliarden Dollar angekündigt. Diese sollen zwischen 5 % und 10 % liegen und ab dem 1. September gelten. Außerdem will China ab dem 15. Dezember wieder zusätzliche Zölle von 25 % oder 5 % auf in den USA hergestellte Fahrzeuge und Autoteile erheben. Die beiden Termine sind natürlich nicht ganz zufällig gewählt. Stattdessen stimmen sie mit den Zeitpunkten überein, zu denen die neuen US-Zölle auf chinesische Importe in Kraft treten sollen (siehe auch „Die Börsen bleiben trotz Zoll-Aufschubs im Korrekturmodus“).

Kurioserweise war von Seiten der US-Regierung kurz zuvor noch gemeldet worden, dass ein Telefongespräch mit chinesischen Regierungsvertretern gut verlaufen sei und weiterhin direkte Handelsgespräche mit China im September geplant seien. Dies sagte zumindest der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow am gestrigen Donnerstag noch. Wahrscheinlich ist aber, dass die gestrige Reaktion der Chinesen auch eine Reaktion auf das Telefonat war.

Der Gewöhnungseffekt der Anleger wird immer offensichtlicher

Jedenfalls kam es an den Aktienmärkten gestern wieder zu Kursverlusten, als die Meldung der chinesischen Zölle über die Nachrichtenticker lief. Allerdings hielten sich diese in engen Grenzen und sie wurden wenig später vollständig wieder aufgeholt. Der DAX drohte dabei zwar seine Erholungstendenz zu beenden (siehe rote Ellipse im folgenden Chart), setzte aber letztlich die eher seitwärts gerichtete Konsolidierung der vergangenen Tage nur wenig beeindruckt fort.

DAX - kurzfristige Chartanalyse

Aber das ist im Grunde keine große Überraschung. Denn die inzwischen schon fast ignorante Haltung der Anleger zeigte sich auch schon, als die Meldung über die Nachrichtenticker lief, die USA würden sämtliche Importe aus China mit Zöllen belegen (siehe auch „Die Börsen haben sich an Handelsstreitigkeiten gewöhnt“).

DAX steckt wieder im wichtigen Widerstandsbereich fest

Theoretisch könnte der DAX also nun völlig unbeirrt von weiteren Meldungen zum Handelskonflikt seine Kurserholung fortsetzen. Doch der Index steckt gerade wieder in dem Widerstandsbereich fest, in dem bereits der erste Erholungsversuch hängen blieb und wieder Kursverluste nach sich zog.

DAX - Target-Trend-Analyse



In meiner vorangegangenen DAX-Analyse vom 16. August war zu lesen, dass „ein erneuter Angriff auf den Widerstandsbereich bis zur Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten möglich“ ist, wenn der Kampf um die Rückeroberung der Mittellinie bei 11.525 Punkten zugunsten der Bullen ausgeht. Nun, der Kampf ging zugunsten der Bullen aus und ihnen gelang ein erneuter Angriff auf den Widerstandsbereich. So weit, so gut.

Welche Hürden der DAX inzwischen zu überwinden hat

Doch in der Börse-Intern vom 8. August hatte ich 4 Hürden aufgezählt, die der DAX zu überwinden hat:

  1. Den Widerstandsbereich aus der ehemaligen Unterstützungszone (grün), der Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten und der übergeordneten Abwärtstrendlinie (dick rot).
  2. Das 38,20%-Fibonacci-Retracement bei 11.978,54 Punkten.
  3. Das 50%-Fibonacci-Retracement bei 12.107,91 Zählern.
  4. Das Widerstandsbündel aus dem Tief der Welle c, der Mittellinie bei 12.235 Punkten, dem 61,80%-Fibonacci-Retracement bei 12.237,27 Punkten und der Aufwärtstrendlinie (dick grün).

Und leider konnten die Bullen nach wie vor nicht einmal die 1. Aufgabe lösen. Dies hatte ich auch schon am 14. August geschrieben. An diesem Tag gab der DAX allerdings auf ein neues Korrekturtief ab, so dass die Fibonacci-Marken von damals inzwischen keine Relevanz mehr haben.

DAX - Fibonacci-Retracements

Stattdessen sind die nun wie folgt anzulegen.

DAX - Fibonacci-Retracements

Und hier zeigt sich nun, dass der DAX nach dem neuen Korrekturtief mit der aktuellen Kurserholung das 38,20%-Fibonacci-Retracement und damit das Mindestziel einer Gegenbewegung erreicht hat. Mehr ist den Bullen nicht gelungen. Und daher ist das Chartbild des DAX weiterhin angeschlagen.

Das ändert sich unverändert erst, wenn der DAX seine erste Hürde überwinden kann, also den Widerstandsbereich aus der ehemaligen Unterstützungszone (grün im Target-Trend-Chart oben), der Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten und der übergeordneten Abwärtstrendlinie (dick rot). Dann kann das neue 50%-Retracement bei 11.961,26 Punkten erreicht und angegriffen werden.

Die entscheidende Hürde auf dem Weg zu einer Seitwärtskonsolidierung

Wird auch dieses überwunden, steht bei 12.125,23 Punkten mit dem 61,80%-Retracement die derzeit entscheidende Hürde vor der Tür. Wird diese übersprungen, ist die Seitwärtskonsolidierung wahrscheinlich, die aus saisonaler Sicht bis zum Jahresende zu erwarten ist. Aber solange Aufgabe 1 nicht gelöst ist, ist eher ein neues Korrekturtief zu erwarten.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

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Über den Autor
 
Autor: Sven Weisenhaus Sven Weisenhaus,
Stockstreet GmbH

Sven Weisenhaus ist Trader und Börsenanalyst. Seine Erfahrungen und Analysen zu den Themen Geldanlage, Börse und Finanzen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Publikationen. Er schrieb z.B. über mehrere Jahre einen auf die Elliott-Wellen-Theorie spezialisierten Börsendienst. Seit 2012 veröffentlicht er als Chefanalyst und inzwischen Geschäftsführer einen renommierten Börsennewsletter.

Seit einigen Jahren gehört er zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort unter anderem die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der unter anderem den DAX nach der Target-Trend-Methode analysiert. Sven Weisenhaus hat auch die Redaktion des bekannten Newsletters "Börse-Intern" übernommen.

Für mehr Information: https://www.stockstreet.de/

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