Grüner: "Sorgen um das deutsche BIP"



11:08 24.08.19

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Daueroptimist Grüner interpretiert die Konjunkturdaten weniger kritisch und sieht keine überzeugenden Signale einer Rezession.

Deutschland schrumpft!

Im Vergleich zum Vorquartal ist das reale BIP in Deutschland um 0,1 Prozent zurückgegangen. Kritische Stimmen sehen darin die Bestätigung, dass sich das „goldene Jahrzehnt“ seinem baldigen Ende nähert. In der quartalsweisen Betrachtung ist im dritten Quartal 2018 das BIP ebenfalls um 0,1 Prozent geschrumpft, es folgten zwei Quartale mit 0,2 Prozent und 0,4 Prozent Wachstum. Ein erster Hinweis, dass ein schlechtes Quartal allein nicht automatisch das Ende bedeutet - für die deutsche Wirtschaft, die globale Wirtschaft oder die Aktienmärkte selbst. Um die richtigen Schlüsse aus dieser Schwäche zu ziehen, ist Ursachenforschung angebracht.

Spürbarer Gegenwind

Eine Erklärung für die deutsche BIP-Schwäche scheint schnell gefunden zu sein: Brexit, Handelskrieg, schwacher Konsum in China – herbe Rückschläge für eine exportstarke Nation. In der Tat sind die deutschen Exporte nach Großbritannien im zweiten Quartal eingebrochen. Als die Briten dachten, dass der Brexit am 29. März mit dem gefürchteten „no deal“ stattfinden würde, drehten sie im Vorfeld ihre Lagerbestände nach oben, vor allem auch deutsche Fertigwaren und Komponenten. Durch die Verzögerung des Brexits wurden diese hohen Lagerbestände in der Folge zuerst abgearbeitet, bevor neue Aufträge gestellt wurden.

Großer Gegenwind kommt auch aus China, was allerdings nicht über den „Handelskrieg“ pauschalisiert werden sollte. Die schwache chinesische Nachfrage im Privatsektor liegt darin begründet, dass die Konjunkturmaßnahmen der Regierung ihre Wirkung noch nicht entfaltet haben. Dieses Stimulus-Programm hat auch weniger mit dem Handelskonflikt zu tun, sondern ist als notwendige Maßnahme gegen die Aushebelung des Schattenbanksystems zu sehen. Traditionelle Banken sollen dazu bewegt werden, Unternehmen breiter mit Krediten zu versorgen – es wird seine Zeit brauchen, bis die Früchte dieses Systemwechsels geerntet werden können.

Schwacher Automobilsektor

Auch die schwachen Autoverkäufe in China sind weniger dem Handelskonflikt zuzuschreiben. Eher handelt es sich um eine typische Ausprägung in der reifen Phase einer Hausse. Bereits im Mai letzten Jahres entwickelten sich die Autoverkäufe in China negativ, vier Monate bevor die erste Strafzoll-Runde von Donald Trump überhaupt in Kraft getreten war. Oftmals wird die Automobilindustrie in Deutschland als Achillesferse bezeichnet. Die deutsche Automobilbranche ist mit einem Beitrag von rund 14 Prozent zum jährlichen BIP zwar wichtig, folgerichtig sind 86 Prozent des BIPs aber nicht mit der lahmenden Autoindustrie verbunden. Vor allem der Dienstleistungssektor lässt zuversichtlich in die Zukunft blicken. Das schwache zweite Quartal lässt sich nicht wegdiskutieren, von schwachen Subsektoren im Rahmen rückwärts gerichteter Daten auf eine breite Rezessionsgefahr für die Zukunft zu schließen, ist jedoch nicht rational - eher Ausdruck einer äußerst skeptischen Sichtweise vieler Medien und Marktteilnehmer.



Fazit

Deutschland hat im zweiten Quartal 2019 Schwäche gezeigt, die Ursachen hierfür sind vielfältig. Eines haben die Faktoren allerdings gemeinsam, die im zweiten Quartal für kräftigen Gegenwind gesorgt haben: Diese negativen Effekte werden sich im weiteren Verlauf eher abschwächen als sich unweigerlich zu einem dramatischen Rezessionsbringer zu entwickeln. Werfen Sie die Flinte als Anleger nicht zu früh ins Korn, sondern machen Sie es sich einfach: Investieren Sie global. Die Entwicklung der globalen Weltwirtschaft lässt regionale Schwächephasen in einem anderen Licht erscheinen.

© 22. August 2019, Grüner Fisher Investments

Über den Autor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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