Beginnt ein Währungskrieg? Dollar wird schwächer….



16:25 19.09.19

Liebe Leser,

gestern hat die US-Notenbank Fed die Zinsen um 0,25 Punkte gesenkt. Diese Nachricht hat zunächst an den Finanzmärkten kaum Spuren hinterlassen. Donald Trump zeigte sich unzufrieden und spricht von „Versagen“ der Zentralbank – die hätte seiner Meinung nach den Zinssatz noch deutlich stärker senken müssen.

Offiziell wollen die Zentralbank(en) wie auch die Europäische Zentralbank EZB die Konjunktur stützen. Das ist natürlich zu schwammig, denn die Frage, was die Konjunktur denn stützt, bleibt unbeantwortet. Tatsächlich geht es um reine Geldentwertung. Sowohl die Euro-Zone wie auch die USA sind heillos verschuldet. Da die Schulden stetig weiter steigen, müsste in einem normalen Wirtschaftsablauf irgendwann jemand zu den Gläubigern gehen und darüber sprechen, wie es jetzt weitergehen soll. Denn die Schulden werden niemals zurückgezahlt, neue, hochverzinste Verbindlichkeiten können sich die Staaten auch nicht leisten.

Monopoly der Zentralbanken und der Politik

Darum geht es auch nicht mehr. Ich kenne keine ernsthaften Regierungserklärungen der großen westlichen Nationen mehr, in denen aufgezeigt würde, die Schulden würden in einem wie auch immer gesetzten Zeitraum zurückgezahlt. Vereinzelt werden Sonntagsreden geschwungen, bei denen die „jüngeren Generationen“ geschützt werden sollen.

Da aber niemand die Schulden zurückführen möchte, können Sie getrost unterstellen, dass dies auch niemand im Hinterzimmer plant oder auch nur eine grobe Vorstellung davon skizziert hat. Das Spiel funktioniert anders.

Nehmen wir die USA und deren Dollar. Die USA haben massive Rekordschulden aufgebaut, die faktisch aus dem Nichts entstehen. Der Staat gibt beispielsweise immer neue Anleihen heraus und leiht sich auf diesem Wege a) von der eigenen Zentralbank Geld, die Anleihen am Markt teils aufkauft und b) vor allem von Gläubigern im Ausland, die ihr Geld in sichere Papiere investieren möchten.

Mit dem neu entstandenen und geliehenen Geld konnten sowohl der Staat als auch Unternehmen und vor allem die diesbezüglich unterschätzten Privathaushalte weltweit fröhlich einkaufen. Das berühmte Handelsdefizit der USA heißt nur, dass die USA sich Waren und Dienstleistungen in aller Welt mit Geld kaufen, das sie eigentlich gar nicht haben dürften. Das US-Militär sorgt weltweit dafür, dass das Spiel weiterfunktioniert – indem die Dollar-Herrschaft überall dort abgesichert wird, wo es wichtig ist. Beispielsweise wird Öl auch heute noch im Wesentlichen in Dollar gehandelt, auch wenn zwischenzeitlich Machthaber wie Saddam Hussein davon abrücken wollten. Dafür bezahlte der vormalige Freund der USA.



Inzwischen aber haben sich die Regeln des Spiels um Nuancen geändert: Die USA – und auch die Euro-Länder – wollen und müssen auch den Export weiter beleben, also Waren verkaufen. Die Großunternehmen benötigen neue Absatzmärkte, am besten weltweit und möglichst auch weitgehend unkontrolliert. Frei von gesetzlichen Fesseln oder politisch unerwünschten Störungen. Mittlerweile sind die USA und auch die Euro-Zone daher dazu übergegangen, auch die eigenen Währungen kurioserweise zu schwächen (und gleichzeitig, so behaupte ich jedenfalls, militärisch dennoch abzusichern). Und deshalb kommt es vor unseren Augen aus zwei Gründen zum Krieg der Währungen gegeneinander:

Die Staaten, die Unternehmen und zahlreiche Privathaushalte pumpen sich weiterhin mit neuem, billigem Geld die Portefeuilles voll. Dafür sind niedrige Zinsen sinnvoll.

Zum anderen geht es um die Eroberung und Sicherung der Absatzmärkte. Und deshalb kommt es zum Krieg der Währungen um niedrigere Kaufkosten für fremde Absatzmärkte. Der Abwertungswettlauf hat schon längst begonnen und wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Auch nach dem gestrigen Zinsschritt der US-Notenbank heißt es unverändert: Sichern Sie sich ab. Gold, Silber und andere Sachwerte helfen.

Meine Prognose dazu lautet, dass auch irgendwann der Schalter kippt und wir den Abwertungswettlauf in Form einer auch offiziell höheren Inflationsrate merken. Es ist wie beim Monopoly: Irgendwann können sich die meisten so gut wie nichts mehr leisten, nachdem es Runde um Runde gut gegangen ist. Dann ist es zu spät.


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Über den Autor
 
Autor: Volker Gelfarth Volker Gelfarth
Volker Gelfarth ist unabhängig beratender Unternehmensanalyst und renommierter Chefredakteur. Seine Publikationen „Die Aktien-Analyse“, Strategisches Investieren“, „Gelfarths Dividenden-Letter“ und „Gelfarths Premium-Depot“ sind seit vielen Jahren unentbehrliches Handwerkszeug privater und institutioneller Aktienanleger.
Der Diplom-Produktions-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich mit seinem Researchunternehmen voll und ganz der Value-Analyse widmete. Mit unermüdlichen Willen analysierte er als einer der ersten systematisch das Anlage-Verhalten der weltweit erfolgreichsten Investoren und machte dieses seinen Lesern zugänglich.

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