Die Dubai-Connection



13:22 17.10.19



Die Wirecard-Aktie dürfte auch in den nächsten Monaten uninvestierbar bleiben

Wo Rauch ist, ist auch Feuer?


Nicht schon wieder Wirecard, dürfte sich so mancher Börsianer am gestrigen Handelstag gedacht haben. Eine neue Runde des alten Spiels: Es gibt einen neuen Vorwurf, der die Bilanzierungs- und Geschäftspraktiken des Unternehmens in ein negatives Licht stellt, der Kurs stürzt ab, Wirecard bestreitet und ein fader Beigeschmack bleibt hängen. Auch diesmal packt die Financial Times (FT) harte Geschütze aus: Wirecard soll sich bei seinen Geschäften dubioser Drittparteien bedienen, so die Dubaier Al Alam. Ein Unternehmen, dessen Geschäfte mit Wirecard rund die Hälfte zum Ergebnis aus dem Jahr 2016 beigetragen haben sollen. Nach den Recherchen des FT-Journalisten Dan McCrum besitzt Al Alam jedoch weder Geschäftsräume, die der Größe des abgewickelten Geschäftes entsprechen, noch eine nennenswerte Anzahl an Mitarbeitern.

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Wer ist Wirecard?


Doch es wird noch besser: Weder unterhalten die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard eine Geschäftsbeziehung zu Al Alam noch wäre es überhaupt notwendig gewesen, sich eines externen Dienstleisters für die Geschäftsabwicklung zu bedienen, da man mit dem Tochterunternehmen Wirecard Processing das technische Knowhow dafür selbst im Haus gehabt hätte. 15 der 34 Kunden, deren Zahlungen laut interner Wirecard-Dokumente über Al Alam abgewickelt wurden hatten nach Recherchen der FT den Namen Al Alam noch nie gehört. Teilweise sollen Unternehmen eine frühere Kundenbeziehung zu Wirecard gehabt haben, die jedoch zum Zeitpunkt der verbuchten Umsätze bereits beendet gewesen wäre. Kurios ist auch die Aussage der Zahlen: So wickelte Wirecard 2016 Zahlungen über 4,2 Mrd. EUR über Al Alam ab, erwirtschaftete damit aber mehr EBITDA als mit den restlichen 62 Mrd. EUR abgewickelten Zahlungen. Alles in allem also (erneut) reichlich dubios.

Schwelbrand


Wirecard wird die Kritiker einfach nicht los. Wo Rauch ist, ist meistens auch Feuer, heißt es. Bei Wirecard haben wir es mit einem nicht enden wollenden Schwelbrand an diversen Stellen zu tun, den die Feuerwehr – sprich das Management von Wirecard – einfach nicht unter Kontrolle bringt. Bereits in der Vergangenheit haben wir geschrieben, dass es wohl lediglich eine Frage der Zeit ist, bis sich Short-Seller oder Journalisten mit der nötigen Manpower an dem Fall abarbeiten. Dies scheint nun der Fall zu sein. Die Einschläge kommen immer häufiger und immer heftiger. Richtig ins Rollen dürfte die Sache aber erst dann kommen, wenn der Wirtschaftsprüfer Zweifel anmeldet oder Behörden gegen das Unternehmen ermitteln sollten. Letztere schienen zuletzt aber eher ihre schützende Hand über Wirecard zu halten. Der größte Wirtschaftskrimi des Landes der letzten Jahre dürfte daher noch um einige Kapitel ergänzt werden.



180-Grad-Wende


In der Vorwoche waren wir uns noch ziemlich sicher, dass es mit dem DAX nun erst einmal weiter nach unten gehen müsse. Das Niveau von 12.500 Punkten konnte auch im dritten Anlauf nicht überwunden werden und mehr noch: Der Index fiel nach diesem Fehlversuch in ein regelrechtes Luftloch. Charttechnisch war die Sache also so klar, wie etwas an der Börse nur klar sein kann (vgl. Abb.). Entsprechend erhöhten wir sogar noch einmal die Absicherung für unser Musterdepot (siehe dort) und konnten uns in der Folge bestens abgesichert zurücklehnen. Soweit die Theorie. In der Praxis ließ Donald Trump am Freitag wissen, dass ein Handelsdeal mit China nun doch in greifbarer Nähe sei und die Börsen kannten kein Halten mehr – und zwar nach oben.

Die Reaktion fiel wohl auch deshalb so heftig aus, weil in der aktuellen Phase niemand mehr so recht an einen baldigen amerikanisch-chinesischen Deal geglaubt hatte. Die allgemeine Erwartung ging ja eher in die Richtung, dass die chinesische Führung bis nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 durchhalten wollte, um den ungeliebten Trump bis dahin maximal zu schädigen. Gut möglich, dass man auf einen Nachfolger Joe Biden im Weißen Haus setzte, zumal man zur Familie Biden ja bereits in der Vergangenheit „zarte Bande“ gesponnen hatte.

Rachefeldzug statt Berichterstattung – #ExposeCNN


Dazu kam der Medienrummel um das bevorstehende Impeachment-Verfahren gegen Trump, das eigentlich ein weiterer Anreiz für die Chinesen hätte sein müssen, jeden Deal mit Amtsinhaber Trump auf die lange Bank zu schieben, auch wenn dies die Durststrecke für die chinesische Wirtschaft zunächst noch einmal verlängert hätte. Offenbar beziehen die Chinesen ihre Informationen nicht primär von CNN bzw. halten den dort verbreiteten Impeachment-Rummel für wenig substanziell. Sollte dies so zutreffen, hätte es jüngst sogar eine Bestätigung gefunden: Der Nachrichtensender, der sich im Nebenerwerb als eine Art vorgeschobener Posten für die Demokratische Partei im kommenden Wahlkampf positioniert hat, versucht nämlich seit Wochen, das auf dünnen Beinen stehende mögliche Amtsenthebungsverfahren zu der Topmeldung schlechthin zu stilisieren. Dahinter, so hat nun ein CNN-Whistleblower gegenüber Project Veritas www.projectveritas.com offengelegt, steckt wohl CNN-Chef Jeff Zucker höchst selbst. Dessen regelrechte Impeachment-Besessenheit gegenüber Trump erschwere zunehmend die journalistische Arbeit. Der Sender ist in der Sache demnach nicht Berichterstatter, sondern Werkzeug in einem Rachefeldzug gegen den US-Präsidenten. Pikanterweise wird CNN auch hierzulande gerne – aber, wie es scheint, zu Unrecht – als eine der seriösen US-Nachrichtenquellen zitiert. Das mag wohl auch daran liegen, weil dort das gleiche Anti-Trump-Lied angestimmt wird, das auch in den hiesigen Leitmedien nur allzu gerne gehört wird. Die Chinesen sind augenscheinlich wesentlich besser über den Zustand der Trump-Präsidentschaft und über dessen Wiederwahlchancen informiert als die Zuschauer von CNN und dessen bundesdeutschen Derivaten. Denn wenn man in Peking zu der Überzeugung gelangt ist, dass Trump die Wiederwahl in 2020 kaum noch zu nehmen ist – dafür sprechen sowohl der Wirtschaftsboom als auch die Amtsenthebungsankündigungen von Pelosi & Co. –, dann ist es allemal besser jetzt noch den Sack zuzumachen, als mit einem durch die Wiederwahl frisch gestärkten Trump verhandeln zu müssen. Unter dem Hashtag #ExposeCNN sind bereits Teil 1 www.projectveritas.com/2019/10/14/exposecnnpart1/ und Teil 2 www.projectveritas.com/2019/10/15/part-2-cnn-leadership-and-staffers-reveal-true-sentiments-network-picks-favorites-among-democratic-candidates-on-eve-of-debate/ der atemberaubenden Enthüllungen erschienen, die wohl das Zeug dazu haben der Presseskandal des laufenden Jahres zu werden.

Dominanter externer Faktor


Zurück zur Börse: Was bedeutet die geänderte Lage aus Sicht des Anleger? Damit ist sowohl die sich abzeichnende Entspannung zwischen den USA und China als auch die neue Chartsituation gemeint. Beides hängt in diesem Fall auf das Engste miteinander zusammen. Sollte es tatsächlich in nächster Zukunft zur Unterzeichnung eines (Teil-)Handelsvertrages kommen, ist das Negativszenario aus fundamentaler Sicht erst einmal vom Tisch. Das Gegenteil gilt, falls die frisch geschöpfte Hoffnung doch noch in letzter Minute zunichte gemacht werden sollte, etwa durch einen Tweet aus dem Weißen Haus. Fazit: Unkalkulierbar. Hätte sich das aktuelle Chartbild im DAX ohne ein solches dominantes externes Ereignis ausgeprägt, wäre die Sache eindeutig: Mit der Überwindung des Widerstandsbereichs bei 12.500 Punkten ist der Weg nach oben erst einmal frei. Die professionelle Reaktion auf ein solches Wechselbad besteht darin, spätestens jetzt bestehende Short-Positionen mit einem Stopp-Loss zu versehen. Allzu viel Spielraum sollte man dem Index dabei nach oben nicht mehr geben (vgl. Musterdepot www.smartinvestor.de/kategorie/anlegen/musterdepot/). Natürlich besteht die Gefahr, dass man auf diese Weise zu einem ungünstigen Kurs ausgestoppt wird, womöglich sogar kurz bevor der Index wieder nach unten dreht. Wir sähen dann zum zweiten Mal in nur zwei Wochen ziemlich dumm aus. Die Alternative wäre allerdings eine Position, gegen die der aktuelle Trend läuft, ungesichert weiterlaufen zu lassen, in der vagen Hoffnung, dass das schon irgendwie gut gehen werde. Genau das aber kann niemals eine seriöse Alternative sein.

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Smart Investor 10/2019


Titelstory: Immobilien und Immobilienaktien: Auf wackligen Steinen gebaut?

Tschechien: Weit mehr als Bier und Prag

Kurzfristiges Reversal: Jenseits des Trends mit dem Umschwung Geld verdienen

Öl- und Gas: Pfiffige Stories abseits des Mainstreams





Fazit

Während bei Wirecard auch in Zukunft eher negative Überraschungen zu erwarten sein dürften, ist im Handelskonflikt zwischen China und den USA weiterhin alles möglich.

Christoph Karl, Ralph Malisch



       

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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