Spannung pur – mit Hebel



11:19 19.10.19

Für Landwirte können sie ebenso spannend und interessant sein wie für Computerexperten. Auch der ein oder andere Autofahrer und Wohnungseigentümer könnte sich durchaus mit ihnen beschäftigen. Selbst ausgefallene Themen wie alternative Energien oder die immer populäreren Emerging Markets lassen sich mit ihnen angehen. Gemeint sind weder Fachzeitschriften zu Immobilien und Reisezielen noch Aktienfonds oder Anlageprodukte. Es geht vielmehr um CFDs – Contracts for Difference. Was aber haben Contracts for Difference nun mit landwirtschaftlichen Rohstoffen, Computern oder Auto fahren zu tun?  Grundsätzlich lassen sich mit CFDs, die gemeinsam mit Futures, Knock-outs und Optionsscheinen zur Gruppe der Hebelpapiere gehören, unterschiedliche und auch ausgefallene Spekulationsideen umsetzen. Mitunter kann dies auch bei Basiswerten lohnenswert sein, die nicht jedem Anleger sofort einfallen. Ein Beispiel hierfür ist das Angebot im Bereich der Rohstoffe.

So können Anleger mit CFDs auf steigende Ölpreise, Weizennotierungen oder Goldpreise setzen. Ebenso ist es möglich, in die andere Richtung und damit auf einen Preisverfall zu spekulieren. Es ist bei allen handelbaren Basiswerten möglich, mit CFDs auf steigende oder fallende Kursentwicklungen zu setzen. Die Funktionsweise ist dabei erstaunlich einfach und auch für Neueinsteiger leicht nachzuvollziehen. Denn Contracts for Difference, für die sich mittlerweile in Deutschland rund 50.000 Kunden begeistern können, funktionieren nach einem einfachen Prinzip. Es muss nicht wie bei einer Direktinvestition gleich der gesamte Wert des zugrunde liegenden Basiswerts aufgebracht werden. CFDs ermöglichen es vielmehr, mit geringerem Kapitaleinsatz zu agieren. Dabei entsteht eine Hebelwirkung, wie das folgende Beispiel zeigt: Ein CFD-Anleger hinterlegt 10 Prozent eines Basisinstruments, das 100 Euro kostet, also zehn Euro. Steigt der Basiswert um zehn Euro, legt auch der CFD um zehn Euro zu. Im Basiswert bedeutet das einen Gewinn von zehn Prozent und im CFD 100 Prozent. Der Anleger agiert also mit einem Hebel von zehn. Das hinterlegte Kapital wird als Sicherheitsleistung bezeichnet und variiert je nach Basiswert. Ein praktisches Beispiel hierfür ist eine Long-Position auf den Ölpreis.

So muss ein Anleger, der positiv für Brent-Öl gestimmt ist und schon bald deutlich steigende Notierungen erwartet, nicht überstürzt seinen Öltank bis zum Rand auffüllen oder sich in anderer Weise physisch am Markt betätigen. Deutlich einfacher kann er mit einer CFD-Long-Position auf Brent-Öl von Preissteigerungen profitieren. Wie lange er das Engagement dabei hält, bleibt ihm überlassen. Grundsätzlich richtet sich das Angebot bei CFDs zwar an kurzfristig orientierte Anleger, es ist jedoch auch möglich, Positionen mehrere Tage oder gar Wochen, sogar Monate zu halten, denn CFDs unterliegen im Gegensatz zu Optionsscheinen und einigen Knock-outs keiner Laufzeitbegrenzung. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die gesamte Position finanziert werden muss, da der Großteil der Summe wie bei einem Kredit der Finanzierung unterliegt. Auch dies ist jedoch momentan vergleichsweise günstig. Die Kosten hängen nämlich von zwei Faktoren ab. Auf der einen Seite von einem individuellen Zinsanpassungsfaktor eines jeden Anbieters, also einer Art Marge oder Aufschlag auf den zugrundeliegenden Referenzzins, in den meisten Fällen Euribor oder EONIA. Da die Sätze für Euribor und EONIA im Augenblick äußerst niedrig sind, fällt dieser Teil der Finanzierung gering aus, es verbleibt im Wesentlichen die Emittentenmarge. Die Formel für die Bestimmung der Kosten lautet dann (Kontraktzahl x Kurs des Basiswerts x (Zinsanpassungsfaktor plus Euribor): 360 x Bezugsverhältnis). Bei einem Stand des 3-Monats Euribor von 0,65 Prozent und einem Aufschlag von 2,5 Prozent ergeben sich bei einem Kurs des Basiswerts (DAX) von 6000 Punkten pro Tag und Kontrakt rund 0,52 Cent pro Kontrakt. Auf der Short-Seite erhält der Broker Zinserträge, die dazu führen, dass per Saldo keine Gesamtkosten anfallen. Fallen nach abgeschlossener Transaktion Gewinne an, so unterliegen diese wie andere private Veräußerungsgeschäfte der Abgeltungssteuer.

Bei Rohstoffen gibt es einen weiteren Aspekt, den vor allem Anfänger im Bereich des CFD-Tradings beachten sollten, nämlich die Terminkurve. Je nachdem, ob die Märkte in Zukunft steigende oder fallende Notierungen für den gewählten Rohstoff erwarten, spricht man bei der Terminkurve von Contango oder Backwardation. Im ersten Fall liegt der nächstfällige Future über dem zuletzt fälligen, im zweiten Fall sind zu einem späteren Zeitpunkt fällige Futures günstiger als der aktuelle. Diese Besonderheiten des Rohstoffmarkts gehen gleichzeitig einher mit Rollgewinnen oder Rollverlusten, die auch Käufer von Derivaten betreffen. Notiert Öl beispielsweise bei 80 Dollar, der nächstfällige Future jedoch bereits bei 85 Dollar, so muss bei einer Long-Investition zunächst der Preissprung von 5 Dollar gutgemacht werden, ehe man in die Gewinnzone läuft. Vor einem Investment in CFD-Rohstoffe sollte man sich also gut informieren, da sie aufgrund der Terminkurve etwas komplexer sind als andere Basiswerte. Wo genau Anleger zugreifen, bleibt natürlich teilweise auch der persönlichen Vorliebe oder Kenntnis des Basiswerts geschuldet.



Bei der Frage, was überhaupt gehandelt wird, zeigen die Statistiken seit Jahren einen klaren Trend. Zu den beliebtesten Basisinstrumenten gehören schon seit Jahren beständig die bekannten Indizes, allen voran der deutsche Leitindex DAX. Hierzulande machen Indizes etwa zwei Drittel des gehandelten Volumens im CFD-Bereich aus und vereinen gleichzeitig 60 Prozent der vollzogenen Transaktionen auf sich. Unter den Indizes dominiert wiederum der DAX mit einem Anteil von rund 80 Prozent, weit vor dem Dow Jones mit etwa zwölf Prozent. Die Erfahrung zeigt, dass auch im CFD-Bereich viele Anleger vorsichtig agieren und längere Halteperioden wählen und sich nicht nur als Day-Trader engagieren. Wird es am Markt aber volatil und die Kurse schwanken heftig hin und her, nimmt auch die Handelsfrequenz zu.

Ende 2008 beispielsweise lag die Volatilität des DAX, ausgedrückt durch das Barometer VDAX-New auf einem Allzeithoch von rund 83 Punkten. Unmittelbar danach wurde beinahe jede Investmentmöglichkeit in Frage gestellt, von fast allen Seiten über den Sinn von Derivaten geredet, was die Marktteilnehmer zusätzlich verunsicherte. Im Gegensatz zum DAX, der erst im März 2009 bei etwa 3600 Punkten seinen Boden fand, ging die Volatilität aber bereits ab Ende 2008 deutlich zurück. Von 83 Punkten sank der VDAX-New zunächst bis in die Region von 50 Punkten, um danach sogar bis auf seinen langjährigen Durchschnitt von rund 20 Punkten zurückzufallen. Aufgrund dieses schnellen Rückgangs der Volatilität nahmen viele Akteure den Markt danach als vergleichsweise träge zur Kenntnis.

Die Volatilität spielt beim Vergleich von Contracts for Difference zu anderen derivativen Instrumenten eine beträchtliche Rolle. Wer als spekulativer Investor im Frühjahr 2009 auf eine Rallye beim DAX setzte, lag bei der Tendenz goldrichtig. Vom Tief ging es binnen neun Monaten um rund 2500 Punkte nach oben. Neben der Tendenz war für Derivateanleger jedoch auch die Wahl des richtigen Produkts entscheidend. So waren Call-Optionsscheine zwar die passende Wahl für eine Aufwärtsbewegung, ihre Gewinne wurden jedoch häufig zu großen Teilen von einer stark zurückgehenden Volatilität aufgezehrt. Ein Zahlenbeispiel verdeutlicht dies: Ein DAX-Optionsschein mit einer Restlaufzeit von neun Monaten, der etwa 500 Punkte aus dem Geld liegt, kostet bei einer Volatilität von 20 weniger als die Hälfte dessen, was das gleiche Papier bei einer Volatilität von 35 kostet. Insofern wird klar, wie die Gewinne bei Calls auf den DAX, aber auch auf Einzelaktien durch den Rückgang der Schwankungsbreiten zusammenschmolzen.

Eben jener Volatilitätseinfluss wird bei Knock-outs und Contracts for Difference ausgeschaltet. Die „Vola“ spielt bei der Preisberechnung also keine Rolle. Entscheidet sich ein Investor für eine CFD-Spekulation auf steigende oder fallende Notierungen erzielt er einen Gewinn, wenn er die Kursrichtung korrekt einschätzt und dabei die Finanzierungskosten übertroffen werden.

Oftmals wird dabei die Möglichkeit unterschätzt, CFDs auch strategisch einzusetzen und auf der Short-Seite zwischenzeitlich eine Absicherungsstrategie einzubauen. Viele Anleger haben sich in diesem Jahr mit Aktien, ETFs oder Zertifikaten auf den DAX eingedeckt. Diese Positionen notieren mittlerweile mit teils beträchtlichen Gewinnen im Plus. Um eine gewisse Zeit lang neutral aufgestellt zu sein, gibt es nun zwei Möglichkeiten. Zum einen den Verkauf der Positionen und die Realisierung der Gewinne. Der große Nachteil entsteht dann, wenn man sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut zum Einstieg in den Markt oder den Einzeltitel entscheidet. Häufig entstehen hohe Transaktionskosten, wenn alle Bestandteile des Depots wieder zusammen gekauft werden müssen. Mit Contracts for Difference können Anleger ihre Aktien- oder Indexpositionen für eine bestimmte Zeit quasi ausgleichen und sind dann neutral aufgestellt. Was sie auf der einen Seite gewinnen, verlieren sie auf der anderen und umgekehrt. Man sieht: CFDs sind ein grundsätzlich sehr einfaches und transparentes Produkt. Darüber hinaus gibt es aber auch Möglichkeiten, weiterführende Anlage- und Tradingideen umzusetzen.

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Autor: Feingold-Research Feingold-Research
Die beiden ehemaligen FTD- und Börse Online-Redakteure Benjamin Feingold und Daniel Saurenz haben zusammen das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort stellen die beiden Kapitalmarktexperten und Journalisten ihre Marktmeinung, Perspektiven und Strategien inklusive konkrete Produktempfehlungen vor. In zwei Musterdepots werden die eigenen Strategien mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert (feingold-research.com).

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