pfp Advisory: "Draghi geht, sein Vermächtnis bleibt"



14:09 21.10.19

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Für Fondsmanager Frank ist die Bilanz Draghis Amtszeit an der Spitze der EZB gemischt und umstritten – er erkennt schwache Zahlen aber auch letztendlich den bisherigen Erfolg in der Euro-Rettung. Und Rendite ließe sich auch bei solcher Geldpolitik erwirtschaften.
 

21. Oktober 2019. FRANKFURT (pfp Advisory). In wenigen Tagen wird die Amtszeit von Mario Draghi zu Ende gehen. Der Italiener an der Spitze der Europäischen Zentralbank polarisierte während seiner achtjährigen Amtszeit wie keiner seiner Vorgänger. Seine Fans preisen ihn als entschlossenen Euro-Retter, der auch unkonventionelle Maßnahmen nicht scheut. Seine Gegner kritisieren seine Niedrigzinspolitik, unterstellen ihm Rechtsbrüche oder zumindest eine sehr weite Auslegung des EZB-Mandats, oder schmähen ihn gar als Totengräber des europäischen Bankensystems.

Welche dieser Sichtweisen eher zutrifft, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt schwer beurteilen. Betrachten wir also besser die unumstößlichen Fakten: Während Draghis Amtszeit von 2011 bis 2019 wuchs das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone um durchschnittlich rund 1,2 Prozent pro Jahr. Sowohl während der Amtszeiten Wim Duisenbergs (1998 bis 2003) als auch Jean-Claude Trichets (2003 bis 2011) war das Tempo deutlich höher, obwohl in der letzten Phase auch die Rezession während der Finanzkrise 2008/09 enthalten war. Ein ähnliches Bild liefert die Arbeitslosenquote, die in Draghis Schaffensperiode ebenfalls schlechtere durchschnittliche Werte annahm als unter seinen Vorgängern. Bei der Inflationsrate ist das Bild ambivalent: Die Werte sind im Schnitt niedriger; allerdings wird das heutzutage nicht mehr positiv gesehen, sondern eher in Verbindung mit Wachstumsschwäche und einer Wirtschaft nahe der Deflation. Und last but not least: Der Wechselkurs des Euro hat gegenüber dem wichtigsten Währungskonkurrenten US-Dollar während Draghis Wirken deutlich an Boden verloren.

Fairerweise müssen auch die Kritiker Draghis zugeben, dass der Römer sein Amt in einer schwierigen Zeit angenommen und ausgeübt hat. Die europäische Währungsunion drohte auseinanderzubrechen. Draghi hat aus meiner Sicht zweifelsohne entschlossen dagegengehalten, in Wort und Tat. Mit seinem berühmten Ausspruch im Sommer 2012, dass die EZB für den Erhalt des Euro eintreten werde, „whatever it takes“, machte er unmissverständlich klar, dass Euro-Gegner künftig gegen die geballte Power der EZB „wetten“ würden. Den markigen Worten folgten Taten wie das OMT-Programm mit speziellen Refinanzierungsmöglichkeiten für Banken, starke Leitzinssenkungen in nie geahnte Tiefen, die Einführung eines negativen Einlagezinssatzes und umfangreiche Kaufprogramme für Anleihen – kurzum: geldpolitische Instrumente, die in Banker-Kreisen vor zwanzig Jahren noch als fantastische Spinnereien gegolten haben.

Mit all diesen Maßnahmen hat Draghi vermutlich dazu beigetragen, dass es den Euro heute überhaupt noch gibt. Ob ein anderer Notenbankpräsident wie Wim Duisenberg oder Jean-Claude Trichet wesentlich anders gehandelt hätte, bezweifle ich allerdings. Das gilt selbst für den Fall, wenn der 2011 noch favorisierte Bundesbank-Chef Axel Weber nicht das Handtuch geworfen und sich gegen Mario Draghi durchgesetzt hätte. Vielleicht wären die Handlungsspielräume auch für einen EZB-Chef Weber schlicht zu klein gewesen, wenn der Euro hätte überleben sollen. Aber letztlich ist das Spekulation.



Keine Spekulation ist hingegen, dass in der Amtszeit von Draghi Niedrigzinsen und Anleihenkaufprogramme zum geldpolitischen Normalfall wurden. Mit schwer wiegenden Folgen: Niedrig-, Null- bzw. Negativzinsen gehen zu Lasten der Sparer, kapitalgedeckter Altersvorsorgesysteme und des europäischen Bankensystems. Viele heimische Geldinstitute sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und hoffnungslos hinter ihre nordamerikanischen Wettbewerber zurückgefallen. Zudem ist Draghis unkonventionelle Geldpolitik nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der allgemeinen Bevölkerung höchst umstritten. Während sie im Nordteil Europas eher kritisch beäugt wird, wird sie im Süden überwiegend begrüßt.

Fakt ist, dass Draghis Maßnahmen letztlich nicht die gewünschte Wirkung bei Wachstum und Beschäftigung gebracht haben. Ansonsten müsste der Ausnahmezustand ja nicht schon seit Jahren aufrechterhalten und immer wieder verlängert werden. Fans von Draghi müssen aber ohnehin keine Angst haben, dass ab dem 1. November die geldpolitische Normalität in den EZB-Turm im Frankfurter Ostend zurückkehren wird. Im Gegenteil: Mit Christine Lagarde wird erstmals kein studierter Ökonom an der Spitze der Notenbank stehen, sondern eine Juristin. Das muss per se kein Nachteil sein. Meiner Meinung nach ist es aber ein klares Indiz dafür, dass die EZB künftig noch enger mit der Politik kooperieren soll, als das schon in den Tagen Mario Draghis der Fall gewesen ist – konträr zu den Beteuerungen zur Euro-Einführung, die Unabhängigkeit der Notenbank werde nicht angetastet.

Was bedeutet das alles für den Anleger? Politische Börsen haben lange Beine, hieß es in den vergangenen Jahren in Abwandlung einer veralteten Börsenweisheit oft. Manchmal auch zu Recht, denn der kurzfristige Einfluss der (Notenbank-)Politik auf die Börsen ist größer geworden. Wer langfristig agiert, hat mit diesem Phänomen aber wenig Probleme. Beispielsweise hat der von pfp Advisory gesteuerte Aktienfonds in den Amtsjahren Draghis absolut und relativ sehr gute Ergebnisse erzielt, obwohl geldpolitische Variablen in unserem Investmentprozess keine Rolle spielen. Gerade der relative Erfolg spricht nicht gerade für die These, dass der Anlageerfolg im Aktienbereich langfristig davon abhängt, was Notenbanker wie Draghi gerade aushecken. Und all denjenigen, die sich beschweren, dass sich dank Draghi das Sparen nicht mehr lohne, rufe ich zu: Was Draghi macht, könnt ihr nicht beeinflussen. Was ihr aus eurem Geld macht, aber sehr wohl. Dass euer Vermögen nicht wachsen kann, wenn der Zins 0 Prozent beträgt, sollte eigentlich jedem klar sein. Zum Glück gibt es ertragreichere Anlageformen – zu Zeiten Draghis wie Lagardes.

von: Christoph Frank, pfp Advisory. 
© 21. Oktober 2019, Deutsche Börse AG

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.



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