Hüfners Wochenkommentar: "Unterschätzte Dividendenrenditen"



09:28 10.11.19

image-3491

Hüfner appelliert an Anleger, von Bons auf Aktien zu wechseln – auch wenn es vielleicht schwer falle.

7. November 2019. MÜNCHEN (Assenagon). Anfang der 90er Jahre bat mich mein Vater, die Verwaltung seines Vermögens zu übernehmen Ich kaufte ihm – sehr zum Ärger seines Bankberaters – einzig und allein sehr lang laufende Bundesanleihen (unter anderem 30-jährige). Es war die beste Anlage, die ich in meinem Leben je getätigt habe. Leider habe ich sie nicht mit gleicher Konsequenz für meine eigene Altersvorsorge angewandt. Als mich mein Va­ter in der großen Finanzkrise fragte, wieviel er denn durch den Crash verloren habe, konnte ich stolz berichten, dass er gar keine Verluste hatte, sondern nur Gewinne.

Der Charme der Bonds hatte damals viele Gründe. Einmal natürlich die hohen Zinsen. 30-jährige Bundesanleihen ren­tierten damals über 10 Prozent. Das ergab einen kontinuierlichen Einkommensstrom. Zum anderen die verlässliche Risikoab­schätzung. Man konnte Bonds in festgelegten Risikostufen erwerben. Wer kein Risiko eingehen wollte, entschied sich für Staatsanleihen etwa der USA oder der Bundesrepublik Deutschland. Wer mehr Risiken wollte, konnte italienische, griechische oder auch argentinische Bonds erwerben. Zu­dem war der Markt liquide. Man konnte sich von den Papie­ren jederzeit trennen. Wenn man Kursgewinne berücksich­tigte, war die Rendite der Bonds nicht schlechter als die der viel gelobten Aktien.

Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Wer heute Bonds als Langfristanlage kauft, weiß angesichts der Minusrenditen von vornherein, dass er ein Verlustgeschäft macht. Bei Til­gung der Papiere erhält er weniger als er ursprünglich an­gelegt hat. Von einem kontinuierlichen Einkommensstrom durch die Kupons kann schon gar nicht mehr die Rede sein. Eigentlich kann man jedem nur raten: Hände weg von Bonds.

In der Praxis ist es allerdings nicht ganz so schlimm. Es gibt nach wie vor Nischen, in denen man auch am Rentenmarkt Geld verdienen kann. Aber es sind eben nur Nischen, die zum Teil mit erheblichen Risiken verbunden sind. So kann man statt Staatsanleihen Unternehmenspapiere kaufen. Viele von ihnen werfen auch jetzt noch positive Renditen ab. Allerdings können Unternehmen pleitegehen. Dann ist man sein ganzes Geld los oder zumindest einen Teil.

Eine andere Möglichkeit ist, auf Kurssteigerungen durch Zinssenkungen zu spekulieren. Seit Beginn dieses Jahres sind die Zinsen zeitweise um einen Prozentpunkt zurückge­gangen. Das ergab erhebliche Kursgewinne. Denn wenn die Zinsen sinken, steigen die Kurse. Allerdings können sich die Zinsen erhöhen. Dann ist man arm dran.

Angesichts all dieser Risiken, empfiehlt es sich, am Bond­markt nicht auf eigene Faust zu investieren, sondern sich professionelle Hilfe zu holen. Konkret: Das Geld in Fonds anzulegen. Gute Fonds konnten in diesem Jahr trotz Minus­zinsen beachtliche Renditen erzielen. Der iBoxx Deutsch­land, der Rentenmarkt-Index, den die Bundesbank veröf­fentlicht und der neben Staats- auch Unternehmensanleihen enthält, erbrachte seit Jahresbeginn eine Rendite von 4,9 Prozent. Der Bloomberg Barclays Global Aggregate Bonds-Index liegt heute um 8 Prozent über Vorjahr. Viele private Fonds waren noch besser. Das ist alles nicht schlecht. Allerdings kann niemand garantieren, dass das auch im kommenden Jahr wieder so sein wird, schon gar nicht, dass es über­haupt wieder positive Renditen geben wird.

Aktien schlagen Bonds image-3490

Quelle: Bloomberg

Wenn von Bonds der Lack ab ist, was dann? Am nahelie­gendsten sind natürlich Aktien. Auch sie bringen gute Erträ­ge, vor allem, wenn man sie langfristig hält. Wer einen Anla­gehorizont von über 15 Jahre hat, konnte beim DAX in der Nachkriegszeit eigentlich keine Verluste machen. Trotzdem scheuen traditionelle Bondanleger Dividendenpapiere wie der Teufel das Weihwasser. Sie verweisen immer wieder auf die Kursrisiken, in unsicheren Zeiten wie heute auch auf die Gefahr eines Crashs.



Bleiben Zwischenformen zwischen Bonds und Aktien. Eine ist, sich bei Aktien auf die Dividendenrendite zu fokussieren. Dividendenrenditen wurden in der Vergangenheit oft ver­nachlässigt, weil sie niedriger als die Bondrenditen waren. Die Grafik zeigt, dass das seit der großen Finanzkrise nicht mehr der Fall ist. Das Verhältnis Bonds zu Aktien hat sich auf den Kopf gestellt. Seitdem werfen die im DAX enthalte­nen Aktien kontinuierlich stabile Renditen von 3 bis 4 Prozent ab. Ein ordentliches Ergebnis in Zeiten von Minuszinsen. Bondrenditen sind davon meilenweit entfernt. Sie waren zuletzt negativ. Dividendenrenditen schützen zwar nicht vor Kursrisiken, geben aber mehr Sicherheit als Plain Vanilla-Aktien.

Interessant ist, dass die Dividendenrenditen in den letzten Jahren trotz der Kurssteigerungen weitgehend gleich ge­blieben sind. Das zeigt, dass die Unternehmen ihre Ausschüttungen mit steigenden Kursen angehoben haben. Interessant auch, dass nach US-amerikanischen Statistiken die Dividendenrendi­ten im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon einmal weit über den Bondrenditen lagen. Damals verlangten die Investoren höhere Erträge als Kompensation für die höheren Risiken der Aktien.

Eine andere Möglichkeit sind gemischte Fonds bestehend aus Bonds und Aktien. Früher war ihr Charme, dass Bonds die Sicherheit garantierten (und ein klein wenig Rendite durch die Kupons), Aktien dagegen den Ertrag durch die Kursgewinne. Jetzt haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Heute kommen die Kursgewinne von den Bonds, der Bo­densatz der Rendite dagegen von den Aktien. Attraktiv sind gemischte Fonds aber nach wie vor.

Für Anleger

Auch wenn es schwerfallen sollte: Switchen Sie von Bonds zu Aktien, vor allem zu solchen mit hohen Dividendenrendi­ten. Da können Sie auch in Zeiten von Minuszinsen noch Geld verdienen. Wenn es allerdings richtig kracht, dann nutzen Ihnen auch die höheren Renditen nichts. Wenn die Bondrenditen wieder einmal steigen sollten, dann können sie immer noch zu Festverzinslichen zurückkehren.

von Martin Hüfner
© 6. November 2019, Assenagon

Über den Autor

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa - Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



Disclaimer Inhalte des Onlineangebots Die hierin enthaltenen Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Keine der hierin enthaltenen Informationen begründet ein Angebot zum Verkauf oder die Werbung von Angeboten zum Kauf eines Terminkontraktes, eines Wertpapiers oder einer Option, die zum Handel an der Eurex Deutschland oder der FWB® Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen sind oder eines sonstigen Terminkontraktes, einer Emission oder eines hierin erläuterten Produktes. 

Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht dafür, dass die folgenden Informationen vollständig oder richtig sind. Infolgedessen sollte sich niemand auf die hierin enthaltenen Informationen verlassen. Die Deutsche Börse AG, Eurex Deutschland, Eurex Frankfurt AG, Eurex Clearing AG, FWB Frankfurter Wertpapierbörse und Börse Frankfurt Zertifikate AG haften nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den auf dieser oder einer der nachfolgenden Seiten enthaltenen Informationen vorgenommen werden. 

Zum Handel an der FWB zugelassene Wertpapiere sowie Eurex-Derivate (mit Ausnahme des DAX®Future-, STOXX® 50 Future-, EURO STOXX® 50 Future-, STOXX 600 Banking Sector Future-, EURO STOXX Banking Sector Future- und Global Titans Future-Kontrakts und Eurex Zinssatz Derivaten) stehen derzeit nicht zum Angebot, Verkauf oder Handel in den Vereinigten Staaten zur Verfügung noch dürfen Bürger, die den US-amerikanischen Steuergesetzen unterliegen, diese Wertpapiere anbieten, verkaufen oder handeln. 

Die in XTF Exchange Traded Funds® gelisteten Fondsanteile sind zum Handel an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen. Nutzer dieses Informationsangebotes mit Wohnsitz außerhalb von Deutschland weisen wir darauf hin, dass der Vertrieb der in XTF Exchange Traded Funds gelisteten Fondsanteile in diesem Land möglicherweise nicht zulässig ist. Die Verwendung der Informationen geschieht auf eigene Verantwortung des Nutzers. Verweise und Links Bei direkten oder indirekten Verweisen auf fremde Internetseiten ("Links"), die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Autors liegen, würde eine Haftungsverpflichtung ausschließlich in dem Fall in Kraft treten, in dem der Autor von den Inhalten Kenntnis hat und es ihm technisch möglich und zumutbar wäre, die Nutzung im Falle rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Der Autor erklärt daher ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf der verlinkten Seiten erkennbar waren. 

Der Autor hat keinerlei Einfluss auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung und auf die Inhalte der gelinkten/verknüpften Seiten. Deshalb distanziert er sich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten /verknüpften Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden. 

Diese Feststellung gilt für alle innerhalb des eigenen Internetangebotes gesetzten Links und Verweise sowie für Fremdeinträge in vom Autor eingerichteten Mailinglisten. Für illegale, fehlerhafte oder unvollständige Inhalte und insbesondere für Schäden, die aus der Nutzung oder Nichtnutzung solcherart dargebotener Informationen entstehen, haftet allein der Anbieter der Seite, auf welche verwiesen wurde, nicht derjenige, der über Links auf die jeweilige Veröffentlichung lediglich verweist. Rechtswirksamkeit des Disclaimers Dieser Disclaimer ist ein Teil des Internetangebots, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern einzelne Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt. Einbindung von weiteren Inhalten Dritter Es ist möglich, dass innerhalb unserer Website Inhalte Dritter unter anderem im Form von sog. iFrames eingebunden werden. Die Anbieter dieser Inhalte werden technisch bedingt Ihre IP-Adresse erfahren, um ihre Inhalte an ihren Browser zu senden, eventuell Cookies setzen wollen oder Analyse-Tools einsetzen. Für den datenschutzgerechten Umgang mit ihren Daten sind diese Drittanbieter eigenverantwortlich. Zu den Kontaktmöglichkeiten des Anbieters, dessen Datenschutzbestimmungen und eventuell eingeräumte Widerspruchsmöglichkeiten verweisen wir auf das Impressum und die Datenschutzerklärung des jeweiligen Drittanbieters.



=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


Attachments:

Alternativ0, (text/plain)

Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Redaktion boerse-frankfurt.de Redaktion boerse-frankfurt.de,
Deutsche Börse AG

Die Autorinnen und Autoren des Anlegerportals berichten täglich über Tendenzen und Meinungen an den verschiedenen Wertpapiermärkten der Frankfurter Börse. Händler und Analysten geben einen tiefen Einblick in das Marktgeschehen direkt von der Quelle: Am Montag stimmt Sie ein Ausblick auf die Börsenwoche ein. Am Dienstag widmen wir uns ETFs und Fonds. Jeden Mittwoch gibt es eine markttechnische Analyse sowie Berichte vom Handel mit Rohstoffen, Zertifikaten oder Währungen im Wechsel. Donnerstags befassen wir uns mit internationalen Aktien und zum Wochenschluss am Freitag mit Anleihen. Sie können diese Marktberichte bei boerse-frankfurt.de/newsletter kostenlos abonnieren.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
Daimler: Jetzt MUSS der Kurs wieder drehen!
Experte: Stefan Hofmann, STOCK-WORLD
Kolumnen
DAX - Trendwende?
Christian Zoller, www.boerse-daily.de (14:38)
Experte: Christian Zoller, www.boerse-daily.de
Geld verdienen in einer ...
Volker Gelfarth, (14:08)
Experte: Volker Gelfarth,
Deutsche Auto-Konzerne ...
Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD (13:32)
Experte: Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD
First Berlin - GRAND CITY ...
First Berlin Equity Rese., (13:26)
Experte: First Berlin Equity Research,
Bayer: Ein wichtiger Kampf!
Robert Sasse, (13:15)
Experte: Robert Sasse,
Canopy Growth ...
Björn Junker, GOLDINVEST.de (13:00)
Experte: Björn Junker, GOLDINVEST.de
Wirecard – so geht’s jetzt ...
Feingold-Research, (12:54)
Experte: Feingold-Research,
Qiagen hat trotz ...
wikifolio.com, (12:17)
Experte: wikifolio.com,
DAX – Bären wittern ...
HypoVereinsbank onema., (12:08)
Experte: HypoVereinsbank onemarkets,
Morphosys-Calls mit 91%-...
Walter Kozubek, (11:19)
Experte: Walter Kozubek,
Auf die Zukunft setzen
Ingrid Heinritzi, (11:18)
Experte: Ingrid Heinritzi,
Sektorrotation ist wie ...
Stephan Heibel, Heibel-Ticker (10:40)
Experte: Stephan Heibel, Heibel-Ticker
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Ausblick auf 2020: Warum es sich jetzt lohnen kann, in Glücksspielaktien ...
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen