Marktstimmung: "Internationale Euphorie lässt heimische Investoren kalt"



08:05 14.11.19

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Erneut ist der DAX gestiegen, und zwar die fünfte Woche in Folge. An der Stimmung unter den heimischen Investoren hat sich allerdings trotz der international vielerorts zu beobachtenden Euphorie nicht allzu viel geändert.

Zusammenfassung Offenbar haben sich die Wege der institutionellen und der privaten Investoren mit der heutigen Sentiment-Erhebung wieder etwas angenähert. Erstere zeigen sich nun etwas optimistischer, wenngleich sie sich aber bislang gegenüber der guten Stimmung der internationalen Fondsmanager als resistent erweisen. Stattdessen warten viele von ihnen hierzulande auf einen deutlichen Rücksetzer, um möglicherweise noch einigermaßen günstig die verpassten Käufe nachzuholen. Die Privatanleger, die bereits in der vergangenen Woche ausgesprochen optimistisch auftraten, haben sich durch den DAX-Anstieg nicht zu Gewinnmitnahmen verleiten lassen. Sie wollen offensichtlich noch mehr.

Für Joachim Goldberg bleibt der DAX daher zumindest aus heimischer Sentiment-Sicht in einer günstigen Position. Interessant ist aber, was der Verhaltensökonom zu den langfristigen Kapitalzuflüssen anzumerken hat.

13. November 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Rallye an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks hält an, aber sie hat etwas an Dynamik verloren. Immerhin: Der DAX markierte noch gestern vorübergehend ein neues Jahreshoch. Und dies, obgleich sich die Börsianer durchaus hätten Gedanken machen können, ob die Fortschritte im US-chinesischen Handelsstreit tatsächlich so groß waren, wie es etwa die Stimmung bei den internationalen Fondsmanagern zuletzt vermittelte. Diese war nämlich – schenkt man der jüngsten Umfrage von BofA Merrill Lynch Glauben – von großem Optimismus und einem geradezu drastisch anmutenden Stimmungswechsel gekennzeichnet. So schossen die globalen Wachstumserwartungen, die in der Oktober-Umfrage noch ausgesprochen skeptisch waren, geradezu in die Höhe. Waren vor Monatsfrist noch netto 37 Prozent der befragten Fondsmanager negativ in Hinblick auf das globale Wachstum eingestellt, rechneten nun in der Umfrage, die am 7. November endete, per Saldo 6 Prozent der Befragten mit einem positiven globalen Wachstum auf Sicht der kommenden zwölf Monate. Nichts ist mehr von etwaigen Rezessionsängsten zu spüren. Im Gegenteil: Die Angst, einen Bullenmarkt zu verpassen, schien bei den Fondsmanagern umzugehen und hat sich letztlich auch in positiv verlaufenden Aktienkursen niedergeschlagen. Allein der DAX ist während des Berichtszeitraums zum fünften Mal hintereinander, wenn auch nur geringfügig, gestiegen.

Dem Optimismus der internationalen Fondsmanager wollten sich die von uns befragten, mittelfristig orientierten hiesigen institutionellen Anleger allerdings immer noch nicht so recht anschließen. Bescheiden mutet nämlich der Anstieg unseres Börse Frankfurt Sentiment-Index an, der sich im Gegensatz zur Stimmung des Gesamtmarktes nur um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +7 befestigte. Die überschaubare Wanderung von 4 Prozent aller Befragten ins Bullenlager vermittelt vielmehr den Eindruck, dass der DAX-Anstieg der vergangenen Tage immer noch nicht schmerzhaft genug war, um eine größere Kapitulationsbewegung unter den seit einigen Wochen fast gleichbleibend starken Pessimisten auszulösen. Mit anderen Worten: Gekauft hat seit der vergangenen Stimmungserhebung nur derjenige, der kaufen musste.

Privatanleger wollen mehr

Ganz anders mutete das Bild bei den Privatanlegern schon in der vergangenen Woche an. Dabei sind die meisten Teilnehmer dieses Panels trotz eines temporären DAX-Anstiegs von rund einem Prozent seit unserer vergangenen Befragung optimistisch geblieben. So kam es praktisch unter den Bullen der Vorwochen nur ganz gelegentlich zu Gewinnmitnahmen, so dass der Rückgang des Börse Frankfurt Sentiment-Index um 3 Punkte auf einen Stand von +29 überwiegend neuen bearishen Engagements zu verdanken ist. Diese rekrutieren sich praktisch vollumfänglich aus der Gruppe vormals neutral eingestellter Akteure.

Die heutige Befragung zeigt, dass sich die recht hohe Stimmungskluft zwischen privaten und institutionellen Anlegern aus der Vorwoche etwas verringert hat. Bemerkenswert bleibt indes, wie wenig die heimischen institutionellen Marktteilnehmer den internationalen Kapitalströmen gefolgt sind. Denn die Umfrage von BofA Merrill Lynch offenbart nicht nur einen starken Wachstums-Optimismus, sondern auch, dass netto 13 Prozent (Vormonat 1 Prozent) der befragten Fondsmanager angaben, in Aktien der Eurozone übergewichtet zu sein. Damit wird deutlich, dass die heimischen Investoren im Falle von Rücksetzern durch die dann nachgeholten Käufe dem DAX eher eine Stütze sein werden. Die größte Gefahr droht dem Börsenbarometer nach wie vor eher aus dem Ausland, wenn sich die zuletzt gezeigte Risikofreude durch entsprechend ungünstige Entwicklungen im US-chinesischen Handelskonflikt in Risikoaversion verwandeln sollte.

13. November 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Sentiment-Index institutioneller Anleger image-3567
  Bullish Bearish Neutral
Total 40% 33% 27%

ggü. letzter Erhebung

+2% -4%

+2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.220 (+50 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +7 Punkte (Stand Vorwoche: +1 Punkt)

 

Sentiment-Index privater Anleger image-3568
  Bullish Bearish Neutral
Total 56% 27% 17%

ggü. letzter Erhebung

+0% +3% -3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.220 (+50 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +29 Punkte (Stand Vorwoche: +32 Punkte)

 

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Die Ergebnisse der Analyse erhalten Sie per E-Mail zugesandt.





Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 



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