Hilfe, die Zinskurve ist verschwunden!



16:01 14.11.19

Noch vor einigen Monaten waren die Medien ganz besessen von der mit Sicherheit kommenden und wahnsinnig gefährlichen Inversion der amerikanischen Zinskurve.

chamäleon Quelle: unsplash.com, David Clode

Eine Inversion liegt dann vor, wenn für kurzlaufende Staatsanleihen höhere Zinsen bezahlt werden als für langlaufende. 

Die Zinsen für 10 Jahre laufende Anleihen lagen tatsächlich für kurze Zeit unter den Zinsen für zwei Jahre laufende Anleihen. Die Zinsen für drei Monate laufende Anleihen lagen einige Woche lang höher als die langlaufenden. Das gilt als ein Zeichen für eine kommende Rezession. Diese Inversion, so also die These, würde schon bald zu einer Rezession in den USA führen – und die Aktienmärkte mit sich reißen.

Die Zinskurve (engl. Yield Curve)

Die Zinskurve zeigt, zu welchen Zinssätzen zum heutigen Zeitpunkt für unterschiedliche Laufzeiten Geld angelegt werden kann. Es kann sich um eine flache, normale oder inverse Zinskurve handeln.

Sind kurz- und langfristige Zinsen identisch, so ist die Zinskurve flach. Sind die kurzfristigen Zinsen niedriger als die langfristigen, so ist die Zinskurve normal geneigt. Die Zinskurve ist invers, wenn die kurzfristigen Zinsen höher sind als die langfristigen.

Panikmache der Medien

Ich fand die Diskussion wenig hilfreich. Während die Medien über eine mögliche Rezession schrieben und mit ihrer Lust am Schüren von Angst die Privatanleger – einmal mehr – davon abhielten, ihr Geld anzulegen, gab der LEI (Leading Economic Index), der die Lage der Realwirtschaft misst, keinen Hinweis auf eine Rezession. Die Wirtschaft in den USA läuft gut. Keine Änderung in Sicht.

Die Gefahr einer Inversion wurde im Sommer in den schillerndsten Farben ausgemalt. Warum schreibt dann aber niemand, dass die Zinskurve schon lange wieder positiv ist?

Die Inversion war schon nach wenigen Tagen beendet. Hier kommt der Chart, der zeigt, wie die US-Zinskurve lediglich kurzzeitig abgetaucht ist.

zinskurve-usa Renditedifferenz zwischen 10- und 2-jährigen US-Staatsanleihen

Die inverse Zinskurve war nicht von Dauer. Nur kurz waren die Renditen der zweijährigen Staatsanleihen höher als die Renditen der 10-jährigen Papiere.



Viel Aufregung um wenig bis nichts also. Medien lieben negative Berichte. Eine kommende Rezession war das Megathema in den Monaten August und September. Die Zinskurve war ihr Kronzeuge. Deutsche Medien, die ohnehin gerne pessimistisch berichten, zogen mit. Über die wieder positive Zinskurve hat dann kaum einer berichtet. Weder in der amerikanischen, noch in der deutschen Presse.

Wie zuverlässig ist die Zinskurve als Indikator für eine Rezession?

Die Inversion ist alles andere als ein zuverlässiger Indikator für eine Rezession. Auch das hat in den vergangenen Monaten kaum einer zur Kenntnis nehmen wollen, der sich um die Zinskurve sorgte. Zum einen folgt eine Rezession im Durchschnitt erst im Abstand von 22 Monaten nach der Inversion. Zum zweiten legen die Kurse in dieser Zeit im Durchschnitt um immerhin 15 Prozent zu. Und zum dritten fällt die Rezession nach dem Eintreten einer inversen Zinskurve oft auch aus. Nicht jeder Inversion der Zinskurve folgt also auch eine Rezession. Die Gleichung funktioniert besser anders herum: Einer Rezession ging seit dem 2. Weltkrieg nahezu immer eine Inversion der Zinskurve voraus.

Die Medien bauen an der „wall of worries“

Ich habe im wikifolio  Global Champions wegen der alarmierenden Berichte über die Zinskurve nicht eine einzige Aktie verkauft. Das war für Langfristanlegerinnen und -anleger erkennbar die beste Vorgehensweise. Sie hat sich ausgezahlt. Der Markt (gemessen am S&P 500) hat in dieser Woche mehrfach neue Hochs geliefert – zuletzt auch oberhalb der 3.100 Punkte. Nicht anders lief es beim MSCI World. Auch der erreichte Rekordhochs.

Kommt jetzt noch etwas mehr Bewegung in die Verhandlungen zwischen China und den USA, dann sind weitere Kursgewinne bis zum Jahresende realistisch. Die ganz großen Anstiege der Indizes liegen gleichwohl hinter uns. Wir haben sie in der ersten Jahreshälfte gesehen. Ein bis zwei Prozent bis zum Jahresende könnten jetzt für das Depot noch drin sein.

Nein, das klingt nicht nach einer Jahresendrallye. Aber nach einer guten Verfassung der Märkte. Für die spricht im Übrigen auch das plötzliche Verschwinden der Diskussion über die Zinskurve. Wenn die Medien negativ über den Markt berichten, positive Entwicklungen aber unterschlagen, dann bauen sie an der bekannten „wall of worries“. An der klettern die Kurse im Markt nach oben.

Wenn die Medien hingegen nur noch das Positive berichten und die Gefahren ausblenden – dann wird es schwierig für die Aktienmärkte und Anlegerinnen und Anleger sollten vorsichtig werden, wenn es darum geht, neues Geld in den Markt zu legen. Bis dahin kann es noch Jahre dauern. Oder auch Jahrzehnte. Keiner weiß es.

Disclaimer: Christian Thiel ist wikifolio-Trader und betreut als  sparstrumpf das wikifolio  Global Champions . Darüber hinaus betreibt er den Blog „Großmutters Sparstrumpf“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seines wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. Der Inhalt stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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