Öl – Terminkurven lesen lernen



16:50 14.11.19

Terminkurven und die Volatilität bestimmen Kurse der Produkte auf Öl, sei es Brent oder WTI. Faustregel ist, dass bei volatilen Phasen Inliner günstiger sind, da das Risiko darüber abgebildet wird. In unseren beiden Depots finden sich häufig Inliner auf Öl, die wir regelmäßig beschreiben. Doch auch der Blick auf die Kurve ist wichtig. Da stimmt doch etwas nicht: Der Preis von Kupfer, Öl oder Mais steigt drastisch, doch die Kurse von Rohstoffzertifikaten bewegen sich kaum oder gar nicht. Dabei sind es ganz normale Indexzertifikate mit unbegrenzter Laufzeit, mit denen Anleger eigentlich an steigenden Kursen partizipieren sollen. Der Grund, warum diese Papiere die Bewegung des Basiswerts mal gar nicht, mal nur zum Teil oder mal stärker nachvollziehen, sind die Modalitäten der Terminmärkte. Rohstoffe sind überwiegend nur über Terminkontrakte handelbar.


Deshalb beziehen sich Rohstoffzertifikate in der Regel auf Rohstoff-Futures an den Terminbörsen. Je nachdem, ob der Markt steigende oder fallende Notierungen erwartet, können Rollverluste oder -gewinne auftreten. Wird nämlich ein Futures-Kontrakt fällig, muss für ein Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit der Future in einen später fälligen Future getauscht werden. Die Profis nennen das „den Future rollen“. Würde dies nicht gemacht, bekämen Anleger bei Verfall des aktuellen Futures schlicht die Ware geliefert, zum Beispiel einen Lastwagen voller Zucker.


Contango

BASF-YPC Company Limited in
        Nanjing / BASF-YPC Company Limited in NanjingDa die Märkte über die Terminkontrakte steigende oder fallende Kurse erwarten, notieren später fällige Kontrakte höher oder tiefer als der aktuelle Future. Denn die Märkte nehmen die Preisanstiege oder -einbrüche vorweg. Verluste stellen sich dann ein, wenn der nächstfällige Rohstoff-Future teurer ist als der aktuelle. Experten sprechen in einer solchen Situation von Contango. Der Investor bekommt für die gleiche investierte Summe dann einen geringeren Anteil an Rohstoffkontrakten. Beim Zertifikat reduziert sich daher auch die Partizipationsrate, der Anleger macht also die Entwicklung des Basiswerts nicht mehr voll mit, sondern beispielsweise nur noch zu 95 Prozent.




Backwardation


Der umgekehrte Fall ist gegeben, wenn der nächstfällige Future niedriger notiert als der aktuelle. Dafür lautet der Fachausdruck Backwardation. Sollten dann entgegen der Erwartung am Terminmarkt die Rohstoffpreise steigen oder sogar nur stagnieren, erzielen Zertifikateinhaber bereits einen Gewinn.

Rohstoffe_Silber_190x190Insgesamt ist die Investition in Rohstoffe also nicht ganz einfach – abgesehen von Edelmetallen wie Gold oder Silber: Hier gibt es die Problematik der Futures nicht, da ein Spotmarkt existiert und sich die Zertifikate meist auf diesen Kassamarkt beziehen. Eine Alternative sind Discount- oder Bonuszertifikate mit fester Laufzeit. Hier wird nicht gerollt, weil die Papiere sich auf einen künftigen Future beziehen und es keinen Futures-Wechsel während der Laufzeit gibt. Die Erwartungen am Terminmarkt stecken bereits in den Konditionen der Produkte mit fester Laufzeit.


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Über den Autor
 
Autor: Feingold-Research Feingold-Research
Die beiden ehemaligen FTD- und Börse Online-Redakteure Benjamin Feingold und Daniel Saurenz haben zusammen das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort stellen die beiden Kapitalmarktexperten und Journalisten ihre Marktmeinung, Perspektiven und Strategien inklusive konkrete Produktempfehlungen vor. In zwei Musterdepots werden die eigenen Strategien mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert (feingold-research.com).

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