Die Fed droht mit der Atombombe - reicht das für die Bullen?



15:47 02.04.20

Dem schnellsten Sturz in einen Bärenmarkt in der neueren Börsengeschichte folgten in der vergangene Woche an den amerikanischen Börsen hohe Gewinne.


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Im Dow waren es die höchsten Gewinne seit dem Jahr 1938. Und da die Kurse vom Tief aus gesehen um mehr als 20 Prozent stiegen, befindet sich der Markt technisch gesehen sogar schon wieder in einem Bullenmarkt. Den heftigsten Absturz erlebte hingegen der Volatilitätsindex VIX. Er stürzte von in der Spitze 84 Punkten auf 56 Punkte, ein Rückgang um 33 Prozent.

Im Moment ist das Entscheidende für den Markt, ob wir eine lange Rezession erleben. Oder ob es in den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt lediglich ein bis zwei Quartale gibt, die schwach ausfallen.

China hat die schnelle Rückkehr zum Wachstum nur mit viel Geld hinbekommen. Dort wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr nicht bei sechs sondern bei rund 4,5 Prozent liegen. Von Rezession keine Spur. Viel Geld in die Hand nehmen: Nichts anderes macht derzeit Europa. Nichts anderes machen die USA. So soll eine lange Hängepartie bzw. eine lange Abwärtsspirale vermieden werden.

Was bleibt für die Optimisten?

Erstens. Die Regierung und die amerikanische Notenbank Fed haben sehr schnell reagiert und historische Rettungspakete geschnürt, um der Krise zu begegnen. Zwei Billionen Dollar nimmt die Regierung in die Hand, um taumelnde Unternehmen zu schützen (z. B. die Luftfahrtindustrie) und Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Geld in die Hand zu geben.

Die Fed senkt die Zinsen auf ein historisch tiefes Niveau und kauft im großen Stil Staats- wie Unternehmensanleihen. Der Umfang dieses Programms: Unbegrenzt. Das ist die Bazooka, von der so oft die Rede ist. Dabei muss es nicht bleiben. Die Fed bereitet sich selbst, die Öffentlichkeit sowie die Politik derzeit darauf vor, auch im Aktienmarkt einzugreifen – und zu kaufen. Diese Maßnahme werten amerikanische Kommentatoren als den Versuch der FED „to go nuclear“. Es ist ein klares Bekenntnis dazu alles zu tun, um der Krise zu begegnen. Whatever it takes.

Beides zusammen hat dem Markt umgehend Halt gegeben. Ich habe keinen Zweifel, dass ohne diese Maßnahmen die Kurse in nächster Zeit sehr weit abgerutscht wären, vermutlich unter die Grenze von minus 40 Prozent vom Hoch, also dorthin, wo der Crash beginnt.

Es ist im Moment sehr viel Geld an der Seitenlinie. Wer von Kurssteigerungen profitieren möchte (und von den Dividenden, die die Unternehmen ausschütten), der muss in den Markt.


Christian Thiel sparstrumpf

Zweitens. Die Zinsen sind in den USA auf ein historisches Tief gefallen. Der Zinssatz für amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren lag zwischenzeitlich bei rund 0,4 Prozent. Er hat sich nun auf 0,7 Prozent eingependelt. Die Zinsen in den USA werden möglicherweise auf Dauer unter einem Prozent bleiben. Niedrige Zinsen sind gut für Aktien. Angesichts eines Zinssatzes von unter einem Prozent müssen die Unternehmen im S&P 500 nur etwa vier Prozent an Gewinnen vorweisen, um als ein attraktiver Kauf zu gelten. Diese Rechnung folgt der bekannten Regel, dass Aktien drei Prozent mehr bringen müssen als sichere Staatsanleihen, um als kaufenswert zu gelten und Anlegerinnen und Anleger für die Schwankungen am Markt zu entschädigen. Aus diesen vier Prozent ergibt sich bei der Umrechnung in ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (Price-Earnings-Ratio, PE) ein PE für den S&P 500 von 25. Von diesem Niveau ist der S&P 500 derzeit weit entfernt. Je nach Quelle notiert er bei einem Forward-PE von 14 bis 19.



Drittens. Es ist im Moment sehr viel Geld an der Seitenlinie. Wer von Kurssteigerungen profitieren möchte (und von den Dividenden, die die Unternehmen ausschütten), der muss in den Markt.

Viertens. Die Börse schaut in die Zukunft. In der Regel sind es die nächsten 6 bis 12 Monate, die dort zählen. Ist eine schnelle Rückkehr zur Normalität zu erwarten, haben Aktien auf dem derzeitigen Niveau nur ein sehr begrenztes Potential für weitere Abschläge.

Fünftens: Schnelle Abstürze ziehen oft schnelle Erholungen nach sich. Das kann auch beim S&P 500 so kommen. Seit Jahresanfang steht der Index nur noch bei einem Minus von 20 Prozent (siehe Chart). Behalten die Optimisten Recht, kann er bis zum Jahresende wieder zwischen 3.000 und 3.300 Punkten stehen. Mangels Alternativen.

Was bleibt für die Pessimisten?

Erstens. Chaos, Anarchie und Pessimismus angesichts der Corona-Krise. Nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich. Die Amerikaner sind schon durch viele Krisen gegangen – und dabei nie mit Chaos, Anarchie oder Pessimismus aufgefallen. Eher mit Patriotismus, sehr schnellen Entschlüssen und tatkräftigen Handlungen.

Zweitens. Die Wahlen. In den letzten 50 Jahren hat es kein amerikanischer Präsident geschafft, angesichts einer Rezession die Wiederwahl zu schaffen. Das kann auch Donald Trump passieren.

Fallende Aktienkurse und eine möglicherweise einsetzende Rezession erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass in den USA im November ein Demokrat zum Präsidenten gewählt wird. Weder habe ich Angst vor einem demokratischen Präsidenten, noch glaube ich, dass er in den USA den Sozialismus einführen wird. Aber die Wall Street hat diese Angst ganz ohne Zweifel. Sie fürchtet, dass es höhere Steuern für die ganz Reichen geben wird – was ganz ohne Zweifel das Ziel der Demokraten ist. Und was ganz ohne Zweifel erstens gerecht wäre und zweitens der Wirtschaft guttun würde.

In Jahren, in denen ein Demokrat Präsident wird, läuft die Börse schlecht. Dafür feiert sie im ersten Jahr seiner Amtszeit die Tatsache, dass er sich im Amt doch nicht als der Umverteiler und Revolutionär herausstellt, als den die Börse ihn zuvor gesehen hat. Das war bei Obama so. Das war bei Bill Clinton so. Die Unsicherheit über den Ausgang der Wahlen dürfte bei den Börsenkursen aber in den kommenden Monaten weiterhin für Volatilität sorgen.

Mein Fazit

Derzeit kann niemand mit Sicherheit sagen, wie die nächsten Monate verlaufen werden. Keiner von uns hat eine Glaskugel. Fest steht allerdings: Derzeit sind Aktien billig. Ich habe für mein Depot in der aktuellen Krise nachgekauft. Der Abschwung kam so schnell, dass ich mich für Käufe bei minus 15 Prozent vom Hoch, bei minus 25 Prozent und bei minus 35 Prozent entschieden habe. Bei den ersten zwei Marken habe ich nachgekauft. Die dritte, minus 35 Prozent, wurde am vergangenen Montag im S&P 500, nur für wenige Minuten erreicht. Dann erholten sich die Kurse rasant. Schauen wir mal, ob es dabei bleibt. Fallen sie erneut, dann kaufe ich wieder bei minus 35 Prozent nach.

Disclaimer: Christian Thiel ist wikifolio-Trader und betreut als  sparstrumpf das wikifolio  Global Champions . Darüber hinaus betreibt er den Blog „Großmutters Sparstrumpf“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seines wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. Der Inhalt stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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