DAX – Unruhe durch US-Arbeitsmarktdaten



16:41 06.04.20

Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche erneut geschwankt und dabei in weiten Teilen nachgegeben. Nachdem sich die Anleger zu Beginn der Handelswoche noch etwas optimistischer gezeigt hatten, gewannen im weiteren Verlauf die Sorgen über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie wieder die Oberhand. Hierzu trugen neben den steigenden Infiziertenzahlen in erster Linie Daten vom US-Arbeitsmarkt bei. Die wöchentlichen Zahlen fielen dabei nach allgemeiner Beurteilung katastrophal aus, auch der monatliche Arbeitsmarktbericht war sehr schwach. Dabei war der Stichtag für diesen der 12. März, womit die jüngsten sehr schlechten Daten noch gar nicht enthalten waren. Umso düsterer sind die Erwartungen an den kommenden Monatsbericht. Die Rücknahme von Jahresprognosen durch immer mehr Unternehmen trug das ihre zur Unsicherheit der Anleger bei.


Wir stellen den Kommentar von Robert Ertl, Börse München vor..


Heftiges Auf und ab


Der Deutsche Aktienindex (Dax) sank im Wochenvergleich um 1,1 Prozent auf 9.525,77 Punkte. Mit weitem Abstand größte Wochenverlierer waren einmal mehr die Titel von MTU Aero Engines, die auf Wochensicht über ein Viertel ihres Wertes einbüßten. Seit Beginn der Corona-Krise haben die Papiere des Triebwerkherstellers damit um fast 60 Prozent nachgegeben. Der MDax reduzierte sich im Wochenvergleich um 1,3 Prozent auf 20.345,74 Zähler. Gegen den allgemeinen Trend legte der Indexwert Hellofresh deutlich zu. Der Lieferant von Kochboxen gilt als einer der Profiteure der aktuellen Krise. Der TecDax verbesserte sich um 2,2 Prozent auf 2.561,99 Punkte. Der m:access All-Share legte um ebenfalls 2,2 Prozent auf 2.209,17 Zähler zu. Hier trieb unter anderem der Kurssprung bei Northern Data, der Kurs des Bitcoin-Unternehmens gewann auf Wochensicht über 80 Prozent.


Überschaubare Kursschwankungen bei deutschen Anleihen


An den deutschen Anleihemärkten haben sich in der vergangenen Woche die Kursschwankungen fortgesetzt, auf Wochensicht waren die Veränderungen aber letztlich überschaubar. Während schwache Wirtschaftsdaten vor allem aus den USA und Europa die Sorgen vor den Auswirkungen der Corona-Krise befeuerten, ließen einige positiv ausgefallene Daten aus China die Anleger zeitweise optimistischer werden – letzteres brachte wiederum die Bundespapiere unter Druck. Im Wochenvergleich stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von -0,48 auf -0,45 Prozent. Die Umlaufrendite ging dagegen leicht von -0,44 auf -0,45 Prozent zurück.




US-Märkte mit moderate(re)n Verlusten


Die US-Aktienbörsen haben die durch die Arbeitsmarktzahlen verstärkten Rezessionssorgen in der vergangenen Woche zu merklichen Verlusten geführt, wenn die Ausschläge auch bei weitem nicht so extrem waren wie zuletzt beobachtet. Stärker als hierzulande spielte der schwankende Ölpreis eine Rolle an den Märkten. Der Dow-Jones-Index sank im Wochenvergleich um 2,7 Prozent auf 21.052,53 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab um 2,1 Prozent auf 2.488,65 Zähler nach. Der technologielastige Nasdaq-100-Index ging um 0,8 Prozent auf 7.528,11 Punkte zurück.


Stimmung – Ist das Schlimmste vorbei?


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Genau wie unseren Alltag wird die Corona-Pandemie in der aktuellen, verkürzten Handelswoche auch das Geschehen an den deutschen Aktienbörsen weiter maßgeblich bestimmen. Dabei rechnen praktisch alle Beobachter mit anhaltenden Marktschwankungen, in Hinblick auf die prognostizierte Wochenbilanz gehen die Meinungen aber auseinander. Etliche Analysten rechnen mit tendenziell weiter sinkenden Kursen und verweisen vor allem auf die sich zuspitzende Lage in den USA sowie darauf, dass derzeit niemand seriös sagen könne, wie erheblich und anhaltend die Folgen der Krise sein werden. Etwas optimistischer Gesinnte hoffen dagegen, dass zumindest mit Blick auf die Anlegerstimmung das Schlimmste vorbei sein könnte..

Die entscheidenden Impulse für die Stimmung dürften einerseits natürlich von den Daten zum weiteren Pandemie-Verlauf wie den Infiziertenzahlen und den geplanten Gegenmaßnahmen kommen, andererseits könnten Konjunkturdaten wieder verstärkt ins Blickfeld rücken. Hier zumindest die, in denen Krisenfolgen zumindest teilweise bereits enthalten sind. Dies gilt hierzulande vor allem für die Auftragseingänge in der Industrie, aus den USA dürfte neben den wöchentlichen Neuanträgen auf Arbeitslosenhilfe das Verbrauchervertrauen für Aufmerksamkeit sorgen. Daneben dürften die Investoren genau darauf achten, was es von politischer Seite zu geplanten gemeinsamen Maßnahmen der EU und den von einigen Staaten ins Spiel gebrachten sogenannten Corona-Bonds zu hören gibt. Denn zunehmend mehr Marktteilnehmer sorgen sich, dass zu den Folgen der Pandemie eine zweite Eurokrise gehören könnte. Von Seite der Unternehmen dürften die wichtigsten Nachrichten die zu zurückgenommenen Prognosen oder Überlegungen, Dividenden zu kürzen oder zu streichen, sein. Ein Auge werden die Anleger daneben auf die Entwicklung beim Öl haben. Dessen schwankender und zeitweise stark nachgebender Preis hatte zuletzt etliche ölproduzierende Staaten und Industrien unter Druck gesetzt. In den kommenden Tagen erhoffen sich Beobachter von einer geplanten Videokonferenz der Opec-Plus-Länder etwas mehr Klarheit über die weitere Entwicklung.
Quelle: Börse München => Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


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Über den Autor
 
Autor: Feingold-Research Feingold-Research
Die beiden ehemaligen FTD- und Börse Online-Redakteure Benjamin Feingold und Daniel Saurenz haben zusammen das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort stellen die beiden Kapitalmarktexperten und Journalisten ihre Marktmeinung, Perspektiven und Strategien inklusive konkrete Produktempfehlungen vor. In zwei Musterdepots werden die eigenen Strategien mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert (feingold-research.com).

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