Wie Finanzmodelle den Bitcoin-Preis nach der Halbierung verändern könnten



21:07 06.04.20

Tobias A. Huber ist Forscher am Institut für Management, Technologie und Wirtschaft der ETH Zürich in der Schweiz.

 

Alle vier Jahre halbiert das Bitcoin-Protokoll die Blockbelohnungen, diese erhalten die Miner dann, wenn sie einen sogenannten "Block" von Transaktionen zur Blockchain beitragen. Derzeit beträgt die Belohnung 12,5 Bitcoins pro Block. Die nächste Halbierung wird ziemlich bald und zwar im Mai 2020 erfolgen.

 

Die in das Protokoll zur Kontrolle der Inflation von Bitcoin (BTC) integrierten Halbierungen, fielen in den vergangenen Jahren mit massiven Preisbewegungen zusammen. Nach der ersten Halbierung im November 2012 stieg der Bitcoin-Preis von 12 USD auf über 650 USD. Nach der zweiten Halbierung im Juli 2016 stieg der Preis Ende 2017 auf fast 20.000 USD.

Während es natürlich ungewiss ist, ob die nächste Halbierung die Preisentwicklung nach oben hin beschleunigen wird, schienen die Halbierungen der vorherigen Hype-Zyklen von Bitcoin genau dies erreicht zu haben. Natürlich hat die nächste Halbierung eine intensive Debatte ausgelöst, ob sie bereits eingepreist ist oder nicht.

 

Ein beliebtes Modell, das in diesen Debatten häufig erwähnt wird, ist das Stock-to-Flow-Modell. Der Bitcoin-Preis wird anhand des sogenannten "Stock-to-Flow-Verhältnisses" modelliert, das ursprünglich zur Bewertung von Gold und anderen Rohstoffen verwendet wurde. Indem das Modell die "Aktie" - d.h. die ausgegebene Menge - mit dem "Flow" - d.h. der jährlich ausgegebenen Menge - in Beziehung setzt, leitet es eine Vorhersage eines Bitcoin-Preises nach der Halbierung von 55.000 bis 100.000 USD ab (was einer Marktkapitalisierung von mehr als 1 Billion USD entsprechen würde).

 



Es ist daher nicht weiter überraschend, dass das Stock-to-Flow-Modell nach seiner Veröffentlichung im März 2019 einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Verschiedene Versuche, das Modell zu fälschen, wurden gestartet, und für Bitcoin-Fans aus aller Welt war dies nur eine weitere Motivation.

 

Nach der Efficient Market Hypothesis (EMH) enthalten die Preise nur noch neue Informationen. Es wird davon ausgegangen, dass der Markt schnell genug ist und auf einen ausgeglichenen Preis reagiert, der alle externen oder sogenannten exogenen Informationen korrekt widerspiegelt. Alle marktinternen oder endogenen Prozesse wiederum spiegeln sich bereits in den Preisen wider. Aus dieser Sicht können nur exogene Inputs - beispielsweise ein Exchange Hack, eine Ankündigung der Zentralbank oder ein geopolitisches Ereignis - die Erwartungen und Preise der Anleger ändern. Folglich resultieren extreme Ereignisse wie Blasen oder Abstürze einfach aus exogenen Nachrichten, die noch nicht in die Preise einbezogen wurden.

 

Für Befürworter der EMH stellt der im Protokoll kodierte und seit Beginn des Netzwerks bekannte Bitcoin-Lieferplan endogene Informationen dar und sollte dementsprechend bereits eingepreist sein. Und höchstwahrscheinlich haben dies die anspruchsvollsten Marktteilnehmer wie Market Maker getan. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Halbierung vollständig eingepreist ist. Bitcoin selbst wird übrigens immer häufiger als Zahlungsmittel im Internet genutzt. Unterschiedlichste Güter und Dienstleistungen können bereits damit erworben werden, zu ihnen zählt sogar ein Bitcoin Casino.

 

Es gibt stichhaltige Beweise dafür, dass sich die Preise im Vergleich zu den Erwartungen an die EMH zu stark bewegen. Untersuchungen zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Preisbewegungen durch relevante Pressemitteilungen erklärt werden kann. Solche Ergebnisse legen nahe, dass die Preisdynamik hauptsächlich durch endogene positive Rückkopplungsmechanismen zwischen den Erwartungen der Anleger und den Preisen bestimmt wird - ein Phänomen, das George Soros als "Marktreflexivität" bezeichnet hat.

 

Unabhängig davon, ob das Stock-to-Flow-Modell gültig ist oder nicht, ob man an die EMH glaubt oder einen epischen Bitcoin-Boom erwartet, die eine Hyperbitcoinisierung auslösen würde, wird unserer Meinung nach in diesen Debatten häufig die grundsätzlich reflexive Natur des Finanzwesens unterschätzt, die Märkte.

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