Sinkende Goldnachfrage trotz Rekordzuflüssen in ETF-Produkte



16:09 06.08.20

Die weltweite Goldnachfrage sank im zweiten Quartal um 11% zum Vorjahr auf 1.015 Tonnen. Der weltweite Shutdown war im zweiten Quartal wieder der stärkste Einflussfaktor auf den Goldmarkt. Die stark eingebrochene Verbrauchsnachfrage wurde durch gestiegene Investitionen in ETF-Produkte ausgeglichen. Die weltweiten Interventionen der Zentralbanken und Regierungen in Form massiver Liquiditätsspritzen und Fiskalprogrammen als Antwort auf die selbst zugefügten Wunden der Shutdowns, führten zu einem Rekordzufluss von 734 Tonnen in goldbesicherte ETFs. Dadurch konnte der Goldpreis in der ersten Jahreshälfte in US-Dollar um 17% zulegen (+30% ytd) und auch in vielen weiteren Währungen neue Rekordhochs erreichen.

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2020/08/2020.07.31-01-total-gold-demand-1024x576.pngIn Q2 sank die weltweite Goldnachfrage um 11% zum Vorjahresquartal

Aufgrund des Shutdowns hatte sich die weltweite Schmucknachfrage im ersten Halbjahr fast halbiert und fiel im Jahresvergleich um 46% auf einen neuen Tiefststand von 572 Tonnen. Die Nachfrage im 2. Quartal erreichte ein Rekordtief von 251 Tonnen (-53% im Jahresvergleich), da Verbraucher weltweit auf ein eingeschränktes Angebot trafen und die Konjunkturabschwächung zu spüren bekamen. Der chinesische Goldmarkt war der erste, der aus dem Lockdown herauskam und so auch als einziger eine Erholung der Nachfrage zum extrem schwachen ersten Quartal vorweisen kann. In Indien sank die Schmucknachfrage in Q2 hingegen um 74% zum Vorjahresquartal auf nur noch 44 Tonnen.

Auch das zweite Quartal belastete die Schmucknachfrage, da durch die Shutdowns viele Märkte geschlossen waren. Zudem erlitten Verbraucher Einkommenseinbußen als Folge des wirtschaftlichen Abschwungs, während der Goldpreis immer höher anstieg, weshalb Gold weniger erschwinglich war und die Nachfrage abnahm. Insgesamt war die Schmucknachfrage im ersten Halbjahr mit 572 Tonnen etwa halb so hoch wie der 10-Jahres-Durchschnitt von 1.106 Tonnen.

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2020/08/2020.07.31-02-Schmucknachfrage-1024x575.pngIn Q2 sank die Schmucknachfrage um 53%

Die Shutdowns und der daraus resultierende Wirtschaftseinbruch hatten natürlich auch einen negativen Einfluss auf die industrielle Nachfrage. Im Elektroniksektor gab es einen starken Nachfragerückgang im zweiten Quartal um 14 % zum Vorjahr auf 55,6 Tonnen. Die Nachfrage nach Gold, das in anderen Technologieanwendungen verwendet wird, sank im Jahresvergleich um 33 % auf 8,4 Tonnen. Da auch viele Ärzte nicht praktizieren durften, sank selbst die Nachfrage im Dentalbereich um 30% im Jahresvergleich auf nur noch 2,6 Tonnen. Zum ersten Mal war diese Nachfragekomponente in einem Quartal unter 3 Tonnen gefallen. In der ersten Hälfte des Jahres 2019 sank der technologische Goldverbrauch insgesamt um 13% auf 134 Tonnen und allein im zweiten Quartal um 18% auf 66,6 Tonnen zum Vorjahr.

Für die zweite Jahreshälfte rechnet man mit einer deutlichen Erholung des Sektors, da Elektronik-Fertigungszentren die Produktion wieder aufnehmen. Der Schock der Krise ist jedoch nach wie vor weitreichend und historisch beispiellos, sodass die Prognosen in den kommenden Wochen und Monaten unter großer Unsicherheit erfolgen.

Während die Schmucknachfrage kollabierte, erreichte die weltweite Investmentnachfrage im 1. Halbjahr mit einem Rekordwert von 60 Milliarden US-Dollar ein Allzeithoch von 1.130 Tonnen. Die Bestände der goldgedeckten ETF-Produkte erreichten Ende Juni einen Rekordstand von 3.621 Tonnen und stieg allein im zweiten Quartal um 434 Tonnen an, während es im Vorjahresquartal gerade einmal Zuflüsse in Höhe von 76 Tonnen gab. Als die Regierungen mit ihren Shutdowns die Weltwirtschaft verwüsteten und als Reaktion darauf die Geldmengen nahezu verdoppelten, was zu einer Abwertung der Währungen führen wird, flohen Investoren und Sparer in den sicheren Hafen des Goldes.

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2020/08/2020.07.31-03-etf-zu-und-abfluesse-1024x576.pngIm ersten Halbjahr gab es Rekordzuflüsse in goldgedeckte ETF-Produkte

Investitionen in Barren und Münzen sanken gegenüber dem Vorjahr um 17% auf 396 Tonnen, da mit dem Shutdown die Lieferketten und so die Versorgung zusammenbrach, weshalb die Gelder in ETF-Produkte und Gold-Futures flossen. Zum Vorjahresquartal entsprach der Rückgang der Barren- und Münzennachfrage sogar 32% (148 Tonnen). Der Wert der Nachfrage nach Barren und -Münzen stieg im ersten Halbjahr jedoch im Jahresvergleich um 4% auf 20,8 Mrd. US-Dollar an, was dem weitaus höheren Goldpreis im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 widerspiegelt.



https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2020/08/2020.07.31-04-barren-muenzen-1024x575.pngDie Nachfrage nach Münzen und Barren sank, da die Lieferketten zusammenbrachen und weniger Ware produziert werden konnte

Die Zentralbanken kauften im 1. Halbjahr nur 233 Tonnen (-39% zum Vorjahr) hinzu was weniger war als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. 2020 werden weniger Notenbanken ihre Reserven aufstocken, da man den Preisanstieg nicht noch zusätzlich stützen will. Dennoch lag die Nachfrage im ersten Halbjahr 2020 nur 6% unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 247,1 Tonnen.

Im Laufe des zweiten Quartals erhöhten immerhin sechs Zentralbanken ihre Goldreserven um eine Tonne oder mehr. Dies steht im Vergleich zu durchschnittlich neun in den letzten zwölf Quartalen. Die Türkei blieb mit Abstand der größte Goldkäufer, deren Goldreserven um 97,8 Tonnen anwuchsen, was 85% der vierteljährlichen weltweiten Gesamtmenge ausmachte und ihre Goldreserven auf 583 Tonnen anwachsen ließ. Die anderen Käufer waren Ecuador (7,5 Tonnen), Indien (4,7 Tonnen), Usbekistan (4,7 Tonnen) und die Tschechische Republik (1,2 Tonnen).

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2020/08/2020.07.31-05-central-bank-demand-1024x575.pngDie Zentralbankkäufe sanken auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren

Nicht nur die Nachfrage war im ersten Halbjahr rückläufig, sondern auch das Gesamtangebot ging aufgrund der Shutdowns um 6% zurück. Das Angebot im ersten Halbjahr sank um 6% auf 2.192 Tonnen, wobei die Minenproduktion im ersten Halbjahr um 5% auf 1.604 Tonnen sank. Dies war die niedrigste Produktion seit 2014, wobei auch das Recycling im Jahresvergleich ähnlich stark auf 590 Tonnen zurückging. Das Gesamtangebot fiel im 2. Quartal im Jahresvergleich um 15%, angeführt von einem Rückgang der Minenproduktion um 10 %, da viele aufgrund der Shutdowns den Betrieb einstellen mussten.

https://www.miningscout.de/wp-content/uploads/2020/08/2020.07.31-06-world-gold-supply-1024x576.pngDas Angebot sank im zweiten Quartal um 15% aufgrund der Shutdowns und Minenschließungen

 

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