Marktstimmung: "Rollentausch mit Folgen"



09:05 24.09.20

Aktien-kaufende institutionelle Anleger und abwandernde internationale Investoren verheißen nach Ansicht von Joachim Goldberg nichts Gutes.

Zusammenfassung

Der DAX fällt 450 Punkte und die hiesigen Anleger steigen ein. Zumindest die professionellen, von denen 11 Prozent seit vergangenem Mittwoch deutsche Bluechips gekauft haben. Allerdings vor allem von Anlegern, die zuvor an der Seitenlinie standen. Joachim Goldberg sieht darin weniger eine Reaktion auf schlechte Nachrichten denn die Wahrnehmung einer günstigen Kaufgelegenheit. Anders die privaten Anleger, von denen 8 Prozent auf die Short-Seite gewechselt sind.

Unterm Strich bedeutet der Sentiment-Index der gewichtigeren Profis bei +8 Punkten in der relativen Betrachtung in den Augen des Verhaltensökonoms Bedrängnis für den Markt. Bei fallenden Preisen fehlten die Käufer. Außerdem deutet der fallende Euro auf eine Abwanderung langfristigen Kapitals aus dem Ausland.

23. September 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es hatte sich bereits in der vergangenen Woche angedeutet, dass die Aktienmärkte sowohl hierzulande als auch in den USA einem neuerlichen Abverkauf weniger Nachfrage entgegenzusetzen hätten. Vor allem der DAX musste seit unserer vergangenen Erhebung bereits zum zweiten Mal in diesem Monat einen Rückschlag von mehr als 5 Prozent innerhalb von zwei Handelstagen hinnehmen. Während die erste Korrektur von Anfang September noch vielerorts willkommen war, trifft dies nicht unbedingt auf den zweiten Rücksetzer zu. Zwar gab es genügend Gründe für fallende Aktienkurse, aber jeder für sich genommen hat in der Vergangenheit manchmal sogar nur für Achselzucken gesorgt. Vielleicht war es auch nur die Mischung mehrerer negativer Komponenten, die vor allem am Montag bei den Anlegern für Unwohlsein gesorgt haben mag. Seien es nun die Covid-19-Nachrichten, enttäuschte Investoren, die sich von der US-Notenbanksitzung in der vergangenen Woche (noch) mehr Taubenhaftes erwartet hatten, das immer noch nicht verabschiedete Stimulus-Paket in den USA oder der Streit zwischen den USA und China um die Kurzvideo-Plattform TikTok – die daraus resultierenden Ängste haben sich besonders beim DAX bemerkbar gemacht.

In die Schwäche gekauft



Allerdings haben sich die von uns wöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren von diesen Ängsten per Saldo nicht anstecken lassen. Im Gegenteil: Man zeigt sich nun noch einmal deutlich optimistischer, denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche um 9 Punkte auf einen Stand von +8, dem höchsten Niveau seit dem 18. März dieses Jahres, gestiegen. Dabei handelt es sich bei den neuen Optimisten überwiegend nicht um ehemalige Pessimisten, sondern zu mehr als 80 Prozent um ehemals seitwärts eingestellte Akteure. Diese sind offenbar davon ausgegangen, dass auch die jüngste Abwärtskorrektur nur ein vorübergehendes Phänomen sei. Vielleicht auch, weil die DAX-Schwäche (stichtagsbezogen ging es immer noch um einen Wochenverlust von 3,4 Prozent) als ungerechtfertigt wahrgenommen wurde.

Optimismus der Privatanleger verflogen

Quasi die Rollen getauscht mit den institutionellen Pendants haben die Privatanleger. Konnten wir in der vergangenen Woche in diesem Panel Optimismus feststellen, ist dieser gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index verschwunden: Wir notieren einen Rückgang von 10 Punkten auf einen neuen Stand von -1. Dabei rekrutieren sich die neuen Pessimisten zu rund drei Vierteln aus der Gruppe vormals neutral eingestellter Marktteilnehmer. Ganz im Gegensatz zu den institutionellen Investoren misst man den Risiken für die Aktienmärkte anscheinend wesentlich mehr Bedeutung bei. Jedenfalls ist der Appetit, auf einen neuerlichen Anstieg des DAX zu setzen, relativ verhalten – die Zahl der Optimisten hat sogar ein wenig abgenommen.

Verschlechterte Nachfragesituation

Damit bleibt die Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Anlegern zwar fast unverändert, aber die Panels haben fast in identischem Maße ihre Rollen und Positionen aus der Vorwoche getauscht. Man könnte auch sagen, dass die vormals optimistischen Privatanleger ihre Aktienbestände an die Institutionellen weitergereicht haben. Dies macht sich insbesondere in der Sentiment-Betrachtung auf Sicht von sechs Monaten bemerkbar. Hier zeigt sich, dass der relative Optimismus bei unserer Befragung in der vergangenen Woche für beide Gruppierungen noch etwa gleich hoch war. Nach dieser Lesart sind die Privatanleger zwar immer noch leicht optimistisch, aber der relativ deutliche Optimismus bei den institutionellen Investoren – er ist so hoch wie zuletzt Anfang März dieses Jahres – stellt für den DAX eine Belastung dar. Nicht nur, weil auf höherem Niveau (möglicherweise zwischen 13.050 und 13.100 Zählern) Abgaben aus Gewinnmitnahmen drohen. Im Falle erneuter Kursrückgänge fehlen naturgemäß durch die jüngsten Käufe Nachfrager, die dem DAX normalerweise eine Stütze wären. Auch könnte der zuletzt schwächelnde Euro ein Indiz dafür sein, dass überdies, wie bereits in den vergangenen Wochen geschehen, internationale Kapitalabflüsse auf den Aktienmärkten der Eurozone lasten.

23. September 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



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