Machtwechsel im Weißen Haus – In der blauen Welle lauern Gefahren



12:30 21.01.21

Seit der Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia und dem Erfolg der Demokraten ist klar: Die blaue Welle kommt und noch surfen die Anleger darauf, scheinbar ohne der Gefahr bewusst, dass auch diese Welle irgendwann brechen könnte. Während Donald Trump – viele würden endlich sagen – die Bühne verlassen und damit seine Amtszeit in den Mülleimer der Geschichte befördert hat, muss nun der neue Präsident Joe Biden die Herausforderung annehmen, das Land zu heilen und eine tief gespaltene Gesellschaft wieder zusammenzuführen. 

Aber auch die Wall Street hat den Demokraten bereits mit jeder Menge Vorschusslorbeeren versehen und notiert ungeachtet einer immer noch grassierenden Corona-Pandemie auf Rekordniveau. Die blaue Welle dürfte mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf und damit auch Aktienmarkt pumpen als es diesem durch mögliche Steuererhöhungen und eine strengere Regulierung entzogen wird, so die Argumentation der Anleger dahinter. Aber werden Sie Recht behalten?

Erneuerbare Energien stehen zu hoch im Kurs
Die Investoren favorisieren derzeit vor allem die Sektoren, die von Bidens Politik besonders stark profitieren könnten. Im Fokus stehen dabei Aktien von Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energien. Allerdings ist dieses Thema alles andere als neu. In den vergangenen 15 Jahren gab es immer wieder Phasen, in denen neue Technologien im Bereich der regenerativen Energiegewinnung und -speicherung das Interesse der Anleger auf sich zogen. Allerdings war die Hoffnung auf einen nachhaltigen Umschwung in diesem Markt noch nie so hoch wie zum aktuellen Machtwechsel im Weißen Haus. Auch deshalb hat die Börse eine solche Entwicklung im Prinzip bereits seit fast einem Jahr in die Kurse einpreist. 



Spätestens seit der Präsidentschaftswahl im November sind die Bewertungen einer ganzen Reihe von einst unscheinbaren Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien in schwindelerregende Höhen gestiegen, obwohl sie nur geringe oder gar keine Gewinne erwirtschaften. Einige von ihnen reiten lediglich im Windschatten des neuen Trendthemas, andere wiederum haben potenziell lukrative Partnerschaften geschlossen oder profitieren einfach von der Idee einer grünen Wende unter einem Präsidenten Joe Biden. Solch hohe Erwartungen wurden an der Börse bereits häufig enttäuscht und die Anleger eines Besseren belehrt. Als Freifahrtschein für Unternehmen aus diesem Sektor sollten Anleger die Biden-Präsidentschaft in keinem Falle ansehen. 

Technologie-Fans sollten sich warm anziehen  Heiß gelaufen könnten aber in den vergangenen Monaten auch die Aktien einiger großer Technologieunternehmen sein, insbesondere die FAANG-Aktien, also Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google, und hier droht einiges Ungemach aus dem demokratischen Lager. Diejenigen Investoren, die in den vergangenen Jahren darauf konditioniert wurden, dass diese Aktien nur eines tun können – nämlich steigen, und zwar gewaltig – könnten in den kommenden vier Jahren durchaus einen Weckruf erhalten, da die Demokraten diesen teils monopolartigen Strukturen das regulatorische Messer auf die Brust setzen könnten. So dürften diese Bedenken schon in den kommenden Monaten stärker zunehmen. Eine Aufspaltung solcher Unternehmen ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Die Trennung von WhatsApp und Instagram von Facebook oder AWS von Amazon sind nur einige mögliche Beispiele. Dann müssten die Bewertungen an der Börse neu vorgenommen und eventuell ein echter Schockmoment von den Anlegern kurzfristig verdaut werden. 
  Sie sollten die blaue Welle also nicht durch eine allzu rosarote Brille betrachten und sich stets der Risiken bewusst sein, die eine vierjährige Amtszeit von Joe Biden und seiner Vize Kamala Harris mit sich bringen könnte. Erinnert sei nur an die Stahl-Unternehmen, die beim Amtsantritt von Präsident Trump vor vier Jahren von seinen Zöllen auf ausländische Importe hätten profitieren sollen. Diese verloren bis zur Wahl 2020 im Schnitt über die Hälfte ihres Börsenwertes. Anleger sollten also in Betracht ziehen, dass im aktuellen Fall das Gleiche mit den offensichtlichen Favoriten passieren kann. 

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