Aufwärts ohne Ende?!



15:39 21.01.21

Momentum nährt Momentum nährt Momentum

Während die heutige Amtsübergabe in den USA eines der beherrschenden Themen der Medien ist, zeigten sich die Märkte von den politischen Querelen bis zuletzt unbeeindruckt. Gestern konnten die US-Leitindizes erneut zulegen – zwischen +0,4% (Dow Jones) und +1,5% (NASDAQ)! Angst haben die Börsianer vor der heute beginnenden Biden/Harris-Präsidentschaft also nicht. Auch wird sich an einigen wesentlichen Makroeinflüssen zunächst nichts ändern: Die US-Notenbank Fed wird auch künftig Unmengen an frischem Geld drucken und dieses Geld wird weiter fast zwangsläufig seinen Weg an die Märkte finden, um dort „unterstützend“ zu wirken.

Sparen, was ist das?

Darüber hinaus stehen demokratische Regierungen ohnehin im Ruf ausgabefreudiger zu sein als republikanische, was ebenfalls zunächst positiv auf die Märkte wirken dürfte. Generell ist es – von wenigen Ausnahmen abgesehen – schon eine Art Gesetz, dass eine neue Regierung mehr Geld ausgibt als ihre Vorgängerin. Dies ist im Wesentlichen auf zwei Effekte zurückzuführen: Zum einen sind da die ständig zunehmenden Ausgabeverpflichtungen aufgrund von früheren Interventionen, Verträgen und Gesetzen, zum anderen führt die bloße Geldentwertung schon systemisch zu immer höheren Nominalausgaben. Bezieht man die Bundesdefizite allerdings auf das Bruttoinlandsprodukt, dann war die Trump-Regierung gar nicht so verschwenderisch, wie es mitunter zu lesen war – trotz erheblicher Steuersenkungen. Erst die Corona-Pandemie ließ dann ab dem Jahr 2020 jegliche Haushaltsplanung zur Makulatur werden – ein Effekt, der sich auch im Jahr 2021 unter der neuen Regierung zeigen wird.

Auferstanden aus Ruinen …

Während die Geldfluten der Fed mehr oder weniger ungerichtet in die Wirtschaft fließen, kommen die Fiskalstöße der Regierung den dort favorisierten Branchen und Projekten zugute. Schon jetzt gibt es im Westen eine starke Tendenz, die durch Corona und die Corona-Politik schwer in Mitleidenschaft gezogene Wirtschaft entlang politischer Leitlinien wiederaufzubauen. Stichworte sind hier der vom Weltwirtschaftsforum (WEF) propagierte „Great Reset“, der Green New Deal der EU, die „Terra Carta“ von Prinz Charles und nun eben auch das Biden/Harris-Motto: „Build(ing) Back Better“. Allen diesen Initiativen ist der Glaube an die Überlegenheit eine Top-Down-Steuerung der Wirtschaft durch politische Eliten gegenüber einem Bottom-Up-Entwicklungsprozess durch Marktkräfte gemein – oder wie es österreichische Ökonomen wohl nennen würden: Die Anmaßung von Wissen.

Doppelplusgrün

Mit dem heutigen Tag wird nun jedenfalls Realität, was die Märkte bereits seit November antizipieren. Mit dem Wegfall der Trump-Regierung als letztem Hemmschuh auf dem Weg in eine andere Welt können nun große Teile dieser Umgestaltungsagenda praktisch ungebremst umgesetzt werden. Dies gilt besonders, da seit den Georgia-Nachwahlen vom 6. Januar nach dem Weißen Haus auch Senat und Repräsentantenhaus zumindest bis zu den Zwischenwahlen im Jahr 2022 in der Hand der Demokraten sein werden. Entsprechend viel Fantasie steckt derzeit in allen Titeln, die mit der neuen globalen politischen Agenda kompatibel sind, besonders natürlich in allen „grünen“ Aktien.

„Robinhoodisierung“

Dazu kommt ein anderer Effekt, den wir hier schon in der letzten Woche kurz angedeutet haben, und als „Robinhoodisierung“ der Märkte bezeichnen würden. Die US-Plattform „Robinhood“ hat den Aktienmärkten in neues Publikum erschlossen, das vor allem das schnelle Geld sucht. Entsprechend gering geschätzt werden langfristige Perspektiven, während sich das Geld vor allem in den Highflyern von heute nach dem Motto „Die Hausse nährt die Hausse“ konzentriert. Momentum ist bei diesen Marktteilnehmern Trumpf, Value noch nicht einmal eine Überlegung wert. Dass diese Hausse perspektivisch auf wackeligen Beinen steht, kann man sich leicht vorstellen. Denn während einerseits immer größere Bereiche der über Jahrzehnte gewachsenen Wirtschaft im Rahmen der Lockdown-Politik buchstäblich abgeräumt werden, entstehen andererseits Strukturen, deren Hauptwachstumsimpuls der Wille der Politik ist. Dazu kommen massiv aufgeblähte Fiatgeldsysteme, die zu einem immer weiteren Auseinanderklaffen von Realwirtschaft und Kursentwicklung führen.



600 pixels wide image


Wenn Bäume in den Himmel wachsen

Geradezu ein Musterbeispiel für diesen Crack-up-Boom ist die Aktie von Tesla. Das ohnehin teure Papier erhielt durch die Aufnahme in den S&P 500 einen weiteren Aufwärtsschub. Schon Anfang Dezember war die Aktie teurer als die neun nächstgrößten Autokonzerne zusammen. Es ist mehr als fraglich, wie das Unternehmen je in diese Bewertung hineinwachsen soll – selbst mit einem wagemutigen unternehmerischen Genius wie Elon Musk an der Spitze. Im neuen Smart Investor 2/2021, der zum Monatsende erscheint, spüren wir anhand einer aktuellen Studie der nur noch aberwitzig zu nennenden Bewertung nach.

Konzeptunternehmen zu Premiumpreisen

Aberwitzige Bewertungen finden sich allerdings nicht nur rund um die Elektro- oder Wasserstoffmobilität. Sie zeigen sich auch in anderen Lieblingssegmenten der Marktteilnehmer. So haussierten im Zuge des Bitcoin-Anstiegs auch Aktien, die nur entfernt etwas mit Kryptogeldern oder dem Thema Blockchain zu tun haben. Mitunter genügte es, dass reine Konzeptunternehmen versicherten, irgendwann mal irgendwas mit Bitcoin machen wollen. Für eine Vermehrfachung des Kurses reichte das allemal. Auch mit diesem Phänomen werden wir uns in der kommenden Smart Investor Ausgabe 2/2021 noch ausführlicher beschäftigen.

In Ufernähe mitschwimmen

Wie aber soll man sich in einem solchen Markt verhalten, dessen Ende auch gar nicht absehbar ist. Im Prinzip kann man das Spiel aktuell eigentlich nur mitspielen, wohl wissend, dass es schnell vorbei sein kann. Sind die Themen Bewertung und Value nun eigentlich endgültig obsolet geworden, nachdem sie schon über Jahre hinweg underperformten? Wohl kaum. Denn es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob man eine Aktie hält, die so etwas wie einen inneren Wert repräsentiert, oder eben eine, die nur aus heißer Luft besteht. Nach unserer Auffassung sollte in einem solchen Markt das Hauptaugenmerk auf den möglichen Exit gelegt werden. Lassen Sie sich auf keinen Fall von den Blütenträumen dieser schönen neuen Investmentwelt davontragen. Das endete nämlich noch jedes Mal schmerzhaft.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über umfangreiche Käufe für unser Aktien-Musterdepot sowie über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.


Fazit

In diesen verrückten Zeiten spielen natürlich auch die Börsen verrückt. Die Austrians nennen diese finale Party eines Geldsystems Crack-up-Boom, und die sollte man nicht verpassen. Allerdings schadet es nicht, sich dabei in der Nähe der Ausgänge aufzuhalten.

Ralf Flierl, Ralph Malisch
=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=


Attachments:

Alternativ0, (text/plain)

Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
Adidas: Heftiger Einbruch!
Experte: Stefan Hofmann, STOCK-WORLD
Kolumnen
EUR/USD-Chartanalyse ...
Karsten Kagels, (07.03.21)
Experte: Karsten Kagels,
Geld ist ein Produkt des ...
Frank Schäffler, (07.03.21)
Experte: Frank Schäffler,
Anleihen: Notenbanken ...
Redaktion boerse-frankf., Deutsche Börse AG (07.03.21)
Experte: Redaktion boerse-frankfurt.de, Deutsche Börse AG
Blick auf die Märkte
Christian Zoller, www.boerse-daily.de (07.03.21)
Experte: Christian Zoller, www.boerse-daily.de
Fury Gold stößt auf ...
Jörg Schulte, JS-Research (07.03.21)
Experte: Jörg Schulte, JS-Research
Global Payments begibt ...
Börse Stuttgart AG, (07.03.21)
Experte: Börse Stuttgart AG,
Die Kurse der Ölaktien ...
Claus Vogt, (07.03.21)
Experte: Claus Vogt,
JPMorgan – Hier geht’s nicht ...
HypoVereinsbank onema., (06.03.21)
Experte: HypoVereinsbank onemarkets,
Sollten Sie sich beim ...
Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD (06.03.21)
Experte: Stock-World Redaktion, STOCK-WORLD
Nobody expects the Corona ...
Bernd Niquet, Autor (06.03.21)
Experte: Bernd Niquet, Autor
Nasdaq - Korrektur noch ...
Philip Hopf, Hopf Klinkmüller Capital. (05.03.21)
Experte: Philip Hopf, Hopf Klinkmüller Capital Management K.
DAX der grüne Trendkanal
Thomas Heydrich, Systemstradings.de (05.03.21)
Experte: Thomas Heydrich, Systemstradings.de
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Wie Vettels Ferrari-Aus zu einem 90 Millionen-Verlust der Formel-1 an der ...
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen