GOLD WIRD ALS STRATEGISCHE ANLAGEKLASSE IMMER WICHTIGER



15:11 05.03.21

Im Rahmen einer Analyse über die Bedeutung von Gold als strategische Anlageklasse liefert der World Gold Council (WGC) auf insgesamt 18 Seiten wertvolle Informationen und Argumente, warum das gelbe Edelmetall in jedes Portfolio gehört.

Wachsende Bedeutung von Gold

Warum Gold als strategische Anlageklasse anzusehen ist, begründet der WGC unter anderem mit dem Umstand, dass es bei Investoren gefragt ist, als Reservewährung fungiert, als Schmuck dient und im Technologiesektor benötigt wird. Die bei Aktien und Anleihen verbreiteten Bewertungsmodelle könne man aufgrund fehlender Zins- oder Dividendenzahlungen bei Gold allerdings nicht anwenden. Grundsätzlich sehen die WGC-Analysten vier Faktoren, wie Gold ein Portfolio aufwerten kann: Rendite, Diversifikation, Liquidität und Portfolio-Performance. Bei institutionellen Investoren, die häufig auch als „smart money“ eingeordnet werden, sank die Aktienquote der Portfolios seit 1998 von 60 auf 43 Prozent, während sich der Anteil alternativer Investments (inklusive Gold) im selben Zeitraum von sieben auf 26 Prozent vervielfacht hat.

Die in den vergangenen Jahrzehnten zu beobachtende starke Performance des Goldpreises wurde durch fünf strukturelle Entwicklungen begünstigt:

  1. Geldpolitik inklusive der damit verbundenen niedrigen Opportunitätskosten (Zinsverzicht)
  2. Nettokäufe der Notenbanken, um Sicherheit und Diversifikation zu verbessern
  3. Allgemeine Marktrisiken erfordern eine Absicherung
  4. Verbesserter und kostengünstiger Marktzugang dank ETFs
  5. Starkes Wirtschaftswachstum in goldhungrigen Ländern wie China und Indien

Die Performance von Gold kann sich sehen lassen, insbesondere auf lange Sicht. So weist der WGC darauf hin, dass sich das gelbe Edelmetall seit dem Ende des Goldstandards im Jahr 1971 prächtig entwickelt hat und seither eine Rendite von elf Prozent p. a. erzielt hat. Diese entsprach in etwa der Performance von Aktien und übertraf die Wertentwicklung von Anleihen. Gold überzeugte vor allem durch den Umstand, sich sowohl in wirtschaftlich guten als auch in schlechten Zeiten positiv zu entwickeln. Das krisenbewährte Edelmetall stellt eine gute Ergänzung zu Aktien dar und eignet sich als Vermögensschutz sowie als Absicherung gegen systemische Risiken, Währungsschwäche und Inflation. Gold erhöht die risikoadjustierte Rendite eines Portfolios, liefert positive Anlageergebnisse und verbessert in turbulenten Marktphasen die Liquidität. Besonders interessant: In den vergangenen zwei Jahrzehnten erzielte der Goldpreis von insgesamt zwölf erfassten Anlageklassen die drittbeste jährliche Performance und musste sich lediglich Schwellenländer-Aktien und REITs (Immobilien) geschlagen geben.

Bestens bewährt als Inflationsschutz

Gold genießt einen ausgezeichneten Ruf als Inflationsschutz. In den vergangenen 50 Jahren hat der Goldpreis sowohl den US-Konsumentenpreisindex als auch den vom IWF entwickelten Welt-Konsumentenpreisindex übertroffen. Vermögen wurde durch Gold nicht nur bewahrt, sondern vermehrt. Zudem entwickelte es sich in Zeiten hoher Inflation überdurchschnittlich positiv. Besonders interessant: Auch in deflationären Marktphasen war Gold aufgrund der gestiegenen Verunsicherung gefragt und erzielte gegenüber Rohstoffen eine markante Outperformance. Gegenüber den wichtigsten ungedeckten Fiat-Währungen fiel die Outperformance von Gold besonders stark ins Gewicht. Deren Kaufkraft – gemessen in Feinunzen Gold – ist seit dem Jahr 2002 zwischen 73 Prozent (Schweizer Franken) und 87 Prozent (Britisches Pfund) regelrecht erodiert. Der Grund liegt auf der Hand: In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich die Geldmenge um ein Vielfaches stärker erhöht als die Goldmenge. Letztere wuchs in den vergangenen 20 Jahren pro Jahr um ungefähr 1,4 Prozent. Der Goldpreis korrelierte sehr stark mit der US-Geldmenge M2 und erzielte ihr gegenüber eine Outperformance.

Gold wird als strategische Anlageklasse immer wichtiger

Diversifikation, die funktioniert

Dass Diversifikation – also die Verteilung des Gesamtvermögens auf mehrere Anlageklassen – Vorteile bringt, gilt mittlerweile als unbestritten. Der World Gold Council weist allerdings darauf hin, dass wirksame Diversifizierer rar sind. Gold erwies sich vor allem in Zeiten hoher Systemrisiken als robust und lieferte dank seiner negativen Korrelation insbesondere gegenüber Aktien positive Renditen. Dadurch wurden die Verluste eines Portfolios begrenzt. Ein weiterer Vorteil von Gold besteht auch darin, dass sich das gelbe Edelmetall schnell und einfach zu Geld machen lässt. Zum Vergleich: In Crash-Phasen lassen sich Aktien aufgrund des enormen Verkaufsdrucks häufig gar nicht oder nur zu „falschen“ bzw. zu niedrigen Preisen verkaufen.



In der Vergangenheit hat sich Gold aber auch während positiver Finanzmarktphasen gut entwickelt, weil es nämlich nicht nur von Investoren, sondern auch von Konsumenten nachgefragt wird. Auf lange Sicht profitiert das gelbe Edelmetall von Einkommenszuwächsen breiter Bevölkerungsschichten. Mit wachsendem Wohlstand kann sowohl die Nachfrage der Konsumenten (Schmuck) als auch das Schutzbedürfnis verunsicherter Investoren zu verstärkten Goldkäufen führen; schließlich entsteht dann häufig der Wunsch nach Inflations- bzw. Vermögensschutz.

Liquidität kann sich sehen lassen

Der Goldmarkt kann auch durch seine Größe und Liquidität punkten. So taxiert der World Gold Council die physischen Goldbestände von Investoren und Notenbanken auf 4,8 Billionen Dollar und Gold-Derivate wie Futures & Optionen auf 1,1 Billionen Dollar. Außerdem werden an den Goldmärkten pro Tag ungefähr 183 Milliarden Dollar umgesetzt. Verglichen damit fallen die Tagesumsätze diverser anderer Marktsegmente wie zum Beispiel Dow-Jones-Aktien (55,0 Milliarden Dollar), britische Staatsanleihen (44,0 Milliarden Dollar), US-Unternehmensanleihen (38,0 Milliarden Dollar) sowie deutsche Bundesanleihen (27,5 Milliarden Dollar) deutlich niedriger aus. Ungefähr zwei Prozent des globalen Goldhandels läuft über Gold-ETFs, während 38 Prozent an Goldbörsen abgewickelt wird. Der Löwenanteil der Goldumsätze erfolgt mit 60 Prozent im außerbörslichen Handel (OTC: over the counter). Aufgrund seiner Größe, Liquidität und der verschiedenen Nachfragequellen fällt die Kursschwankungsintensität (Volatilität) in der Regel niedriger als bei vielen anderen Anlagealternativen wie Aktienindizes oder Rohstoffen aus.

Sämtliche zuvor genannten Vorzüge von Gold können die Performance eines Portfolios bereichern. Im Rahmen einer hauseigenen Analyse des WGC führte zum Beispiel die Beimischung von Gold in einer Größenordnung von 2,5 Prozent, fünf Prozent bzw. zehn Prozent zu geringeren Rückschlägen des Portfoliovermögens (drawdowns) und einer verbesserten risikobereinigten Rendite. Das Dimensionieren einer „optimalen Goldmenge“ hängt allerdings von individuellen Faktoren wie der Portfolio-Volatilität sowie der Liquidität und der Konzentration einzelner Vermögenswerte ab.

Gold wird als strategische Anlageklasse immer wichtiger

Wir von pro aurum haben diesbezüglich eine klare Hausmeinung: Gold gehört mit bis zu 20 Prozent des liquiden Vermögens in jedes Portfolio.

Weitere Informationen (in Englisch) zum Thema „Gold als strategische Anlageklasse“ finden Sie hier.

 

Bildrechte: iStock.com/baona

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Über den Autor
 
Autor: Benjamin Summa Benjamin Summa,
pro aurum

Benjamin Summa ist seit dem 1. Juli 2011 Unternehmenssprecher beim Münchner Edelmetallhandelshaus pro aurum. In dieser Position berichtet er direkt an die Geschäftsführer Robert Hartmann und Mirko Schmidt. Benjamin Summa verantwortet die interne und externe Kommunikation. Zuvor war er Wirtschafts-Redakteur beim Axel Springer Finanzen Verlag.

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