Purps‘ Impressionen: EZB – Ein Schritt zurück, um auf der Stelle zu bleiben



07:50 23.10.21

„Ein Tapering als Auftakt zu einem längeren geldpolitischen Normalisierungsprozess erwarten wir seitens der europäischen Notenbank frühestens Anfang kommenden Jahres.“

Die Coronavirus-Pandemie scheint sich allmählich abzuschwächen, die Volkswirtschaften befinden sich inmitten einer Erholungskonjunktur und der Inflationsdruck ist nicht zuletzt wegen stark gestiegener Rohstoffpreise so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr. Zeit für einige Zentralbanken, ihre zu Beginn der Pandemie extrem gelockerte geldpolitische Ausrichtung zurückzufahren. Die amerikanische Federal Reserve, kurz Fed, dürfte noch vor Ende des Jahres damit beginnen, den Umfang ihrer Wertpapierkäufe schrittweise zu drosseln. Diesen, im Fachjargon als „Tapering“ bezeichneten Prozess, haben die Notenbanken beispielsweise in Kanada, Neuseeland und Australien bereits vor einiger Zeit angestoßen. In zahlreichen anderen Ländern, von Südkorea bis Mexiko, von Ungarn bis Tschechien, von Norwegen bis Island, wurden mittlerweile die Leitzinsen sogar wieder angehoben.

Auf den ersten Blick scheint sich die Europäische Zentralbank im zurückliegenden September diesem globalen Trend angeschlossen zu haben. Nach ihrer letzten Ratssitzung hieß es, die Notenbank würde im vierten Quartal den Umfang ihrer Wertpapierkäufe im Vergleich zu den beiden Vorquartalen „moderat reduzieren“. Hört sich an wie Tapering, ist aber kein Tapering. Die EZB strebt auf dem Weg zu ihrem Inflationsziel an, innerhalb der Eurozone „günstige Finanzierungsbedingungen“ aufrechtzuerhalten. Die Finanzierungsbedingungen schätzt die Notenbank mithilfe einer Vielzahl von Maßgrößen ab. Eine wesentliche Kennzahl dabei ist der Realzins. Die EZB schaut hierfür auf den um die marktbasierten Inflationserwartungen bereinigten Overnight-Index-Swapsatz mit 10 Jahren Laufzeit. Dieser Realzins war im dritten Quartal um satte 30 Basispunkte zurückgegangen, die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone wurden ausweislich dieser Kennzahl mithin „günstiger“. Die EZB erkannte daraufhin die Möglichkeit, „günstige“ Finanzierungsbedingungen auch mit einem geringeren Volumen an Wertpapierkäufen aufrechtzuerhalten.

Die „moderate Reduktion“ der Wertpapierkäufe dient also dazu, die geldpolitische Unterstützung für die Volkswirtschaft vor dem Hintergrund günstigerer Finanzierungsbedingungen unverändert zu lassen. Die Notenbank trat bildlich gesprochen einen Schritt zurück, um bei einem sich bewegenden Untergrund auf der Stelle zu bleiben. Ein Tapering ist das nicht. Ein Tapering als Auftakt zu einem längeren geldpolitischen Normalisierungsprozess erwarten wir seitens der europäischen Notenbank frühestens Anfang kommenden Jahres. Und bis die EZB ihren Einlagesatz anhebt, wird es voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern.

Autor: Kornelius Purps, Fixed Income Strategist UniCredit Bank AG, München



Bildnachweis: UniCredit Bank AG

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