Wochenausblick: Aufatmen nach Omikron-Schock



13:57 29.11.21

Nach dem heftigen Kursrutsch vergangene Woche wird für die neue Woche mit einer Gegenbewegung gerechnet. Doch die Unsicherheit bleibt hoch. Auch ohne die neue Virusvariante sind wieder Lockdowns möglich. Ab heute kann auf dem Frankfurter Parkett bis 22 Uhr gehandelt werden.


29. November 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Black Friday war auch an der Börsen ein Ausverkaufstag: Um satte 4,15 Prozent sackte der DAX ab auf 15.257 Punkte. Am Montagmorgen sieht es erst einmal nach einer kleinen Erholung aus, zu Handelsbeginn steht der Index bei 15.295 Punkten. „Es wurden bisher keine schweren Krankheitsverläufe unter der Omikron-Variante bekannt, und bestehende Impfstoffe könnten bei Bedarf wohl schnell an die neue Mutante angepasst werden“, schreibt die Deutsche Bank in „Märkte am Morgen“.

„Rückkehr des Optimismus kann noch dauern“

Doch noch ist unklar, wie gefährlich die neue Virusvariante ist. Ohnehin macht nicht nur Omikron den Märkten zu schaffen. Die Corona-Lage hierzulande ist auch ohne die die neue Variante dramatisch wie nie, neue Lockdowns sind schon im Gespräch. Analysten sehen aber nicht nur schwarz: „Die erste Panikreaktion auf eine neue Variante scheint übertrieben“, meint Christoph Schickentanz von der Commerzbank. Die übliche Gewöhnungsphase an neue Faktoren bringe volatilere Märkte, was Einstiegsgelegenheiten schaffe. „Aktien sind angesichts der Renditeflaute in den anderen Asset-Klassen weiter ‚alternativlos'.“ Allerdings sei die Berichtssaison, die in den letzten Wochen erstaunlich gute Zahlen zu Tage brachte, nun abgeebbt. „Eine Rückkehr des Optimismus kann insofern noch dauern.“

„Die Pandemieentwicklungen hatten an den Finanzmärkten – jenseits der ersten Welle – bisher nur einen eher kurzfristigen Einfluss“, stellt Christian Apelt von der Helaba fest. Das müsse diesmal nicht anders sein. „Allerdings sind die Märkte, vor allem Aktien, nach den kräftigen Kursanstiegen durchaus anfällig für Rückschläge.“

Christian Apelt

Apelt

„Stabilisierung, aber keine Wunderdinge erwarten“

Laut Martin Utschneider von Donner & Reuschel zeigen sich die markttechnischen Indikatoren generell deutlich überverkauft, seitens der Slow-Stochastik gebe es sogar ein kurzfristiges Kaufsignal. Der Trendfolge-Indikator MACD sei nun auch unterhalb der Null-Linie angekommen, er werfe aber noch kein Kauf- beziehungsweise Wendesignal ab. „Das Momentum wird auch heute im negativen Terrain bleiben. Es scheint allerdings auch seinen Boden gefunden zu haben“, erklärt Utschneider.

Nach oben warte die nächste Hürde in Form der strategisch wichtigen 200-Tage-Linie bei aktuell bei 15.393 Punkten. Nach unten bleibe die Marke bei 14.980 Punkten eine sehr wichtige Support-Linie. Insgesamt sei eine Stabilisierung realistisch, „Wunderdinge“ solle man aber für den Wochenauftakt nicht erwarten.



Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 29. November

Neue Handelszeiten: Ab heute können Anleger*innen Aktien, ETFs und ETPs sowie Publikumsfonds an der Börse Frankfurt bis 22 Uhr handeln.

14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise November. Die deutsche Inflationsrate nähert sich ihrem Höhepunkt in diesem Jahr, wie die Helaba feststellt. Im November dürfte sie in nationaler Berechnungsweise auf rund 5 Prozent gestiegen sein. Für die harmonisierte Rate erwarte die Deutsche Bundesbank sogar einen Wert von fast 6 Prozent.

Dienstag, 30. November

9.55 Uhr. Deutschland: Arbeitslosenzahlen November. Der deutsche Arbeitsmarkt verlässt laut Helaba das Corona-Tal. Die Beschäftigung sei in den vergangenen Monaten gestiegen, die Arbeitslosigkeit gesunken. Kurzarbeit dürfte aufgrund der neuen Corona-Restriktionen allerdings zum Jahresende wieder etwas stärker in Anspruch genommen werden. Die Analysten rechnen mit einer Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent.

11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise November. Die Inflation im Euroraum dürfte im November nochmals stark auf 4,6 Prozent gestiegen sein, meint die DekaBank. Die Verbraucherpreise von Benzin, Diesel und Heizöl hätten im Monatsvergleich weiter zugelegt. Für die Kerninflation erwarten die Analysten einen Anstieg auf 2,5 Prozent.

Freitag, 3. Dezember

14.00 Uhr. USA: Arbeitsmarktbericht November. Nach dem erfreulich hohen Beschäftigungsaufbau im Oktober prognostiziert die DekaBank einen ähnlich hohen Anstieg im November.

von: Anna-Maria Borse
29. November 2021, © Deutsche Börse AG


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