Eine Ära geht zu Ende



08:37 07.07.08

„…recht spät an jenem schicksalhaften Tag im Juni 1983 stiegen Duncan und ich an der Madison Avenue in ein Taxi. Ich trug das Terminal, Duncan die Tastatur und den Bildschirm. Aber es war aussichtslos. Aus für uns unverständlichen Gründen hinderte ein neu aufgetretenes Softwareproblem das Gerät daran anzulaufen. Wir wollten es trotzdem bei Merrill abliefern,…“.

So beschreibt Michael Bloomberg in seiner Autobiographie „Bloomberg über Bloomberg“ den ersten Präsentationstermin mit dem frisch programmierten Terminal, das die Finanzwelt verändern sollte, wie kaum eine andere Innovation zuvor. Obwohl der Computer aufgrund eines Softwareproblems in der Präsentation im Hause Merrill Lynch mehrmals abstürzte, bekam Bloomberg den Auftrag. In seiner ersten Lieferung stellte er 22 Terminals, Tastaturen und Bildschirme zur Verfügung. Und bekam dafür zwei Jahre lang 1.000 Dollar pro Monat für jedes Terminal.

Bloomberg war kurz zuvor von seinem Arbeitgeber Salomon Brothers im Alter von 39 Jahren mit einer Abfindung auf die Straße gesetzt worden und hatte sich zum Ziel gesetzt, Unternehmer zu werden und fortschrittliche Dienstleistungen bzw. technische Hilfsmittel für die Wertpapier- und Investmentbranche anzubieten.

Heute ist Bloomberg mit über 254.000 Installationen der weltweit führende Anbieter von Echtzeit-Daten, Nachrichten und Analysen. Bloomberg hat heute mehr als 10.000 Mitarbeiter, die in mehr als 126 Büros weltweit tätig sind.

Jetzt hat Merrill Lynch angekündigt, sich von Anteilen an der BlackRock Inc. und an der Bloomberg LP trennen zu wollen. Grund sind zu erwartende Wertberichtigungen und die Notwendigkeit weitere 6 Mrd. Dollar an Cash aufzunehmen. So ist angedacht, den 20 %-igen Anteil an der Bloomberg LP für 5 Mrd. Dollar zu verkaufen. Wobei Michael Bloomberg, heute Bürgermeister der Stadt New York, ein Erstkaufsrecht auf die Anteile hat. Was den Verkauf nicht gerade erleichtern wird.

Auch soll der 49 %-ige Anteil an dem Geldhändler BlackRock verkauft werden. Der ist angabegemäß mehr als 12 Mrd. Dollar wert. Allerdings gibt es hier eine bis 2009 geltende Verkaufssperre für den für nur 9,8 Mrd. Dollar eingekauften Anteil.



Merrill Lynch, die bereits mehr als 15 Mrd. Dollar an neuem Kapital aufgenommen haben, müssen also weiterhin wertvolles Tafelsilber verkaufen. Aber nicht nur Merrill Lynch geht das so. Laut einer Studie des Analysten Christoffer Malmer, der 52 europäische Bankaktien untersucht hat, drohen nicht nur weitere Wertberichtigungen und in deren Folge Dividendenausfälle. Die Banken haben darüber hinaus zukünftig einen Kapitalbedarf von 60 bis 90 Milliarden Euro. Insofern hat er in seiner Studie, mit Ausnahme von zwei Banken, alle anderen abgestuft.

Wie dramatisch die Situation ist, zeigt der Merrill Lynch Deal recht deutlich. Die Liaison zwischen Merrill Lynch und Bloomberg ist und war nämlich mehr als nur die zwischen einem normalen Auftraggeber und einem ebenso normalen Auftragnehmer. Beide zusammen haben nämlich eine Finanz- und Erfolgsgeschichte geschrieben. Die vorerst – jedenfalls für einen der beiden Partner – erst einmal für längere Zeit unterbrochen ist.

Und so trennen sich die Wege von Bloomberg und Merrill Lynch. Nur die Terminals werden bleiben. Eine Ära geht zu Ende.

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

Ihr Norbert Lohrke

Bloomberg startete 1981; Globalyze 2004! => Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=




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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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