Nach unserer ersten Empfehlung im Juni 2007 konnte die Aktie des Online-Brokers ihre zwischenzeitlichen Kursgewinne leider nicht verteidigen und wurde im Zuge der Gesamtmarktkonsolidierung aus unserem Langfristdepot ausgestoppt. Gleichzeitig haben sich jedoch die Geschäfte des Berliner Unternehmens erwartungsgemäß positiv entwickelt, so dass sich ein zunehmendes Kurspotenzial auftut.
Turn-around im abgelaufenen Geschäftsjahr
Mit einem Jahresüberschuss von rd. 30 Tsd. Euro (Vorjahr: -87 Tsd. Euro) bei Gesamterträgen von gut 1,2 Mio. Euro (+260 %) ist Trading-house.net im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 (per 30. Juni) der Turn-around gelungen. Damit konnte das Unternehmen sowohl bei den Erträgen als auch beim Ergebnis unsere Prognosen (1,23 Mio. Euro, resp. -100 Tsd. Euro) übertreffen.
Der vergleichsweise geringe Überschuss verdeckt dabei, dass die Gesellschaft nach den in der Vergangenheit getätigten hohen Investitionen, die im 1. Halbjahr noch einen Jahresfehlbetrag von 168 Tsd. Euro verursacht hatten, mittlerweile hoch profitabel arbeitet. Während im 3. Quartal bei stark anziehenden Erlösen unter dem Strich ein Gewinn von 17 Tsd. Euro angefallen ist, lag der Periodenüberschuss zwischen April und Juni bereits bei 184 Tsd. Euro und damit deutlich über unserer Prognose. Im Bezug auf die generierten Umsätze von 545 Tsd. Euro entspricht dies einer Nettorendite von 33,8 %.
Neuer Geschäftsbereich erfolgreich angelaufen
Der starke Erlöszuwachs von 300 % im 4. Quartal wurde zu einem großen Teil im Kerngeschäft Brokerage erwirtschaftet. Nachdem die Gesellschaft seit 2006 den Personalbestand für die Betreuung von Neukunden kontinuierlich aufgestockt hat, zeigen sich nun die Resultate der Expansionsstrategie. So konnte die Zahl der Kundenkonten binnen Jahresfrist um 121 % auf 232 ausgeweitet werden. Gleichzeitig erhöhte sich auch die Handelsaktivität je Konto, so dass die Brokerage-Provisionen auf 440 Tsd. Euro (+249 %) zulegten. Aber auch der im 1. Quartal neu eingeführte Geschäftsbereich Online-Marketing, der sich zunächst vor allem auf die Vermarktung des unternehmenseigenen Portals www.ad-hoc-news.de konzentriert, ist sehr erfolgreich gestartet. Nach Erlösen von 49 Tsd. Euro in den Anfangsmonaten lagen die Einnahmen zwischen April und Juni bereits bei 81 Tsd. Euro.
Portalgeschäft wächst rasant
In den ersten zwei Monaten der laufenden Finanzperiode hat sich die erfolgreiche Entwicklung nahtlos fortgesetzt. Mit einem Erlös von 89 Tsd. Euro wurden bereits fast 70 % der Werbeeinnahmen des gesamten Vorjahres (130 Tsd. Euro in fünf Monaten) verbucht. Trotz der im Sommer traditionell etwas geringeren Marktaktivitäten und der Subprime-Krise hat sich auch im Brokerage-Bereich der positive Trend aus dem Frühjahr fortgesetzt.
Während per Saldo seit Ende Juni weitere 12 Kunden gewonnen werden konnten, lag der durchschnittliche Handelsumsatz bei rund 5,7 Tsd. Euro pro Tag und damit um knapp 100 % über dem Vorjahreswert. Daraus resultierten Segmenteinnahmen von 258 Tsd. Euro. Kumuliert über alle Geschäftsbereiche erlöste Trading-house.net 362 Tsd. Euro (+317 %) und erzielte dabei einen Gewinn von 123 Tsd. Euro. Die Nettomarge konnte damit auf einem sehr hohen Niveau von 33,9 % gehalten werden.
Weitere Impulse dürften im laufenden Jahr auch von der Aufnahme der IPO-Aktivitäten ausgehen. Nach der anstehenden Eintragung ins Handelsregister dürfte die Tochter ipo finance recht zügig erste Transaktionen durchführen, da mittlerweile eine Pipeline von zwei bis drei Mandaten besteht.
Um sich dabei von der Konkurrenz der mittelständischen Investmenthäuser abzugrenzen, erfolgt zunächst eine Fokussierung auf Gesellschaften, die vor allem im Bereich der Internetplattformen hohe Synergien zum Geschäftsbereich von Trading-house.net aufweisen. Durch die Betreuung der Firmen bei der Finanzierung über den Kapitalmarkt soll so gleichzeitig auch ein Netzwerk für den Onlinebereich aufgebaut werden, von dem alle beteiligten Partner profitieren. Mit dem eigenen Börsenportal, das mittlerweile bei der Reichweite mit Ariva.de gleichgezogen hat, kann Trading-house.net den Mandanten eine etablierte und bekannte Plattform anbieten, während diese vor allem neue Features und Inhalte einbringen sollen.
Brokeragegeschäft normalisiert sich
Während die Tochter ipo finance noch im laufenden Jahr erste Erlöse beisteuern sollte, dürfte der Umsatzbeitrag im Brokerage-Bereich etwas geringer ausfallen als von uns zuvor erwartet. Hier hat die Expansionsgeschwindigkeit aktuell etwas nachgelassen, was leicht anhand der von der Gesellschaft auf der Homepage täglich dokumentierten Provisionen verfolgt werden kann. Diese liegen derzeit meist zwischen 4 und 5 Tsd. Euro und damit unter den Spitzenwerten aus dem Frühjahr. Wir sehen in dieser Entwicklung allerdings keine Trendumkehr, sondern eher eine Normalisierung, die auch der vorübergehend deutlich schlechteren Börsenverfassung geschuldet ist.
KGV könnte unter 6 rutschen
Daher nehmen wir unsere ursprüngliche Umsatzschätzung für dieses Geschäftsjahr (2,9 Mio. Euro) leicht zurück und rechnen nun mit Erlösen von 2,5 Mio. Euro. Das entspricht einem Monatsdurchschnitt von gut 200 Tsd. Euro, an den die Gesellschaft auch schon in starken Monaten des letzten Geschäftsjahres heranreichte und der nicht zuletzt mit Blick auf die anlaufenden IPO-Aktivitäten eher konservativ erscheint. Bei einer ebenfalls vorsichtig bemessenen Nettorendite von 25 % ergäbe sich somit ein Jahresgewinn von 0,63 Mio. Euro, woraus ein niedriges KGV 07/08 von nur 7,8 resultiert.
Untermauert wird der Befund der Unterbewertung durch unser Ertragswertmodell: Schreibt man nur den für die laufende Periode erwarteten Jahresgewinn konstant in die Zukunft fort und zinst ihn mit einer jährlichen Renditeforderung von 10 % ab, so erhält man einen fairen Unternehmenswert von 6,3 Mio. Euro knapp 30 % mehr als die derzeitige Marktkapitalisierung.
Fazit
Bei Trading-house.net preist der Markt gegenwärtig einen deutlichen Gewinnrückgang ein, obwohl die letzten Geschäftszahlen sowie auch die künftigen Potenziale weiteres Wachstum nahe legen. Sollte sich das Börsensentiment nicht erheblich eintrüben, dürften auf Sicht von zwölf Monaten Kurse jenseits der 20 Euro realistisch sein. Aufgrund der geringen Liquidität der Aktie sollten Orders jedoch streng limitiert aufgegeben werden.
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