Quelle: www.geldanlage-report.de
Dollar vor dem Kollaps? Gold vor neuen Hochs?
Lieber Geldanleger,
spannender als derzeit kann es an den Finanzmärkten kaum noch werden: Der Ölpreis steigt auf ein neues Allzeit-Hoch, der Dollar fällt gegenüber dem Euro und zahlreichen anderen wichtigen Währungen auf neue Allzeit-Tiefs und der Goldpreis nimmt Kurs auf ein neues 27-Jahres-Hoch.
Lesen Sie, ob der Dollar jetzt vor dem vollständigen Kollaps steht und ob Sie Gold kaufen sollten.
Am Mittwoch kletterte der Euro/Dollar-Wechsel-Kurs über die Rekordmarke vom 24. Juli dieses Jahres und markierte damit ein neues Allzeit-Hoch. Am Donnerstag wurde das bisher gültige Rekordhoch bei 1,3926 US-Dollar erzielt.
Die Ursache liegt auf der Hand: Anleger befürchten nach wie vor eine deutliche Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft. Die Beschäftigung in den USA war im August zum ersten Mal seit vier Jahren rückläufig. Mit einer derartigen Eintrübung hatten Ökonomen im Vorfeld der Bekanntgabe der Zahlen nicht gerechnet. Eine Leitzinssenkung durch die US-Notenbank FED am kommenden Dienstag wird damit immer wahrscheinlicher. Aktuell liegt der Leitzins bei 5,25 Prozent.
Gleichzeitig scheint sich die europäische Wirtschaft von diesem Abwärtstrend abkoppeln zu können. Die EU-Kommission senkte am Dienstag die Konjunkturprognose für 2007 nur sehr moderat um 0,1 Prozent. Zahlreiche Präsidiumsmitglieder halten daher sogar eine weitere Zinserhöhung für angebracht.
Die EZB hatte auf ihrer letzten Sitzung zunächst auf die angekündigte Erhöhung verzichtet. Begründet wurde dies mit den Turbulenzen an den internationalen Kreditmärkten. Der aktuelle Zinssatz liegt bei 4,0 Prozent.
Durch diese Aussicht auf eine weitere Annäherung der Leitzinssätze werden Anlagen in Euro im Vergleich zum US-Dollar immer attraktiver. Entsprechend stützt dies den Euro und schwächt den Dollar.
*Wie schlimm es um die US-Wirtschaft steht
Eine Schlüsselrolle für die weitere Entwicklung spielt die Frage, wie schlimm es wirklich um die US-Wirtschaft steht. Kommentare verschiedener regionaler FED-Chefs hatten hier zuletzt zusätzlich für Unsicherheit gesorgt.
FED-Gouverneur Frederic Mishkin sprach von "erheblichen Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft". US-Finanzminister Henry Paulson glaubt, dass die Überwindung der Hypothekenkrise noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Dazu passt, dass die Vereinigung der amerikanischen Immobilienmakler ihre Prognose für die Zahl der Hausverkäufe am Dienstag bereits zum neunten Mal innerhalb eines Jahres gesenkt hat.
Die Hausverkäufe sollen nun 2007 um 8,6 Prozent fallen, statt wie zuvor prognostiziert um 6,8 Prozent. Die Zahl der verkauften Neubauten soll 2007 um 24 Prozent zurückgehen, nachdem sie bereits 2006 um 18 Prozent gefallen war.
Noch deutlicher beschreibt eine andere Statistik den Ernst der Lage: Die gerichtlichen Vollstreckungserklärungen für Hypotheken haben sich im Juli im Vergleich zur Vorjahresperiode knapp verdoppelt. Besonders kritisch sieht es in Kalifornien, Florida, Michigan, Ohio und Georgia aus.
Am Freitag erschienen nun (nach Redaktionsschluss) die Zahlen zum Einzelhandelsumsatz im August. Diese geben weitere Hinweise auf die zentrale Frage überhaupt: Inwieweit wird die Konsumneigung der US-Bürger von den Finanzmarkt-Turbulenzen in Mitleidenschaft gezogen? Die Marktteilnehmer werden diese Daten mit Argusaugen auswerten. Denn traditionell ist die US-Wirtschaft so sehr wie keine andere vom Konsum abhängig.
*Die Zahlen der großen US-Investmentbanken stehen an
Am kommenden Dienstag meldet mit Lehman Brothers die erste der großen US-Investmentbanken Zahlen für das zurückliegende Quartal. Morgan Stanley, Bear Stearns und Goldman Sachs folgen an den Tagen danach.
Die Wall-Street-Größen, die in den zurückliegenden beiden Jahren nicht zuletzt durch die Merger Mania glänzend verdient haben, müssen dann Farbe bekennen, wie sehr sie tatsächlich von der Hypothekenkrise betroffen sind. Daraus wiederum lassen sich dann Schlussfolgerungen ziehen, ob eine weitere Ausweitung der Finanzkrise droht.
*Die strukturelle Dollarschwäche
Doch der Dollar steht nicht nur gegenüber dem Euro bereits seit rund 18 Monaten unter starkem Abwertungsdruck sondern auch gegenüber den meisten anderen wichtigen Währungen. Nur relativ exotische Währungen wie die Rupie Sri Lankas oder der argentinische Peso waren zuletzt noch schwächer als der US-Dollar.
Die aktuellen Turbulenzen verstärken die langfristige strukturelle Schwäche des Dollars. Die eigentliche Ursache dafür, ist das immer größer werdende US-Leistungsbilanz-Defizit. Dieses entsteht dadurch, dass die USA dauerhaft mehr Güter importiert als exportiert. Dadurch herrscht ständig ein großes Angebot an US-Dollars auf den Devisenmärkten. Dies wird noch durch die großzügige Ausweitung der Geldmenge M3 (http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge) verstärkt.
In der Praxis refinanziert sich die USA über die Ausgabe von Staatsanleihen, die asiatische Handelspartner wie China zeichnen. Ausländische Staaten und Zentralbanken halten inzwischen bereits über die Hälfte aller im Umlauf befindlichen amerikanischen Staatsanleihen. Doch die Skepsis gegenüber dem Dollar wuchs zuletzt beträchtlich. Die Bestände wurden zuletzt eher abgebaut und in Euros oder gar in Gold umgeschichtet.
*Steht der Dollar nun vor dem Kollaps?
Diese Frage drängt sich angesichts der fundamentalen und charttechnischen Lage fast auf. In den Medien werden zudem von verschiedener Seite Untergangsszenarien gezeichnet. Insbesondere einige nicht unbedingt als seriös bekannten Börsenbriefe versuchen so verängstigte Leser zu ködern. Mit einseitiger Argumentation wird der Zusammenbruch des ganzen Finanzsystems propagiert. Eine Rezession in den USA und ein kollabierender Dollar sollen dabei den Anfang machen.
Was die Schwarzmaler dabei übersehen: Sollte die USA tatsächlich in die Rezession abrutschen (wovon der Großteil der Spitzenökonomen derzeit ausdrücklich nicht ausgeht!) könnte der Dollar sogar davon profitieren. Denn in diesem Fall dürften ja die amerikanischen Importe und damit auch das Leistungsbilanzdefizit deutlich zurückgehen. Das Dollarangebot dürfte dann auch abnehmen, was wiederum den US-Dollar stärken würde.
Hinzu kommt ein weiterer Effekt, der sich bereits am vorläufigen Höhepunkt der Hypothekenkrise eingestellt hat: Als Reaktion auf die Krise haben die risikoscheuen US-Bürger, die zuletzt verstärkt im Ausland investiert haben, ihre Auslandsinvestitionen teilweise aufgegeben und ihre Gelder zurück in die USA transferiert.
In der Folge ist der Euro gegenüber dem Dollar innerhalb weniger Handelstage von über 1,38 auf unter 1,34 US-Dollar eingebrochen.
Meine persönliche Meinung: In der Vergangenheit wurde der US-Dollar schon öfter "abgeschrieben". Beispielsweise bei der US-Invasion in den Irak im Frühjahr 2003 oder bei der Wiederwahl von George W. Bush im November 2004. Ende 2004 war der Euro dann bereits auf ein Rekordhoch von 1,3667 US-Dollar gestiegen.
In 2005 beherrschten aber auf einmal ganz andere Themen die Devisen-Landschaft: Das Nein der Franzosen zur EU-Verfassung stand genauso im Mittelpunkt, wie die von Italien angestoßene Debatte über ein Auseinanderdriften der Euro-Länder. Das überraschende Ergebnis: Ende 2005 notierte der Euro dann wieder unterhalb von 1,20 US-Dollar.
Das Sentiment gegenüber dem US-Dollar ist mittlerweile so negativ, dass der Greenback fast nur noch steigen kann. Ich jedenfalls kenne kaum jemand, der auf einen steigenden US-Dollar spekuliert. Das sollte die Euro-Bullen zumindest etwas nachdenklich werden lassen.
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Armin Brack
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