Kakao: Kurzfristige Trading-Chance auf der "langen Seite"!?



06:44 17.08.07

Quelle: http://www.rohstoff-trader.de  

Zwischen Mitte 2003 und Ende 2006 notierte Kakao unter teilweise hohen Schwankungen im Wesentlichen seitwärts. In der ersten Hälfe des laufenden Jahres jedoch hatte es den Anschein, als würde der „Schoko-Rohstoff“ endlich aus seinem „Dornröschenschlaf“ erwachen. In der Spitze konnten die Kurse im genannten Zeitraum rund 30 Prozent zulegen. Zuletzt allerdings kam es zu „scharfen“ Rücksetzern. Ist die „Hausse“ schon wieder vorbei, bevor sie eigentlich begonnen hat oder lohnen sich auf dem jetzigen Niveau Engagements auf der „langen Seite“? 

 

Langfristig steigende Nachfrage

 

Weltweit nimmt die Nachfrage nach Kakao seit 2002 kontinuierlich zu. Insbesondere in Europa ist bei den Konsumenten ein Trend hin zu bitterer Schokolade mit einem höheren Kakaoanteil zu beobachten. Darüber hinaus finden immer mehr Asiaten, die mit Süßigkeiten traditionell eigentlich nicht viel „am Hut“ haben, Geschmack an Kakao-Produkten. Lag der weltweite Verbrauch 2002 noch bei 2,92 Millionen Tonnen, beträgt er derzeit bereits rund 3,5 Millionen Tonnen. Dies entspricht einem Wachstum von gut 20 Prozent oder vier Prozent pro Jahr. Diese Entwicklung dürfte sich bis auf weitres fortsetzen und sich sogar leicht beschleunigen. Für die Zukunft rechnet die Internationale Kakao-Organisation mit jährlichen Zuwachsraten zwischen fünf und sieben Prozent. Die Nachfrageseite spricht damit sicherlich nicht gegen einen Long-Einstieg bei Kakao

 

Moderates Produktionsdefizit sehr wahrscheinlich

 

Dass die Notierungen dennoch lange Zeit nicht „in die Gänge“ kamen, lag primär am reichlich vorhandenen Angebot. Die permanente Ausweitung der Anbaufläche vor allem in den afrikanischen Staaten sorgte trotz des steigenden Bedarfs fast in jedem Jahr seit 2003 für einen Angebotsüberhang. Für die bis zum 30. September laufende 2006/07er Saison erwarten Experten zum erst mal seit langem ein signifikantes Produktionsdefizit. Die diesbezüglichen Schätzungen bewegen sich zwischen 145.000 und 236.000 Tonnen. Verantwortlich hierfür ist ein etwa siebenprozentiger Rückgang des globalen Kakao-Outputs. Dass die Kakaopreise angesichts solcher Meldungen nach oben „durchgestartet“ waren, ist keine große Überraschung.

 

Dabei übertrieb es der Markt – wie so häufig - aber offenbar. Mittlerweile liegen die ersten verlässlichen Schätzungen in Bezug auf die beiden Hauptanbauländer (die Elfenbeinküste und Ghana) vor. Die diesjährigen Ernten werden zwar geringer aber dennoch nicht so niedrig ausfallen wie viele Händler noch vor einigen Wochen befürchtet hatten. Da die empfindlichen Pflanzen die ungünstigen Witterungsbedingungen zu Jahresbeginn (Trockenheit) doch besser überstanden haben als allgemein vermutet, dürfte sich das Produktionsdefizit im laufenden Wirtschaftsjahr eher am unteren Ende der genannten Prognosen bewegen. Vielleicht beträgt es sogar nur knapp über 100.000 Tonnen.

 

Kakao definitiv keine Mangelware

 

Vor dem Hintergrund der gut gefüllten Vorratslager sorgten diese News natürlich für einen massiven Abgabedruck. Die Bestände werden zwar ebenso wie das Ending Stock to Use Ratio zurückgehen. Dessen ungeachtet liegt Letzteres mit 49 Prozent auf dem zweithöchsten Niveau seit 1997. Von Versorgungsengpässen kann daher nicht die geringste rede sein. Im Gegenteil: Kakao ist trotz der sinkenden Ernteerträge reichlich vorhanden.

 



Rückkehr zum Überangebot?

 

Der entscheidende Auslöser für den Kurseinbruch seit Mitte Juli waren aber Aussagen, dass der Markt in der nächsten Saison wieder ein Überangebot von 98.000 Tonnen aufweisen soll. Ob es dazu tatsächlich kommt, wird man sehen. Die Chancen dahingehend sind jedoch relativ hoch. Immerhin ist die schwache Ertragslage in 2006/07 ausschließlich auf die schlechten Wetterverhältnisse zurückzuführen. Die Anbauflächen sind nach wie vor sehr hoch. Geht man für das nächste Jahr von normalen klimatischen Bedingungen aus, wird der Output sicherlich überaus deutlich zunehmen.

 

Fundamental kaum Aufwärtspotenzial

 

Fundamental drängen sich nach unserer Einschätzung daher Long-Engagements in Kakao derzeit nicht wirklich auf. Die Nachfrage mag zwar steigen. Doch wir gehen davon aus, dass die Ernteerträge in 2007/08 so stark zunehmen, dass es zu einem Angebotsüberhang kommt, sofern das Wetter einigermaßen „mitspielt“. Tritt dieses Szenario ein dürften sich die momentanen Preise als erheblich zu hoch entpuppen. Im schlimmsten Fall können wir uns Notierungen von 850 oder sogar 800 Britischen Pfund vorstellen.

 

Technische Gegenreaktion nach oben gut möglich

 

Bei einem oberflächigen Blick auf den Kursverlauf des September-Futures erscheint bereits die bloße Idee eines Long-Einstiegs aberwitzig. Schließlich ist der Aufwärtstrend seit September letzen Jahres klar unterschritten und stattdessen hat sich ein neuer Abwärtstrend herausgebildet.

 

Bei genauerem Hinsehen jedoch gibt es einige gewichtige Argumente, die für ein Engagement auf der „langen Seite“ sprechen: Der Support bei knapp 950 Britischen Pfund wurde getestet und bislang erfolgreich verteidigt. Zudem steht der MACD unmittelbar davor, ein Kaufsignal zu generieren. Der Williams hat dieses mit dem Anstieg über das Niveau von -80 bereits getan. Insofern könnte es in Kürze zumindest zu einer technischen Gegenreaktion nach oben wenigstens bis zum Widerstand bei 985 Britischen Pfund kommen, zumal Kakao aktuell im Bereich seines unteren Bollinger Bandes notiert und damit erkennbar überverkauft ist.

 

Einen „schnellen Long-Zock“ vermag die charttechnische Ausgangssituation somit durchaus zu rechtfertigen. Wer sich hierzu „durchringen“ kann, sollte aber im Bereich von 900 Britischen Pfund (unterhalb der Unterstützung bei 910 Britischen Pfund) einen Stopp setzen. Sollte die genannte Marke nämlich nachhaltig unterschritten werden, drohen weitere Abgaben bis 870 Britische Pfund.  

 

 

Erfolgreiche Rohstoff-Trades wünscht

Ihr
Marc Nitzsche
Chefredakteur Rohstoff-Trader
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Über den Autor
 
Autor: Marc Nitzsche Marc Nitzsche,
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