Gestern habe ich in meinen „Kapitalmarkt-Trends“
unter der Rubrik „Radar internationale Presse“ über den schwachen
Ausblick, den Vodafone anlässlich der Vorstellung seiner Quartalszahlen
gab, berichtet. Die Umsätze, die derzeit noch um +19 % wachsen, sollen
– wie man hört – zukünftig nicht mehr so reichlich sprießen.
Insbesondere Europa macht den Briten zu schaffen. Aber nicht nur
Vodafone hat hier seine liebe Müh und Not. Auch unsere Deutsche Telekom
AG siecht dahin und macht wieder einmal Schlagzeilen.
Die Tochter T-Systems – will man den Gerüchten Glauben schenken – hat
einen deutlichen Aderlass vor sich. Wie man hört, sollen
betriebsbedingte Entlassungen anstehen. Das jedenfalls konnte den
Worten des Personalvorstandes Sattelberger indirekt entnommen werden.
Laut unabhängigen Schätzungen könnte es bis zu 4.000 Mitarbeiter
treffen. Wenn das denn reicht. Derzeit sind in dem Unternehmen mit
Konzernzentrale Frankfurt ca. 56.600 Mitarbeiter beschäftigt. Dieser
Personalabbau ist Teil eines Sparprogramms, das bis 2010 um die 800
Mio. Euro senken soll. Der T-Systems Chef Reinhard Clemens begleitet
die Maßnahme, die auch eine Produktbereinigung vorsieht, großspurig mit
den Worten, dass „wir nicht mehr alles machen, aber was wir machen,
machen wir perfekt“.
Wobei ich ein großes Problem habe das Wort perfekt mit der T-Systems AG
im Speziellen und der Deutsche Telekom AG zu verbinden. So z.B., wenn
ich die Personalpolitik bei beiden betrachte. Denn die ist – gelinde
gesagt – seit Jahren eine einzige Katastrophe. Diese ziel- und planlos
zu nennen wäre noch Schönrederei.
Sattelberger, Eick und Obermann machen da zusammen einen Fehler nach
dem anderen. Anstatt einmal einen harten Schnitt vornehmen, ermüden sie
die Mitarbeiter, die Aktionäre und auch die Öffentlichkeit mit ihrem
„Management bei Schnittchen“ (wurde nicht noch letztes Jahr die
Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern als große Errungenschaft
gefeiert?).
Das führt bei den Mitarbeitern zu großer Verunsicherung, bei den
Gewerkschaftern und Betriebsräten zu Vertrauensverlust und massivem
Widerstand und geringerer Produktivität. Wobei die ganze Spitzelaffäre
ja auch noch nicht ausgestanden ist und einzelne Arbeitnehmervertreter
im Aufsichtsrat der Deutsche Telekom AG, das Unternehmen diesbezüglich
angezeigt haben. Man kann sich unschwer ausmalen, wie die Stimmung auf
den Fluren der Telekom derzeit ist.
Dabei muss doch jedem, der die T-Systems nur ein wenig kennt, klar
sein, dass diesem Unternehmen eine umfangreiche Reorganisation
bevorsteht, die mit massiven Personalentlassungen und Verkäufen von
Teileinheiten einhergehen muss. So sind die verschiedenen in der
Vergangenheit zugekauften Teile des zusammen gewürfelten Unternehmens
bis heute nicht vollständig integriert. Und die Organisation bzw. das
Organigramm ist das Gegenteil von Übersicht und Transparenz.
Und wie stark sich der gesamte Vorstand verschätzt hat, zeigt doch dass
der Versuch die T-Systems zu verkaufen, im letzten Jahr kläglich
gescheitert ist. Wo sind denn die vielen Interessenten für die ach so
tolle T-Systems, von denen die Herren Vorstände sprachen? Stattdessen
hat ist man notgedrungen die Kooperation mit Cognizant Technology
eingegangen.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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