Merrill lyncht Vermögen



08:31 29.07.08

Wie eine heutige Meldung wieder einmal eindrucksvoll bestätigt, entbehren meine seit langem geäußerten Warnungen vor dem gesamten Bankensektor nicht einer Grundlage.

So hat das bekannte amerikanische Investmenthaus Merrill Lynch – offensichtlich in einem Akt purer Verzweiflung - beschlossen hypothekenverseuchte Vermögensgegenstände im Wert von mehr als 30 einher geht die Hoffnung des CEO John Tain einher, die Bilanz von den wesentlichen Risiken bereinigt zu haben, die die Bank mehr und mehr geplagt haben. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem Meilenstein.

Auf diese zum Verkauf stehenden Vermögensgegenstände sollen angabegemäß Wertberichtungen im Wert von 5,7 Mrd. Dollar anfallen. Damit musste Merrill Lynch seit Juni 2007 unfassbare 46 Mrd. Dollar (in Worten: sechsundvierzig Milliarden Dollar) wertberichtigt werden.

Und da auch eine so große Investmentbank wie Merrill Lynch solche Summen auch nicht ohne weiteres verkraften kann, hat das Unternehmen angekündigt, dass es weitere 8,5 Mrd. Dollar Kapital aufnehmen wird bzw. muss.

Mit diesem Vorgehen wird das erst kürzlich aufgenommene Kapital um ca. 38 % verwässert. Besonders schmerzvoll in diesem Zusammenhang ist, dass es einen Gesellschafter gibt, der auf Basis der zugrundeliegenden Verträge Sonderzahlungen erhält.

„Je länger man derzeit wartet, desto mehr verlieren die Papiere an Wert“, sind die Worte eines Marktbeobachters.  Insofern handelt Tain konsequent, wenngleich etwas spät. Wieder einmal erleben wir in der Bankenwelt das scheibchenweise Zugeben von Tatsachen, die alle längst ahnten und die die handelten Personen offensichtlich auch schon länger wussten.

So etwas gefällt Aktionären überhaupt nicht. Insofern ist es kein Wunder, dass der Merrill Aktienkurs allein in den letzten 4 Handelstagen -30 % an Wert verloren hat.



Andererseits muss man akzeptieren, dass Merrill jetzt die Zeichen der Zeit erkannt hat und äußerst harte und auch schmerzhafte Schnitte durchführt. Mit dem Ziel, die Handlungsfähigkeit auf den internationalen Märkten wieder herzustellen. Dabei geht das Management nach dem Motto „besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ vor. Was auch richtig ist.

Andererseits hat Merrill und die Finanzbranche das Problem, dass ihnen keiner mehr glaubt. Ich jedenfalls schalte total ab, wenn ich einen von diesen Typen reden höre. Man muss nur unseren Acki von der Deutschen Bank retrospektiv betrachten. Und wie lange er, der Kollege Mr. Deutsche Bank, Markenzeichen Victory Sign, gebraucht, bis er die Wahrheit ans Tageslicht brachte.

Für mich jedenfalls sind Banken und Versicherungen bis auf Weiteres absolute No Go’s. Merrill Lynch persönlich bestätigt mich in dieser Haltung. Es ist weiterhin große Vorsicht geboten.

Denn auch Aktionäre können ge“lynch“t werden.

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

Ihr Norbert Lohrke

Lynchjustiz ist verboten. Auch im Aktienbereich. Deshalb Globalyze!
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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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