Der Touristik und Handelskonzern mit dem
Kunstnamen Arcandor will im Geschäftsjahr 2008/2009 eine Dividende
zahlen. Das jedenfalls hat der Konzernchef Thomas Middlehoff gestern in
einem Interview angekündigt. Diese Ankündigung ging mit einem Kurssturz
einher, der den Ex-Bertelsmann Chef unbekümmert lässt, weil er
schließlich „den wahren Wert seines Unternehmens kennen würde“. Ob der
wirklich so hoch sein kann, will ich im Folgenden einmal nachgehen.
Letzte Woche hat Arcandor seine Zahlen zum 3. Quartal veröffentlicht.
Obwohl die Neunmonatszahlen relativ gut aussehen, müssen sich beim
Lesen der Zahlen für das 3. Quartal nicht nur auf unserer Stirn ein
paar Sorgenfalten kräuseln. Aber bleiben wir erst einmal bei den 9.
Monatszahlen. Das EBITDA hat sich um +250 % auf 204 Mio. Euro
verbessert. Dazu trugen insbesondere das gute Buchungsgeschäft des
Reiseanbieters Thomas Cook und der Versandhandelsdienstleister Primondo
bei. Die bereinigten Umsätze gingen allerdings nominal um -1,1 %
zurück. Das klingt also gar nicht so schlecht, wenngleich es uns nicht
gerade aus den Socken haut.
Schauen wir uns aber doch einmal die Entwicklung des 3.Quartals zum
Vorjahresquartal an. Vorweg gesagt, kann ich schon einmal konstatieren,
dass sich hier der Himmel über Arcandor deutlich bewölkt. So sind die
bereinigten Umsätze um -4,1 % zurück gegangen. Das EBITDA brach sogar
um -12,8 % ein.
Wobei der Vorstand in einem Nebensatz im Quartalsbericht zur
Verlustursache beinahe verniedlichend feststellt, dass lediglich der
kleinste Geschäftsbereich Karstadt mit Ertragsproblemen zu kämpfen hat.
Das klingt relativ bescheiden für das, was Karstadt im Arcandor Konzern
gerade anrichtet. Mit nicht einmal 21 % der gesamten Umsätze verhagelt
die kleine Karstadt dem mächtigen Arcandor Konzern und ihrem Lenker
Middlehoff ordentlich die Rendite. Das EBITDA, das mit 103,5 Mio. Euro
im Wesentlichen von Thomas Cook stammt (Primondo kann nur lächerliche
0,2 Mio. Euro dazuverdienen), wird immerhin mit dem negativen EBITDA
von Karstadt in Höhe von -50,9 Mio. Euro gerade einmal fast halbiert.
Nun habe ich auch schon den ein oder anderen börsennotierten Konzern
geprüft und ich kann Ihnen deshalb verraten, dass das kein gutes
Zeichen ist. Meine Erfahrung ist nämlich, dass einzelne kleine
verlustreiche Sparten einen ansonsten auch durchaus profitablen Konzern
gehörig ins Wanken und auch ins Schwitzen bringen können. Und bei
Arcandor wedelt derzeit der Karstadt-Schwanz mit dem Arcandor-Hund.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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