Was bei Volkswagen seit geraumer Zeit abläuft,
geht auf keine Kuhhaut mehr. So jedenfalls pflegte man bei uns zu
sagen, wenn etwas an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten war. Und
dass die ganzen Schweinereien die dort laufen keine Einzelfälle sind
und dahinter ein System steht ist jedem klar, der ein wenig
Lebenserfahrung auf dem Buckel hat.
Und welche Dimension das Ganze hat, kann man daran erahnen, dass selbst
der Regisseur und Filmemacher Dieter Wedel darüber ernsthaft nachdenkt,
einen Mehrteiler über die Vorgänge bei VW zu drehen. „Das ist ein
Wahnsinns-Stoff, in dem alles vorkommt: Sex, Intrigen und Macht“.
Mit diesem Film wird er, die von ihm produzierten Filme wie „Der große
Belheim“ oder „Die Affäre Semmeling“, in Vergessenheit geraten lassen.
Das ist heute schon klar.
Denn was sich bei Volkswagen abgespielt hat und leider immer noch
abspielt, ist eine Soap, wie man sie in seiner kühnsten Fantasie nicht
ausdenken könnte. Über die Lustreisen und die Korruption mit den
Betriebsräten habe ich seinerzeit an dieser Stelle schon ausgiebig
berichtet. Auch über die Verurteilungen von dem Dutz-Freund unseres
Ex-Kanzlers Peter Hartz und Klaus-Joachim Gebauer. Wobei uns leider der
Name Hartz noch weiter erhalten bleiben wird.
Und unsere „selbstlosen“ Gewerkschaftsfreunde von der IG Metall, die
sich in der Vergangenheit aufspielten, als wären sie die einzigen, die
an die armen Arbeitnehmer denken, haben mächtig eins auf die Schnauze
bekommen. Wobei diese potemkinsche Fassade spätestens seit Ex-IG-Metall
Chef Franz Steinkühler mit seinen Insidergeschäften und Zwickels
Handreichung zu dem Esser Millionendeal bei Mannesmann deutliche Risse
bekommen hat.
Aber irgendwie mag der mit etwas Abstand auf das ganze Theater
Schauende nicht so recht glauben, dass sich das alles wie zufällig
ereignet hat. Dafür ist die Tragweite einfach zu groß. Und die Liste zu
lang. Man erinnere sich nur an den längst vergessenen José Ignacio
Lopez, der mit sieben seinen Mitarbeitern nach Wolfsburg kam und
offenbar Firmeninterna der General Motors Tochter Opel mitgenommen
hatte. In den USA wurde seinerzeit sogar einen Klage wegen
Industriespionage auf Grundlage des RICO-Acts, der ursprünglich zur
Bekämpfung des organisierten Verbrechens geschaffen wurde, eingereicht.
Gegen eine Zahlung von 100 Mio. Dollar Schadensersatz an GM und dem
Bezug von 1 Mrd. Dollar Bauteile wurde ein Vergleich erzielt, der es zu
keiner Verurteilung hat kommen lassen.
Wer da noch glaubt, dass das alles zufällig passiert wäre, irrt.
Denn das Ganze hat System. Und das System hat einen Namen. Und der
lautet
Ferdinand Karl Piech.
Jener Mann der am 1. Januar 1993 Nachfolger von dem damaligen
erfolglosen Carl Hahn den Vorstandsvorsitz übernommen und den
Volkswagen-Konzern zugegebenermaßen in eine nicht wenig erfolgreiche
Gegenwart geführt hat. Und der inzwischen zu einem der
einflussreichsten Menschen in der deutschen Automobilindustrie zählt.
Und als Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen und
Aufsichtsratsmitglied bei Porsche mit dem latenten Interessenskonflikt
und Verstoß gegen der Corporate Governance Kodex offensichtlich gut
leben kann.
Es ist geradezu lächerlich, wie er sich in der Lustreisen Affäre als
Unwissender hingestellt hat und so tat, als wenn er von dem allen
nichts gewusst hätte. Er, der sich überall einmischte und der dafür
bekannt war, dass er mit den Arbeitnehmervertretungen und
Gewerkschaften den engen Schulterschluss suchte und zu allem bereit
war, damit er unbehelligt seine Vision eines globalen Autokonzerns
umsetzen kann. Allein sein Blick verrät diesen ungestümen Ehrgeiz.
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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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