In einem Positionspapier der Versicherungsbranche
mit dem Titel „Soziale Sicherung 2020“ werden weitreichende
Reformüberlegung für die sozialen Sicherungssysteme angestellt. Da der
Staat – ihrer Meinung nach - zukünftig nicht mehr in der Lage sein wird
die Systeme zu finanzieren fordern sie unterm Strich und nicht ganz
uneigennützig, dass der Staat in den Versicherungssystemen nur noch
einen Grundschutz anbietet und alles was darüber hinaus geht, von
ihnen, den privaten Versicherungen, abgedeckt werden soll.
Nach dem Papier soll die derzeitige Rentenversicherung
abgeschafft werden und durch eine steuerfinanzierte Grundrente ohne
Bedürftigkeitsprüfung ersetzt werden. Die Hinterbliebenenrente soll
dort mit einbezogen sein. Die Förderung privater Renten soll ausgebaut
werden.
Auch in der Krankenversicherung soll es künftig nur eine Art
Grundschutz zu einem einheitlichen Pauschalsatz geben. Dieser soll
unabhängig von Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen sein. Dabei ist
das Leistungsangebot auf die Basisversorgung begrenzt. Alles was
darüber hinausgeht, muss dann zukünftig über weitere ergänzende
Versicherungen abgedeckt werden. Für einen nur sehr langfristig
möglichen Übergang sollen Leistungen aus der gesetzlichen Versicherung
in die privaten Versicherungen ausgegliedert werden
Die Pflegeversicherung soll auf eine einheitliche Grundsicherung und
auf das Kapitaldeckungsprinzip umgestellt werden.
Die gesetzliche Arbeitslosenversicherung soll ganz abgeschafft
werden, da das Existenzminimum durch das Arbeitslosengeld II abgedeckt
sei. Und für den eventuellen Zusatzbedarf wird eine staatliche
Förderung ins Spiel gebracht. Und zuletzt soll die gesetzlich
Unfallversicherung soll ganz privatisiert werden.
Bevor ich auf einzelne Punkte eingehe, möchte ich folgende generelle
Anmerkungen zu dem Papier machen. Dass die Versicherungswirtschaft auf
die Malaise der Systeme hinweist, deren zukünftige
Finanzierungsprobleme aufzeigt und auch Lösungsvorschläge anbietet ist
richtig, verantwortungsvoll und längst überfällig. Dass sie damit
gleichzeitig der Sozialpolitik in Deutschland seit Norbert Blüm und
davor ein grottenschlechtes Zeugnis ausstellt, ist notwendig und leider
angebracht.
Denn eines zeigt die Entwicklung unseres Sozialstaats und unserer
Sozialsysteme recht deutlich. Wenn Anreize falsch gesetzt werden und
Systeme aus politischer Opportunität bzw. Unfähigkeit nicht rechtzeitig
angepasst werden, entwickeln sie sich zu einem Fass ohne Boden. Aus dem
jeder mehr schöpfen mag, als er rein getan hat. Was bekanntlich nicht
gut gehen kann. Und weil das so ist, gehören die Systeme privatisiert
und somit den unfähigen Händen der Politiker entzogen. Weil Gesundheit
und Altersversorgung eben keine freien Güter sind, sondern Produkte
bzw. Dienstleistungen für die man bezahlen muss und die sich den
Preis-Leistungserwägungen des Marktes stellen müssen. There is no
free lunch! Insoweit stimme ich den Versicherern im Grundsatz zu.
Bauchschmerzen bekomme ich allerdings bei der Grundsicherung. Denn die
besagt im Grund nichts anderes, als dass man sich nicht mehr anstrengen
muss, weil man – egal ob man arbeitet oder dem Staat und uns allen faul
auf der Tasche liegt – eine Leistung erhält. Was ich persönlich als
hart arbeitender Mensch als äußerst ungerecht empfinde. Warum soll
ich für Faulenzer mitzahlen? Wobei ich das gerne für Menschen tue,
die in irgendeiner Weise eingeschränkt sind und geistig oder körperlich
den Anforderungen unserer Welt nicht gewachsen sind. Also den wirklich
Bedürftigen.
Und Zornesröte steigt in mir auf, wenn ich mir die einzelnen Vorschläge
ansehe und das Gefühl bekomme, dass sich da unsere Versicherer gerade
ihr eigenes Konjunkturprogramm geschneidert haben.
Gemeinwohlorientierung scheint in diesem Staat total verloren gegangen
zu sein. Die pure Gier scheint sich an deren Stelle festzusetzen.
Denn für kapitalgedeckte Systeme bin auch ich. Aber nicht für solche,
die einseitig die Versicherungswirtschaft bevorzugen. Warum setzen
wir nicht einfach die notwendigen Rahmenbedingungen und lassen den
mündigen Bürger selbst entscheiden? So könnte der Staat vorgeben,
dass jeder Bürger einen gewissen prozentualen Betrag seines Einkommens
in die Altersvorsorge investiert. Wie allerdings investiert wird,
sollte man dem Bürger überlassen. Dazu brauche ich weder die
überbürokratisierte Riesterrente oder sonst ein Ungetüm. Es reicht ein
simples Bankkonto, auf das der Bürger lediglich einen verwaltenden
Zugriff hat. Bestimmte Finanzierungsformen wie Optionen, Futures oder
sonstige Derivate und Zertifikate sollte man ausschließen. Und, wenn
man eine Förderung geben will, sollte man das direkt tun und im
Haushalt transparent zeigen.
|
Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Devin Sage TXA DAX ... Devin Sage, Technische-X-Analyse.de (14:28) |
|
|
Erfolgreicher Börsengang !!! Bernd Niquet, Autor (11:14) |
|
|
DAX & Facebook ... Frank Sterzbach, Finanzen & Börse (11:10) |
|
|
Dow Jones alles auf ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:28) |
|
|
GOLD: Baldiges Ende ... Günther Artner, CFA - Erste Group B. (10:03) |
|
|
Hüfners ... Redaktion boerse-frank., Deutsche Börse AG (09:33) |
|
|
Ungarn-Anleihe: Mögliche ... Sven Krupp, (09:02) |
|
|
DAX: Weiterer ... S. Böhm, DaxVestor (07:30) |
|
|
US-Dollar: Vorläufiges ... Herr Dr. Rettinger, Devisen-Trader (07:23) |
|
|
Nullzins-Anleihe ... Sabine Traub, Börse Stuttgart AG (07:08) |
|
|
Bellhaven Copper & ... Stefan Bender, silbernews (25.05.12) |
|
|
Euro-BTP-Futures: Forza ... Dirk Friczewsky, Tradingstrategien (25.05.12) |
|